Tolle Aufführung von Prokofjews musikalischem Märchen

Im Zeichen des Wolfs: Mund zu, Ohren auf

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Schauspieler Roman Knizka verkörperte am Sonnabend Sergej Prokofjew in moderner Form mit Smartphone und Pokemonjagd.

Zichtau. Schauspieler Roman Knizka schlüpft beruflich ja in so manche Rollen.

„Vogel“ Franziska Ritter, „Ente“ Elke Uta Frenzel, „Wolf“ Benjamin Liebhäuser, „Großvater“ Florian Liebhäuser und „Katze“ Sophie Seemann. Alle zusammen sind das Holzbläserquintett Opus 45.

Am Sonnabendnachmittag war er der sehr charmante Sergej Prokofjew, der Generationen von Kindern mit seiner musikalischen Geschichte „Peter und der Wolf“ die zumeist ersten Hörerfahrungen mit klassischer Musik bietet. Und Prokofjew schrieb sie laut Knizka, um Kindern ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern.

Das schafft das musikalische Märchen auch heute noch – 80 Jahre nach der Uraufführung 1936. Doch am Sonnabendnachmittag fehlte im ausgebauten Rinderstall auf dem Gut Zichtau noch etwas Entscheidendes. Zahlreiche kleine und größere Kinder, die mit Eltern, Großeltern, anderen Familienangehörigen oder Freunden gekommen waren, saßen schon erwartungsvoll auf den Stühlen und auf dem extra zum Sitzen ausgebreiteten Teppich vor Bühne. Doch von den Musikern, laut Knizka sind das „Leute, die sich mit einem Instrument besonders angefreundet haben“, war zunächst weit und breit nichts zu sehen. Doch als moderner Prokofjew hatte Knizka natürlich ein Smartphone dabei, das im Saal sogar funktionierte. Und alsbald betraten Franziska Ritter mit ihrer Flöte, Elke Uta Frenzel mit ihrer Oboe, Sophie Seemann mit ihrer Klarinette, Benjamin Liebhäuser mit seinem Horn und Florian Liebhäuser mit seinem Fagott die Bühne.

Sie gemeinsam sind das Ensemble Opus 45 – ein Quintett, weil eben aus fünf Musikern bestehend, lernte das Publikum auch noch ganz nebenbei. Nun waren mit dem Erzähler und den Musikern schon die wichtigsten Komponenten beisammen. Doch noch mussten die Instrumente den Handelnden zugeordnet werden. Auch das wurde gemeinsam mit den Kindern ausprobiert und entschieden, die damit sogleich die Töne der jeweiligen Instrumente für Peters Freund, den Vogel (Querflöte), Großvater (Fagott), Ente (Oboe), Katze (Klarinette) und Wolf (Horn) im Ohr hatten. War Peter zu hören, spielten alle Instrumente gemeinsam. Und auch die Kinder waren während der Aufführung gefragt. Denn sie stellten den Zaun, deren Tür Peter offen ließ, und den Wald dar, in dem Peter ganz modern auf Pokémon-Jagd ging. Die Männer im Publikum waren zudem für das Schnarchen und die Frauen für das Pfeifen des Großvaters zuständig.

Nicht nur alle Stühle im Zichtauer Rinderstall, sondern auch der Teppich vor der Bühne waren voll besetzt. Die Kinder machten bei der Aufführung auch mit und waren ein „Zaun“.

Dann konnte es endlich losgehen, nachdem Knizka mit dem „Wolfszeichen – heißt Mund zu und Ohren auf“ um die geschätzte Aufmerksamkeit aller bat. Und die hatten er und seine Musikerkollegen. Ganz gebannt lauschten Groß und Klein seiner Erzählung nach der humorvollen Textfassung von Vicco von Bülow, alias Loriot, und den wunderbaren Klängen der Instrumente.

Viel zu schnell war das rund einstündige Konzert im Rahmen des Programms Klangspuren der Altmark Festspiele zu Ende. Und Jung und Alt bedankte sich mit langem Beifall für die sehr kurzweilige Unterhaltung.

Von Elke Weisbach

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