Regenwasser soll versickern

Bauausschuss für umstrittenes Entwässerungskonzept in Laatzke

+
Der städtische Bauausschuss traf sich mit Planerin, Vertretern der Stadtverwaltung und interessierten Bürgern vor der Sitzung im Berger Sportzentrum zum Thema Entwässerungskonzept in Laatzke.

Laatzke/Gardelegen. Eine mittlerweile doch unendliche Geschichte wurde am Montag auf den Weg Richtung Ziel gebracht.

Die Mitglieder des städtischen Bauausschusses unter Vorsitz von Regina Lessing sprachen sich einstimmig für die vorliegende Beschlussvorlage mit dem Entwässerungskonzept für Laatzke aus. Dieses beinhaltet die Ableitung des Regenwassers mit Versickerungsschächten aus Beton und Kies-Rigolen.

Um sich ein Bild vor Ort zu machen, trafen sich die Ausschuss-Mitglieder zunächst in Laatzke, wo Berges Ortsbürgermeister Paul Berlin erklärte, dass es Ende Mai eine Bürgerversammlung in Laatzke gab, auf der die Einwohner, die da waren, sich mehrheitlich bei zwei Gegenstimmen für das Versickerungskonzept ausgesprochen haben. Das bestätigte auch die zuständige Planerin Dörthe Bethge-Steffens aus Poritz, die vor Ort kurz erläuterte, dass die Stadt bereits 2009 an sie herangetreten sei und ein Sanierungskonzept in Auftrag gegeben habe. Denn schon damals war bekannt, dass der Zustand des Kanals nicht mehr gut sei.

Eine anschließende Kanalbefahrung brachte dann auch an den Tag, dass der Kanal an vielen Stellen eingestürzt sei und sich in einem Bereich sogar ein Waschbär angesiedelt hatte. Eine Sanierung war nicht mehr möglich. Es wurden drei Varianten erarbeitet: Kanalerneuerung mit Versickerungsbecken, Kanalerneuerung bis hinunter zur Beeke und eine Versickerung vor Ort. Diese Konzepte wurden dem Stadtrat 2009 vorgestellt, ohne dass eine Entscheidung getroffen wurde.

2011 wurde dann laut Bethge-Steffens das Wassergesetz geändert, das nun vorschreibt, dass immer erst eine Versickerung vor Ort geprüft werden müsse, bevor andere Maßnahmen der Ableitung genehmigt werden. Und in Laatzke seien die Voraussetzungen für eine Versickerung ideal, so die Planerin. Im Seitenbereich sei Platz. Es gibt kein Grundwasser. Und der Boden ist super aufnahmefähig. Das einzige Problem waren bisher die Wurzeln der Bäume, aber auch das konnte mittlerweile aufgrund neuer Schachtvarianten behoben werden. Zudem sei die Versickerung vor Ort mit 104 000 Euro die kostengünstigste Variante, der Straßenkörper müsste nicht geöffnet und bestehende Schächte können weiter genutzt werden. Ein Ersatzneubau des Kanals mit anschließender Versickerung in einem Versickerungsbecken würde laut Beschlussvorlage 150 000 Euro und die Erneuerung des Regenwasserkanals bis zur Beeke 240 000 Euro kosten.

Neben den Ausschussmitgliedern und beratenden Bürgern, interessierten Ortsbürgermeistern, der Planerin und Vertretern der Stadtverwaltung waren auch einige Laatzker zum Vor-Ort-Termin gekommen. Und Martin Berlin machte seinen Unmut über das Konzept Luft. Wie er sagte, sei er nicht bei der Einwohnerversammlung gewesen, aber er könne sich vorstellen, dass die Anwohner fachlich leicht überfordert waren. „Was wirklich richtig ist, das zeigt sich erst anschließend“, erklärte er. Seiner Meinung nach, werde die geplante Versickerung bei Starkregen nicht ausreichen und die hinteren Höfe „absaufen“. Zudem gebe es bereits ein Stück sanierten Regenwasserkanal im hinteren Bereich, das mit dem vorliegenden Konzept, mit dem er nicht einverstanden sei, überflüssig wäre. Mit den geplanten 104 000 Euro sei, so seine Meinung, auch der Neubau eines Kanals möglich. Das hatte er, so Berlin, auch bei einem Gespräch mit Bauamtsleiter Engelhard Behrends, zu dem dieser ihn eingeladen hatte, deutlich gemacht.

Behrends bestätigte das während der anschließenden Sitzung im Berger Sportzentrum, erklärte aber auch, dass Berlin damals der Variante zugestimmt habe. Zudem will das Wassergesetz die Versickerung, machte Behrends noch einmal deutlich. Auch bezweifelte er, dass die größeren Varianten für weniger Geld möglich wären. Das Angebot für 100 000 Euro zu kriegen, sei sicher kein Problem, erklärte auch die Planerin. Das aber werde nicht die Abrechnungssumme sein.

Das konnten die Ausschussmitglieder aufgrund einiger Erfahrung gut nachvollziehen. Sie hatten noch einige Nachfragen zur Bewältigung von Starkregen, wie in letzter Zeit gefallen. Dazu erklärte Bethge-Steffens, dass bei Regen weit über den Bemessungsgrenzen etwas Wasser auf den hinteren Grundstücken möglich sei, aber die seien ja nicht die Regel. Die Mengen wurden „mit hoher Sicherheit bemessen, aber im Rahmen der Wirtschaftlichkeit“.

Sollte auch der Stadtrat, der am 20. Juni tagt, der Beschlussvorlage zustimmen, soll die Maßnahme im September beginnen und im Dezember beendet sein.

Von Elke Weisbach

Kommentare