Unangenehme Nachfragen im Gardelegener Hauptausschuss zur Kostenexplosion beim Kasa-Abriss in Mieste-Nord

„Wir sind in einer ganz blöden Situation“

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Mussten unangenehme Fragen beantworten: Bauamtsleiter Engelhard Behrends und seine Mitarbeiterin Petra Külper.

Mieste. „Wir befinden uns als Stadträte in einer ganz blöden Situation. “ Walter Thürer rang während der Hauptausschuss-Sitzung am Dienstagabend fast mit den Worten.

Es ging – mal wieder – um die Abriss- und Entsorgungsarbeiten auf dem Gelände des ehemaligen Kartoffelschäl- und Abpackbetriebes, kurz Kasa, in Mieste-Nord. Dort ruhen derzeit die Arbeiten, weil wegen neuerlicher Asbestfunde erhebliche Mehrkosten entstehen. Mehrkosten un Höhe von 740 000 Euro, die der Gardelegener Stadtrat erst noch abnicken muss – oder eben auch nicht. Im Falle eines Neins, so ist nicht nur Walter Thürer bewusst, wird die Maßnahme erheblich teurer.

Entweder, indem die Stadträte diesen Mehrkosten zustimmen. Bei einer möglichen und von Bauamtsleiter Engelhard Behrends erhofften 80-prozentigen Förderung blieben immer noch 164 000 Euro aus der Stadtkasse übrig. Stimmt der Stadtrat diesen Mehrkosten aber nicht zu, müsste die Stadt dennoch tief in die Tatsache greifen. In diesem Fall würde wohl die bisher ausgezahlte Landes-Förderung zurückverlangt werden –weil die Baumaßnahme nicht beendet wird. Das wäre dann mehr als eine halbe Million Euro. So oder so: Die Stadt muss zusätzlich Geld bereitstellen. Und „bei einem Stopp entstände ein noch größerer Schaden“, erläuterte Bauamts-Mitarbeiterin Petra Külper. Denn die einstigen Kasa-Gebäude sind zwar mittlerweile abgerissen, aber ein Großteil des Materials ist noch gar nicht entsorgt. Es liegt nun auf dem umzäunten und abgesperrten Gelände herum.

Die Lage erinnere ihn an „ein bisschen Erpressung“, erklärte Ausschussmitglied Norbert Hoiczyk. Walter Thürer ergänzte: „Die ganze Angelegenheit nervt mich.“ Und Linken-Fraktionschef Ralf Linow meinte fast schon resignierend: „Es bleibt uns nichts anderes übrig“, als den Mehrkosten und somit einer Kostenverdoppelung für den Kasa-Abriss zuzustimmen.

Kai-Michael Neubüser, Miestes Ortsbürgermeister warnte angesichts von Kostenanzweifelungen einiger Stadträte (Peter Kapahnke: „Ich kann mir die immensen Mehrkosten nicht vorstellen“) vor voreiligen Schlüssen. „Es regt mich auf, das hier die Kosten angezweifelt werden“,so Neubüser. „Jeder, der in seinem Hühnerstall mal fünf Asbestplatten entsorgen musste, weiß, dass das ein Vermögen kostet.“ Angesichts weiterer kostspieliger Baumaßnahmen in Mieste wie Kita, Grundschule und Feuerwehr-Gerätehaus wurde der Ortsbürgermeister sogar ein wenig sarkastisch: „Ich entschuldige mich in aller Form, dass das wieder in Mieste passiert ist.“

Auf die Frage aus dem Hauptausschuss, ob die Stadt denn die bisherigen Fördergelder ohnehin zurückzahlen müsste, weil sich die Kosten verdoppeln würden, antwortete Behrends: „Bis dato ist alles korrekt verlaufen – oder?“, blickte er fragend zu seiner Tischnachbarin, Bauamts-Mitarbeiterin Peter Külper. Sie nickte aber zustimmend.

Der Hauptausschuss sprach sich mit Stimmenmehrheit bei vier Nein-Stimmen für die Mehrausgaben aus. Das entscheidende Wort hat der Gardelegener Stadtrat. Er tagt am Montag, 1. Juni, ab 19 Uhr im Gardelegener Rathaussaal.

Von Stefan Schmidt

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