Xenophobia Quartet präsentiert dem Publikum der Mildestadt jazzige Instrumentalmusik

Es klingt, kratzt, klopft in der Kirche

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Jazzige, improvisierte, experimentelle Musik erklang am Donnerstagabend in der Kalbenser Nicolaikirche: Das „Xenophobia Quartet“ war im Zuge ihrer Deutschland-Tournee zu Gast.

Kalbe. Reiben, kratzen, schütteln, klopfen, schlagen, streicheln, pusten – die Instrumente des „Xenophobia Quartets“ wurden am Donnerstagabend in der Kalbenser Nicolaikirche mehr als nur gespielt und die Leidenschaft für die Musik stand den Künstlern ins Gesicht geschrieben.

Das Quartett tourt derzeit durch Deutschland und machte auch in der Mildestadt Halt. Drei der vier Künstler, nämlich Steffen Roth (Schlagzeug), Marius Moritz (Orgel) und Jonathan Strauch (Saxofon), kennen die Stadt bereits, denn sie gastierten dort während der Künstlerstadt-Campuszeit. Kennengelernt haben sich die drei aber in Dresden während des Studiums. Und gemeinsam waren sie Anfang 2015 in New York City. Der befreundetet New Yorker Komponist Amir Shpilman brachte die Studenten dort mit David Whitwell (Posaune) zusammen, der das Quartett vervollständigt. Musikalisch und menschlich waren sie alle gleich auf einer Wellenlänge und bei Kneipengesprächen bemerkten sie, dass sie sich dem Zuwachs der selben politischen Tendenzen ausgesetzt sehen: der Fremdenfeindlichkeit. „Zu dieser Zeit kam die ganze Pegida-Bewegung auf“, so Steffen Roth, „wir haben das in Dresden live mitgekriegt.“ Und auch in den USA waren die Themen Migration und besonders die Polizeigewalt gegen Afroamerikaner in aller Munde. Also gaben sie ihrer Formation ein Thema: Musik gegen Fremdenhass und als Anregung zum Diskurs.

Und dieser Musik lauschte am Donnerstagabend ein kleines aber feines Publikum in der Kalbenser Nicolaikirche. Zu hören gab es im Grunde ein durchgehendes Stück, allerdings mit vielfältigen Facetten. Dadurch, dass die Musiker in der Kirche umherliefen, verteilte sich auch die Akustik ganz unterschiedlich – einmal waren die Trommeln im Vordergrund, dann wieder die Posaune.

Experimentell und jazzig, mal ganz ruhig wie ein Herzschlag, dann so wuselig wie der Times Square spielte das „Xenophobia Quartet“. Einmal hörte es sich an, als ob in Mekka zum Gebet gerufen wird, dann wiederum wie eine Sommernacht, die erfüllt ist von zirpenden Grillen. Stellenweise hätte es gepasst, wenn ein Steppenläufer wie im Westernfilm über den Kirchenboden gerollt wäre.

Für ihren Schweiß und ihre Hingabe wurde das Quartett mit großem Applaus belohnt.

Von Hanna Koerdt

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