Mangel an pädagogischen Mitarbeitern in Wander-Förderschule / Folge: Förderangebote reduziert

„Unser personelles Defizit ist akut“

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Margret Harms, pädagogische Mitarbeiterin mit therapeutischer Orientierung, half Iljffan Sapranci beim Essen. Eine Tätigkeit, die sonst eher ein pädagogischer Mitarbeiter übernimmt.

Gardelegen. „Nach außenhin sieht alles schick aus, aber hinter den Kulissen wird für dieses Ergebnis viel Arbeit hineingesteckt und alles sieht ganz anders aus“, beklagt sich Sabine Kauerhof, Schulleiterin der Wander-Förderschule in Gardelegen.

Und meint damit die derzeit personelle Unterversorgung an ihrer Schule, die sie jüngst auch in ihrer Rede anlässlich des 15-jährigen Bestehens des Integrationsmodells mit der Wander-Grundschule zum Thema machte. „Auch in den vergangenen Jahren kam es zu personellen Defiziten, aber in diesem Schuljahr ist die Situation akut“, betont sie.

Sie weiß, dass der Lehrkräftemangel sowie der Bedarf an pädagogischen Mitarbeitern in ganz Sachsen-Anhalt ein Problem ist und das sie nicht als einzige Schulleitung mit diesen Personalmangel zu kämpfen hat. Sie will trotzdem diese Situation nicht einfach so hinnehmen und erklärte sich bereit, gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Doreen Weber über den vorherrschenden personellen Mangel und seine Auswirkungen auf den Schulalltag mit der Altmark-Zeitung zu sprechen.

Sabine Kauerhof ist stolz auf die Förderangebote an ihrer Schule. Einige, wie das Bewegen im Therapiebad, fallen jetzt aus.

„Aktuell fällt eine Lehrkraft aus, die im Normalfall 25 Stunden in der Woche arbeiten würde. Hinzu kommen drei Krankheitsfälle. Das heißt, die Unterrichtsversorgung liegt momentan von den vorgesehenen 102,5 bei 92,3 Prozent“, erklärt Sabine Kauerhof. Also klar unter dem Schnitt. Aber das ist bei weitem nicht alles. Der Schule fehlen nicht nur Lehrer, sondern auch pädagogische Mitarbeiter. Genauer gesagt zwei Vollzeitkräfte, die im Schulalltag unverzichtbar geworden sind, insbesondere wenn es sich hierbei um eine Föderschule für geistig behinderte Kinder und Jugendliche handelt. Die pädagogischen Mitarbeiter sind es, die unter anderem bei den Toilettengängen helfen, beim Wickeln und Anziehen der Kinder sowie beim Essen einnehmen. Sie betreuen die Schüler und bieten individuelle oder auch in der Gruppe pädagogische Angebote wie Sprachförderung an.

Die zwei fehlenden pädagogischen Mitarbeiter (in Vollzeit) konnte das Landesschulamt der Einrichtung nicht zur Seite stellen. Die Einrichtung bekommt stattdessen Hilfe von zwei pädagogischen Mitarbeiterinnen aus verschiedenen Grundschulen der Region, die jedoch beide nicht auf Kinder mit geistiger Behinderung spezialisiert sind. „Die zwei Kolleginnen machen ihre Arbeit dennoch gut und sind sehr engagiert“, lobt Sabine Kauerhof. Und trotzdem hilft das der Einrichtung nur wenig, denn die beiden Frauen sind nur wenige Stunden die Woche vor Ort und kriegen vom Wochenablauf und den Lernfortschritten- und defiziten sowie anderen Befindlichkeiten der einzelnen Schüler nur wenig mit.

„Die Schüler müssen sich andauernd auf neue Personen einstellen. Und was noch schlimmer ist, ist dass die zwei pädagogische Mitarbeiterinnen nur für ein halbes Jahr hier aushelfen. Wir wissen nicht, wie es dann weiter geht. Vielleicht kommt dann wieder jemand Neues. Hier fehlt einfach die Kontinuität“, ärgert sich die Schulleiterin. Das habe sie auch dem Landesschulamt erklärt, sagt sie, doch die antworteten nur: „Sie können froh sein, dass Sie Ersatz bekommen haben...“

Und dann sind da noch die zwei pädagogischen Mitarbeiter mit therapeutischer Orientierung, die aufgrund des pädagogischen Mitarbeitermangels aktuell in der Unterstufe und in der Berufsschulstufenklasse aushelfen müssen – und nicht oder nur begrenzt ihre eigentliche Arbeit ausführen können. Deshalb müssen jetzt Förderangebote stark reduziert werden. So fällt das Bewegen im Therapiebad für die stark körperlich geschädigten Kinder komplett aus. Auch die feinmotorischen Angebote wie das Arbeiten mit Ton, das zum Trainieren der Hand- und Augenkoordination dienen soll, oder das Lauftraining mit verschiedenen Gehhilfen sowie andere grobmotorische Übungseinheiten stehen aufgrund des personellen Mangels außen vor.

„Die aktuelle Situation an unserer Schule ist für alle Beteiligten nicht optimal. Im Prinzip ist das, was hier passiert, nur ein Löcherstopfen“, sagt Sabine Kauerhof verärgert. Ein Löcherstopfen, das auf Dauer zur gesundheitlichen Belastung ihrer Mitarbeiter werden kann. Denn, so die Rektorin, sind die meisten pädagogischen Mitarbeiter nicht mehr die Jüngsten. Sie hält einen Augenblick inne und sagt: „Unser Lehrauftrag ist es, die Kinder selbstständig zu erziehen. Wenn wir die nötigen Mittel nicht hierfür haben, dann wird unser Ziel nicht erreicht.“ Denn, und das betonte sie bereits in ihrer Rede am Dienstag, pädagogische Begleitung im Schulalltag muss planbar sein und kann nur effektiv gestaltet werden, wenn ausreichend Personal in die Schulen gegeben wird, um den Anforderungen, die die Gesellschaft und die Kinder täglich fordern, gerecht zu werden. Gute Bildung, Integration und Inklusion gibt es nicht zum Nulltarif.

Von Marilena Berlan

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