Weg vom erhobenen Zeigefinger

Warum die Mahn- und Gedenkstätte nicht mehr Mahn-, sondern „nur“ noch Gedenkstätte heißt

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„Mahn- und Gedenkstätte“ steht in großen Buchstaben auf der Mauer unweit der Feldscheune Isenschnibbe. Offiziell heißt das Areal aber seit Sommer „Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe Gardelegen.“

Gardelegen. „In der heutigen Gedenkstättenkultur wird nicht mehr mit dem Zeigefinger gearbeitet. “ Das sagt der neue Leiter der „Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe Gardelegen“, Andreas Froese-Karow.

Zwar ist auch ihm bewusst, dass es Veränderungen auf dem geschichtsträchtigen und damit hochsensiblen Areal am nördlichen Stadtrand von Gardelegen nur schrittweise geben kann – und vor allem nur in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen vor Ort. Doch ein erster Schritt ist getan: Aus der bisherigen „Mahn- und Gedenkstätte“ ist das Mahnen im Namen verschwunden. Weil man eben nicht mehr „mit dem Zeigefinger“ arbeiten wolle, so Andreas Froese-Karow. Dies ist ein signifikanter Unterschied zur DDR-Zeit, als die Stätte durchaus auch politisch vereinnahmt worden ist.

So ist bis heute auf dem Gelände an Info-Tafeln und auf anderen Texten von „1016 Antifaschisten“ die Rede, die in der Feldscheune ums Leben kamen. Was nicht völlig falsch ist.

Aber der Begriff „Antifaschismus“ implizierte zu DDR-Zeiten immer auch eine ideologische Nähe zu Sozialismus und Kommunismus. Ob das allen Massaker-Opfern gerecht wird, von denen viele hundert bis heute nicht mal namentlich bekannt sind, sei dahingestellt. „Wir wollen weg von der Übergewichtung“, sagt der neue Leiter der Gedenkstätte, die seit Mai in Trägerschaft der Landes-Gedenkstättenstiftung ist. Zwar habe es durchaus schon Fragen nach dem neuen Namen gegeben, berichtet er. Aber noch keine negativen Reaktionen – auch nicht vom „Förderverein Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe“, der die alte Bezeichnung noch im Vereinsnamen trägt. Mit diesem Verein, so Froese-Karow, stehe er in regelmäßigem Kontakt, besuche alle Sitzungen und tausche sich mit den Personen im Vorstand aus: „Die Zusammenarbeit ist bisher sehr gut.“

Von Stefan Schmidt

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