Camp-Teilnehmer hoffen aber „auf gute Nachbarschaft“

Protest in Potzehne gegen Bundeswehr

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„Krieg. Macht. Flucht.“ Dieses bewusst doppeldeutige Wortspiel ist das Motto des diesjährigen „War starts here“-Camps auf der Wiese bei Potzehne. Die Organisatoren rechnen bis zum Wochenende mit bis zu 250 Teilnehmern. Mit dabei ist auch „Offene Heide“-Sprecher Helmut Adolf (hinten Mitte).

Potzehne. Etwa 50 sind schon da. Sagt Martin. Er ist einer jener Teilnehmer des „War starts here“ („Krieg beginnt hier“)-Camps, das sich seit Montag auf einer Wiese zwischen Potzehne und Parleib befindet.

Bereits im fünften Jahr in Folge demonstrieren die Antimilitaristen gegen die Bundeswehr und gegen kriegerische Gewalt. Diesmal rechnen Martin und seine Mitstreiter mit „etwa 250 Teilnehmern“ bis zum Sonntag, wenn die Zelte wieder abgebaut werden und die Rückreise beginnt – die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland. Die Autokennzeichen reichen von Köln bis Pinneberg (PI-NK).

Das Camp setzt sich in diesem Jahr einen besonderen Schwerpunkt: Das Thema Flüchtlinge. Dazu sind im Laufe dieser Woche mehrere Referenten eingeladen, wie die Südsudanesin Napuli Langa, der Nigerianer Rex Osa und der Tunesier Ben Ammar. Sie wohnen zwar nicht im Camp, halten dort aber Vorträge. Denn die Flüchtlingsfrage habe, so Martin, auch etwas mit Krieg und Gewalt zu tun. Und mit Wirtschaftsinteressen, die mithilfe des Militärs durchgesetzt würden.

Auch Frauen der Organisation „Women in exile“ („Frauen im Exil“) waren am Montagabend im Camp und hielten dort Vorträge – auf der Rückfahrt nach Halle wurden die beiden Kleinbusse, in denen sich auch ein a Kleinkind befand, nach Angaben aus dem Camp einer intensiven Kontrolle durch die Polizei unterzogen, und zwar auf dem Parkplatz an der B 71 südlich von Letzlingen. „Es entstand der Eindruck von Schikane“ angesichts dieser „deutlich ausgeweiteten Kontrolle“, erklärt dazu Martin – viele der Camp-Teilnehmer möchten, wenn überhaupt, nur mit ihren Vornamen in der Öffentlichkeit auftreten. Die Polizei hingegen spricht davon, dass gegen eine schwarzafrikanische Frau ein Haftbefehl vorgelegen habe. Dieser sei nach dem Bezahlen einer Geldsumme „gegenstandslos“ geworden. Andere Fahrzeuginsassen hätten sich mit der Frau „während der polizeilichen Maßnahme solidarisiert“, gegen sie „musste ein Platzverweis ausgesprochen und durchgesetzt werden“.

Unabhängig von diesem Vorfall bemühen sich die Kriegsgegner um „gute Nachbarschaft“. Genau das steht auch auf einem Handzettel, der bis heute in den Dörfern rings um das Camp verteilt wird und auf dem die Anwohner zu einem gemeinsamen Kaffeetrinken ins Camp mitsamt Besichtigung eingeladen werden. Termin: Donnerstag um 15.30 Uhr. Abends gibt es dann ein Konzert mit Heinz Ratz und seiner Band „Wasser und Strom“.

„Es gibt durchaus ein Wohlwollen“, hat Martin eigenen Erfahrungen zufolge in Bezug auf das Verhältnis zu den Anwohnern festgestellt. Dank der Initiative eines Einheimischen könne man nun auch erstmals warm duschen. Und überhaupt, so Helmut Adolf, der Sprecher der Bürgerinitiative „Offene Heide“: „Wir sind eigentlich ganz normale Menschen. Wir sind nicht von einem anderen Planeten – wir haben nur andere Ansichten.“

Auch der Umgang mit den Behörden sei „relativ routiniert“ – man habe sich im Laufe der vergangenen Camps kennengelernt, nennenswerte Probleme habe es in diesem Jahr, so die Einschätzung der Camp-Bewohner, nicht gegeben.

Wichtigster Tag der Camp-Woche ist der Sonnabend, 30. Juli. Da findet, wie in jedem Jahr, der „Aktionstag“ statt. Es gibt rund um den Truppenübungsplatz Altmark, also rund um die Colbitz-Letzlinger Heide, insgesamt vier angemeldete Mahnwachen. Sie befinden sich auf dem Marktplatz in Letzlingen, wo am Sonnabend der Sommermarkt zu Gunsten des Potzehner Freibades stattfindet, auf dem Kreisel an der Heidestraße bei Hütten (dort beginnt die Mahnwache bereits am Freitag um 16 Uhr), am Kriegerdenkmal in Dolle und an der Zufahrt zur Übungsstadt Schnöggerburg an der B 189 südlich von Stendal.

Bundeswehr und Polizei müssen aber auch mit vereinzelten Märschen auf den Truppenübungsplatz rechnen. Solche „Besetzungen“ hatte es in den Vorjahren immer mal wieder gegeben.

Von Stefan Schmidt

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