Colbitz-Letzlinger-Heide: Bundeswehr-Übungsstadt kostet etwa 140 Millionen Euro

Schnöggersburg wird „Weltstadt“

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Blick vom Dach des „Sakralbaus“ am Rande der Altstadt der Übungsstadt Schnöggersburg mitten in der Colbitz-Letzlinger Heide. Das dreistöckige Gebäude soll mehrere Religionen repräsentieren. Allein diese Investition kostet rund 400 000 Euro.

Letzlingen. Einst war es bis in die 1930er Jahre hinein ein Dorf mitten in der Colbitz-Letzlinger Heide. Dann musste Schnöggersburg mitsamt einer beliebten Ausflugsgaststätte der Wehrmacht Platz machen.

Nun wird Schnöggersburg wieder errichtet – als Übungsstadt für die Bundeswehr. Bei einem Medientag, bei dem der Baufortschritt auf der Großbaustelle gezeigt wurde, erklärte Oberst Uwe Becker, der Leiter des Gefechtsübungszentrums (GÜZ) bei Letzlingen, dass ab dem Jahr 2018 erste Übungen auf dem 2,5 mal 2,5 Kilometer großen Areal stattfinden sollen. Komplett fertig soll Schnöggersburg im Jahr 2020 sein.

Die Gesamtkosten für die Übungsstadt liegen nach derzeitigen Angaben bei rund 140 Millionen Euro. Die Verteuerung des Projektes um 40 Millionen Euro gegenüber der anfangs eingeplanten Summe begründet der Bauherr, das „Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundesdwehr“ aus Strausberg, vor allem mit den gestiegenen Baukosten der vergangenen Jahre.

Schnöggersburg ist ausdrücklich keiner real existierenden Stadt nachgebaut. Sondern vereinigt verschiedene Kulturen, ist also eine Art „Weltstadt“. Was am besten am „Sakralbau“, zu erkennen ist. In diesem religiösen Gebäude sind Teile verschiedener Religionen eingebaut: Christliche und osmanische Bereiche sind Bestandteil dieses für 400 000 Euro errichteten auffälligen Gebäudes am Rande der „Altstadt“.

Auch das Stadtzentrum mit engen Gassen ist keinem Kontinent nachempfunden. Dort werden derzeit ein Kaufhaus, ein Bankgebäude mit Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach, ein Ärztehaus, eine Post und ein Polizeigebäude errichtet. Alle diese Häuser bleiben in einer Art Rohbau stehen: Einheitliches Grau, keine Fensterscheiben und auch kein Mobiliar.

Neben der Altstadt, einem Neubaugebiet und einer Hochhaussiedlung mit einem achtstöckigen Gebäude als höchstem Punkt, entsteht bald auch ein aus Holzhütten bestehendes „Elendsviertel“ gegenüber des Indutriegebiets inklusive Supermarkt. Die Ausschreibungen für die Errichtung dieses „Elendsviertels“ laufen derzeit.

Bundeswehrübungsstadt Schnöggersburg - ein Rundgang

Anzeige gegen BI „Offene Heide“

Die vier Mitglieder der Bürgerinitiative „Offene Heide“, die am Montag auf das Gelände der Übungsstadt Schnöggersburg mitten auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide gelangt sind, sind angezeigt worden. Das teilt ein Sprecher vom für den Übungsstadt-Bau zuständigen „Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr“, kurz BAIUDBw, mit. Es handele sich um Landfriedensbruch, so die Begründung. Die BI-Mitglieder hatten auf dem Gelände Fotos gemacht und darüber hinaus Info-Blätter in dem Sakralbau hinterlegt. Um Schnöggersburg zu betreten, sind sie außerdem illegal über das militärische Sperrgebiet des Truppenübungsplatzes gegangen. Das Schnöggersburg-Areal ist eingezäunt, Wachen kontrollieren das Umfeld. Es gibt aber an einigen wenigen Stellen kleine Öffnungen für den Wildwechsel.

Von Stefan Schmidt

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