„Cäsar“ als vorbildlicher Papa

Verwitweter Schwanenvater auf dem Stadtgraben hat offenbar alle sechs Jungen durchgebracht

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Im Juni war „Cäsar“, der Schwanenvater auf dem Gardelegener Stadtgraben mit seinem Nachwuchs plötzlich alleine, weil die Mutter gestorben war. Nun hat er die Brut – sechs von ursprünglich acht Jungen – durchbekommen. Die Jungschwäne sind flügge geworden.

Gardelegen. Das zwischenzeitliche Drama um die Schwanen-Großfamilie auf dem Gardelegener Stadtgrabenhat offenbar ein gutes Ende gefunden. Denn seit wenigen Tagen gibt es keine Schwäne mehr am Gardelegener Wall.

„Die Familie ist ausgeflogen“, freut sich Gardelegens „Schwanenmutter“ Ingeborg Köhn, die sich seit vielen Jahren um die Tiere auf dem Stadtgraben kümmert und regelmäßig nachschaut, ob es ihnen gut geht.

„Cäsar“, wie sie den mittlerweile dritten Stadtgraben-Schwanenvater binnen weniger Jahre getauft hat, ging es im Juni gar nicht gut. Denn nachdem er und seine treue Schwanenfrau gleich achtfachen Nachwuchs gezeugt hatten – für eine Schwanenfamilie sind das ungewöhnlich viele Kinder – verstarb die Schwanenmutter am 18. Juni an einer bakteriellen Vergiftung und trieb, mit dem Kopf unter Wasser, plötzlich tot auf dem Stadtgraben. Zurück blieb der tierische Witwer mit acht Kindern.

Die ursprüngliche Befürchtung nicht nur von Ingeborg Köhn, der Schwanenvater könne mit seiner neuen Rolle überfordert sein – um die Aufzucht der Brut kümmert sich normalerweise fast ausnahmslos die Frau, der Schwanenmann geht währenddessen auf Futtersuche und bewacht seine Familie – war unbegründet. „Cäsar“ schaffte den familiären Spagat, einerseits seinen Nachkommen die Gefahren des realen Lebens beizubringen, andererseits für Futter zu sorgen. Und zog die Sechslinge groß, so dass sie nun flügge geworden sind und den Gardelegener Stadtgraben verlassen haben – auf der Suche nach einer neuen und eigenen Familie sowie einem eigenen Revier.

Am 20. Oktober, so hat Ingeborg Köhn bei ihrer fast täglichen Beobachtung der Schwanenfamilie festgestellt, zogen zwei der jungen Schwäne von dannen. Am 29. Oktober, also am vergangenen Donnerstag, flog dann die restliche Familie aus – auch der Altschwan, der sich nun möglicherweise auf die Suche nach einer neuen Lebenspartnerin begibt. „Wir werden sehen, ob Cäsar im nächsten Jahr wieder auf den Stadtgraben zurückkommt und erneut eine Familie gründen will“, ist Ingeborg Köhn schon ganz gespannt auf eine mögliche Fortsetzung der tierischen Familiengeschichte.

Von den anfangs acht Jungschwänen – zwei waren zwischenzeitlich gestorben – haben also offenbar sechs überlebt und sind nun in die weite Welt hinausgezogen.

Von Stefan Schmidt

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