Landesheimatbund lud Politik und Ehrenamt zum „Vereinsdialog“ ein / Herausforderungen bei Förderungen thematisiert

„Brauchen Hilfe auf politischer Ebene“

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Im Zuge des Landesheimatbund-Projektes „Vereinsdialoge“ zeigte Corinna Köbele den Gästen die Rathausstraße und berichtete von den Herausforderungen, vor die Vereine gestellt werden.

Kalbe. „Ich habe es satt, mir depressive Prognosen vorbeten zu lassen“, sagt Corinna Köbele.

Besagte Prognosen beziehen sich darauf, dass nichts los sei auf dem Land, dass junge Menschen in kleinen Orten nicht leben wollen, dass ältere Bürger resignieren, Häuser verrotten und irgendwann ganze Straßen nicht mehr bewohnt sind und, dass dadurch alles nur schlimmer und nichts besser wird. Dabei gibt es im ländlichen Raum genug Menschen, die sich in Kultur-, Sport- und anderen Vereinen und für Projekte einsetzen, die das Leben auf dem Land erfüllen. Etwas zu bewegen ist, vor allem, wenn dafür Geld erforderlich ist, oft nicht leicht. Fast täglich sitzt die Künstlerstadt-Initiatorin über irgendwelchen Anträgen, Berichten, Beschreibungen oder Prüfungsbögen und rechtfertigt und erklärt die Projekte und Ideen der Künstlerstadt Kalbe, damit die finanzielle Umsetzung möglich wird. Wenn nicht ihr ganzes Herzblut darin stecken würde, hätte sie vermutlich schon resigniert. „Wir brauchen Hilfe auf politischer Ebene“, erklärte Köbele am Dienstagabend gegenüber Dorothea Frederking (Grünen), Carsten Behrend (SPD) und Hans-Jörg Krause (Die Linke). Die Politiker waren zu einem Gesprächsabend im Zuge des Projektes „Du bist Politik – Vereinsdialoge“ nach Kalbe gekommen.

Bei den Vereinsdialogen handelt es sich um ein Projekt des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt. Ziel ist es, die in Vereinen ehrenamtlich engagierten Menschen mit ihren Regierungsvertretern zusammenzubringen. So möchte man dazu beitragen, dass sich Vereine und Menschen mit ihren Anliegen mehr Gehör verschaffen und letztlich von der Politik mehr Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Ideen erfahren, erklärte Tilo Garlipp, der Projektverantwortliche des Landesheimatbundes, den Teilnehmern in den Kalbenser Ratsstuben.

Unterstützung – das wünscht sich Corinna Köbele. Sie erzählte, dass die Künstlerstadt den Gebäudekomplex Rathausstraße 39 gekauft hat. Dort soll neben Stipendiatenwohnungen und Atelierräumen beispielsweise auch ein Begegnungscafé entstehen. Man möchte etwas Dauerhaftes für junge und ältere Bürger schaffen, mit Angeboten außerhalb der Campuszeit – einen „Kulturhof“. Denn letztlich sei die Intention der Künstlerstadt nicht allein die, dass junge Leute von außerhalb „mal kurz hierher kommen, was machen und dann wieder weg sind“, so Köbele, sondern die, dass etwas für die Region und für die Menschen die hier leben getan wird. Und auch, wenn es von der großen Politik immer wieder heißt: „Ländlichen Raum stärken“, so wird es denjenigen, die dies vor Ort umsetzen wollen, nicht leicht gemacht. Ein großes Problem ist die finanzielle Förderung. Köbele bemängelt zum Beispiel, dass die Eigenmittel, die für Förderungen wie Leader aufzubringen sind, von den meisten Vereinen gar nicht geleistet werden können.

Auch sei es überhaupt schwierig herauszufinden, welche Förderungen es für verschiedene Projekte gebe. Hier wiesen die anwesenden Politiker auf die Fördermitteldatenbank des Landes Sachsen-Anhalt hin. Das sei zwar eine Möglichkeit, allerdings stünden, erklärte Köbele, hier oft schon längst abgelaufene Förderprogramme im Netz. Ein weiterer Kritikpunkt ist derjenige, dass Förderungen oft nicht nachhaltig seien, sich nur auf ein bestimmtes Projekt beziehen und einmalig dafür Geld fließt, der Fortlauf aber nicht weiter unterstützt wird. Hans-Jörg Krause stimmte zu: „Das Land sagt: ‘institutionell wird nicht gefördert’.“ Hier müsse man strukturell umdenken, damit Vereine auch laufende Kosten decken können. Zumal der Trend da sei, dass der Staat vieles, was selbst finanziell nicht leistbar ist, auf Vereine abgewälzt werde.

Man müsse von politischer Seite die Menschen vor Ort dazu befähigen, dass sie ihre Stadt nach vorne bringen können, so Carsten Behrend. Dazu gehört nicht nur der finanzielle Aspekt. Anträge zu verstehen, die gespickt sind von Fachbegriffen, Amtsdeutsch und Anglizismen, ist herausfordernd, machte Köbele deutlich: „Es wäre wünschenswert, da einen Ansprechpartner zu haben, auch regional“. Hans-Jörg Krause überlegte daraufhin, ob man nicht die Aufgabenfelder von Regionalmanagern oder auch Bürgerarbeitern erweitern könne. Hier sei man bisher wieder zu sehr auf nur bestimmte Felder und Vorstellungen festgelegt: „Warum so kurzspurig?“, fragte der Politiker und bekam Zustimmung.

Bis in den späten Abend wurde sich ausgetauscht. Und die gewünschte Unterstützung, die gab es auch. So hatte Corinna Köbele im Vorfeld der Veranstaltung einige Fragen zur Realisierung des Kulturhofes an die Politiker geschickt. Dorothea Frederking hatte daraufhin recherchiert und einige Impulse und Vorschläge gesammelt, wofür sich Corinna Köbele bedankte: „Es war einiges dabei, was ich noch nicht kannte“. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich hätte was beitragen können“, freute sich die Landtagsabgeordnete.

Von Hanna Koerdt

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