Kreisjägermeister Brückners Frage an die Politik: „Wie teuer ist die Rückkehr des Beutegreifers?“

„Willkommen Wolf reicht nicht“

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„Wie teuer ist die Rückkehr des Beutegreifers?“, fragt sich Kreisjägermeister Hans-Ulrich Brückner.

Zichtau. „Wenn sich der Bestand an Wölfen in der dicht besiedelten Kulturlandschaft weiter entwickelt wie bisher, wird es zwangsläufig häufiger zu Begegnungen mit Menschen kommen.“

Darauf machte Kreisjägermeister Hans-Ulrich Brückner während der Kreisjägerkonferenz am Sonnabend in Zichtau aufmerksam. Dort hatten sich gut 100 Mitglieder aus den drei Jägerschaften Salzwedel, Klötze und Gardelegen versammelt.

Fast jeden Tag, so Brückner, sei in der Presse von Wolfsübergriffen auf Nutztiere zu lesen. „Menschen haben Kontakt mit Wölfen, die dabei keine Scheu, sondern reges Interesse zeigen.“ Auf ein Projekt des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) anspielend, machte der Kreisjägermeister deshalb deutlich: „Willkommen Wolf reicht nicht!“

Kreisjägermeister Hans-Ulrich Brückner.

Als Beispiel erinnerte Brückner auch an den mutmaßlichen Wolfsunfall auf der L 19 zwischen Klötze und Schwiesau in der zurückliegenden Woche, der ein Zuständigkeitswirrwarr der Behörden auslöste (AZ berichtete). Doch auch die Leitlinie Wolf des Landes Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 2008 gebe keine praktikablen Antworten darauf, wer sich um einen verletzten Wolf kümmern dürfe. Selbst im nun vorliegenden Entwurf der sich derzeit in der Überarbeitung befindlichen Wolfsleitlinie, die auf 47 DIN-A4-Seiten alle Möglichkeiten zum Schutz des Wolfes regele, heiße es nur kurz: „Weder Polizei noch Jagdausübungsberechtigte haben eine Befugnis zum Töten verletzter Wölfe.“

Ausführungen des Kreisjägermeisters zur Rechtslage, wonach die Naturschutzbehörde im Falle eines verletzten Wolfes eine „Ausnahmegenehmigung für eine medikamentöse Euthanasie“ erteilen könne, sobald ein versierter Veterinär „eine negative Heilungsprognose“ gestellt habe, lösten bei den Versammlungsteilnehmern allgemeines Kopfschütteln und Gelächter aus. Auf eine Kooperationsvereinbarung zum Umgang mit dem Wolf in Sachsen-Anhalt verweisend, erklärte Brückner, dass weder das Umweltministerium noch der Landesjagdverband gegenwärtig eine Notwendigkeit sehen, den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen. Und auch im Landtag seien diesbezüglich keine Bestrebungen zu erkennen. In seinen abschließenden Worten zu diesem Thema wandte sich der Kreisjägermeister mit drei Fragen an die Politik: „Wie viele Wölfe verträgt unser Bundesland? Gibt es verlässliche Zahlen über Bestandsgrößen? Wie teuer ist die Rückkehr des Beutegreifers?“

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