Nach Standort-Diskussion: Wertstoffhof in Kalbe kommt erstmal nicht

Deponie legt Pläne auf Eis

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Ein Wertstoffhof wird hinter dem Rathaus von Kalbe zunächst nicht eingerichtet.

Kalbe. Karsten Ruth sah alles andere als glücklich aus. Während der jüngsten Stadtratssitzung verlas Kalbes Bürgermeister ein Schreiben, das er wenige Tage zuvor von Steffen Romatschke, dem Geschäftsführer der Deponie GmbH aus Gardelegen, erhalten hatte.

Inhalt: Die Pläne der Deponie, hinter dem Kalbenser Rathaus einen Wertstoffhof einzurichten, sind erstmal auf Eis gelegt.

„Mit großer Verwunderung“, so Romatschke in seinem Brief, habe er die Standort-Diskussion verfolgt. Die Folge: Die GmbH werde „vorerst weitere Planungsarbeiten einstellen.“ Mit anderen Worten: Der Wertstoffhof in Kalbe kommt, wenn überhaupt, erst später. Auf einen solchen Wertstoffhof könnten Bürger unter anderem Elektroschrott und Grünschnitt kostenlos abgeben und müssten nicht erst zur Deponie nach Gardelegen fahren. Auf diese Weise könnten Deponie und Stadt auch das illegale Entsorgen im Wald eindämmen. Indirekt bezieht sich der Vorwurf der Deponie auf Kalbes Ortsbürgermeister Heiko Gabriel, der im Namen von Kalbensern den geplanten Standort kritisierte. Karsten Ruth hingegen stellte zuletzt klar, dass es einen Alternativ-Standort nicht gebe. Und auch der städtische Hauptausschuss hatte sich klar zum Wertstoffhof am Rathaus positioniert (wir berichteten). Romatschke, so Ruth nach einem Telefonat mit dem Deponie-Geschäftsführer, sei „deutlich verschnupft“ über die Standortdiskussion gewesen. Der Bürgermeister steht auf der Seite der Deponie: Es handele ich um „ein Unternehmen, das weiß, was es tut“. Und: Es wäre für die Stadt Kalbe „fatal, wenn wir diese Chance nicht nutzen“. Denn ein Wertstoffhof sei ein freiwilliges Angebot der Deponie GmbH.

Kalbes Ortsbürgermeister Heiko Gabriel.

„Ich wurde durch diesen Brief im Misskredit gebracht“, ereiferte sich Heiko Gabriel, Kalbes Ortsbürgermeister, der während der Stadtratssitzung anwesend war. Er habe letztlich nur die Bedenken einiger Bürger artikuliert. Dass er nun schuld am Planungsstopp sein solle, „dagegen verwahre ich mich entschieden“, so Gabriel.

Der Kalbenser Stadtrat setzte danach ein symbolisches Zeichen. Bei nur einer Enthaltung – Doris Benecke aus Zethlingen kennt sich nach eigenen Angaben mit der Thematik zu wenig aus, um Position zu beziehen – stimmte der Stadtrat für den Wertstoffhof in Kalbe. Und zwar hinter dem Rathaus, also am vorgesehenen Standort. „Dort war“, so ergänzte Kalbes Altbürgermeister und Stadtratsmitglied Dr. Helmut Bender, „früher schon der Bauhof der Stadt“.

Von Stefan Schmidt

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