Stadtgebiet Kalbe soll als Überschwemmungsgebiet festgelegt werden / Betroffene Bürger können Einwand erheben

„Für die Stadtlage Kalbe ein Unding“

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Die Kernstadt Kalbe ist nur ein kleiner Teil des Gebietes in der Einheitsgemeinde, welches vom LVwA durch eine Verordnung als Überschwemmungsgebiet festgesetzt werden soll. Über das Thema und die resultierenden Folgen sollen Bürger beim nächsten Bauausschuss am 9. Juni informiert werden.

Kalbe. Die Kalbenser Innenstadt ein Überschwemmungsgebiet? Laut Landesverwaltungsamt (LVwA) ist sie es offenbar.

Denn ein Verordnungsentwurf des LVwA (im Zuge der Kartierung der Überschwemmungsgebiete in Sachsen-Anhalt, darunter die Milde mit Secandsgraben) soll nun die Stadtlage und auch weite Teile der Einheitsgemeinde als Überschwemmungsgebiet festsetzen.

„Das muss verhindert werden. Für die Stadtlage Kalbe ist das ein Unding“, sagt Kerstin Schulz vom Bauamt in Kalbe. Im Fall, dass die Verordnung in dieser Form durchgeht, sind die Folgen für die Bürger erheblich: Bürokratischer Mehraufwand (Ausnahmegenehmigungen, Auflagen, besondere bauliche Maßnahmen etc.) bei Bauvorhaben und wohl auch steigende Versicherungskosten für ihre Häuser. Wenn Eigentum im Überschwemmungsgebiet liegt, „kann das sehr wohl Auswirkungen auf die Versicherungskonditionen haben“, so Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth.

Doch jeder kann auch dagegen vorgehen und Einwände erheben. „Unser Ziel ist es, die Stadtlage als Überschwemmungsgebiet rauszunehmen“, sagt Kerstin Schulz. Das könne man aber nur mit öffentlicher Beteiligung der Bürger erreichen. Noch bis zum 20. Juni kann der Verordnungsentwurf sowie die entsprechenden Karten von jedem Bürger im Internet oder im Rathaus in Kalbe eingesehen werden. Diese Möglichkeit sollte auch jeder Bürger, der Eigentum hat oder bauen und ausbauen möchte, wahrnehmen, um zu sehen, ob er von der Verordnung betroffen sein wird.

Auf der nächsten Sitzung des Bauausschusses, die am Dienstag, 9. Juni, in den Räumlichkeiten der ehemaligen Spielothek im Kalbenser Kulturhaus stattfinden wird, sollen die Bürger umfassend über den Verordnungsentwurf informiert werden. Es werden auch Mitarbeiter des LVwA anwesend sein.

Zum Entwurf können sich die betroffenen Bürger, Kommunen und Behörden bis zum 6. Juli „schriftlich oder zur Niederschrift bei der Oberen Wasserbehörde (Landesverwaltungsamt) äußern“, heißt es in einer Pressemitteilung des LVwA.

Solange das Verfahren läuft, müssen die Verantwortlichen den Betroffenen erklären, warum das Gebiet Überschwemmungsgebiet sein soll. Sobald es in Kraft tritt, „dreht sich die Last um, so dass jeder dann nachweisen muss, dass sein Bauvorhaben diesen Hochwasserschutz nicht beeinträchtigt“, erklärt Kerstin Schulz.

Wieso die Stadtlage Hochwassergebiet sein soll, ist der Stadtverwaltung derzeit noch ein Rätsel. „Es gibt viele Fragen, die offen sind“, erklärt Kerstin Schulz. So sei auch nach Recherchen noch unklar, woher das Wasser kommen könnte. Von der Quelle bei Letzlingen jedenfalls nicht, sagt Schulz. Nach der Durchsicht der Karten lasse sich erahnen, dass es sich um einen Rückstau der Elbe handeln könnte. Nur liegen der Aland und die Biese viel näher an der Elbe, die umliegenden Gebiete seien allerdings nicht als Überschwemmungsgeniete ausgewiesen. Die Richtigkeit und Notwendigkeit der Festlegung des Stadtgebietes Kalbe als Hochwassergebiet zweifelt die Kalbenser Stadtverwaltung an.

Das Grundzentrum der Einheitsgemeinde werde perspektivisch gesehen mehr und mehr der Ort sein, wo die Leute hinziehen werden, so Ruth. „Jedes Handicap, was man uns dort auferlegt in Hinsicht auf bauliche Ansiedlung, ist auch, was die Zukunft angeht, extrem schädigend“ befindet der Bürgermeister.

Von Hanna Koerdt

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