Schauspieler nahmen Ärzte und Krankenhäuser, aber auch Patienten aufs Korn

Theaterkompanie Leipzig: „Weißbekittelte Kasperköpfe“

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Bernhard Biller (links) und Jürgen Fliegel untersuchten gleich zu Beginn der Vorführung die Besucher des Kabaretts in der Miesterhorster Kirche: „Sie sind der Oberschenkelhalsbruch.“

Miesterhorst. Namen verschwinden manchmal. So wie in der Gaststätte, wenn der Kellner das Essen servieren will und der hungrige Gat ihm zuruft: „Ich bin die Schweinshaxe. “ So ist es auch im Krankenhaus.

Anstatt Frau Müller mit ihrem Namen anzusprechen, begrüßt sie der Professor bei der Visite am Krankenbett nur scheinbar fürsorglich mit „Sie sind der Oberschenkelhalsbruch. “.

Der Alltag beim Arzt, die Wirren des Krankenhausaufenthalts, das war das Thema der Theaterkompanie Leipzig, die am Sonnabend im Rahmen des „Grenzgänger“-Festivals vor rund 50 Zuhörern in der Miesterhorster Kirche auftrat. Jürgen Fliegel und Bernhard Biller nahmen den alltäglichen Hospitals-Irrsinn aufs Korn. Wenn der Oberarzt dem Patienten Simulanz vorwirft: „Von wegen Therapiebedarf – Sie sind nur auf die Schwester scharf.“ Oder wenn die „weißbekittelten Kasperköpfe“ ihren Notdienst ausgerechnet während des Fußball-Championsleague-Finals haben und während der OP das spannende Spiel im Fernsehen verfolgen. Da bekommt die „Blind-Darm-Operation“ eine ganz neue Sichtweise. Und beim 1:0 gönnt sich der Operateur ein Bier, verschüttet es versehentlich über den vor ihm Liegenden und schaut dem Patenten in die offene Wunder: „Na ja, ist ja offenbar nicht das erste Bier, das sie im Bauch haben.“

Aber auch der Patient bekommt sein Fett weg. „So´ ne Geburt ist doch kein Beinbruch“, behauptet der alternativ denkene werdende Vater, der seine Frau zum spirituellen Geburtsvorgang schleppt. Neuester Schrei: Eine Baumgeburt. „Was war das anstrengend, meine schwangere Frau da hochzuwuchten.“ Kurz nach der Niederkunft plumpst die junge Mutter allerdings von der Astgabel herunter – eine Sturzgeburt sozusagen.

Fazit des vergnüglichen Abends: Nicht lachen, bis der Arzt kommt. Sondern lachen, wenn der Arzt kommt.

Von Stefan Schmidt

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