Hobby-Historiker Wilhelm Matthies führt durch die Geschichte von Kloster Neuendorf /  Nachfolger wird gesucht

Niendorp und die Zisterzienserinnen

+
In jeder Ecke, an allen Wänden des kleinen Museums im Dorfgemeinschaftshaus von Kloster Neuendorf ist Geschichte zu sehen. Anhand von Fotos, alten Karten, Miniaturmodellen und vielem mehr. Wilhelm Matthies führt gerne durch die Sammlung.

Kloster Neuendorf. Alles begann nach der Wende, Anfang der 1990er Jahre, als Wilhelm Matthies und sein Freund Siegfried Benz es sich zur Aufgabe machten, ihre Familienchronik aufzuarbeiten.

Diese Idee war der Grundstein für das kleine Museum, das nun im Gemeinderaum in Kloster Neuendorf angesiedelt ist und das heute allen Einheimischen und Besuchern aus aller Welt offen steht. Hier lernen die Besucher die Geschichte des Dorfes kennen.

Katholische Schwestern gründen Klosterkirche

Ursprünglich – noch vor der Gründung des Zisterzienser-Nonnenklosters, vermutlich um 1228 errichtet – hieß das Dorf „Niendorp“. Nach Angaben von Wilhelm Matthies lebten nach der Gründung des Klosters rund 60 katholische Ordensschwestern auf der Klosteranlage. Zu ihren Aufgaben gehörte die Armen- und Krankenpflege sowie die Landwirtschaft und der Anbau von Kräutern. 1246 wurde die Gründung des Klosters durch Papst Innocenz IV. offiziell bestätigt. Im Jahre 1289 verließen einige Schwestern das Kloster und errichteten ein Tochterkloster in Heiligengrabe. Da die Schwestern der Klosterkirche nicht pünktlich ihre Abgaben an die katholische Kirche leisteten, sprach 1360 der Papst ein Bann über sie aus. Von da ab standen sie vermutlich nicht mehr im Schutze der Kirche und waren auf sich alleine gestellt.

Klosterkirche wird Frauenstift

Im 14. und 15. Jahrhundert wurde die Klosterkirche zur Grablege der Adelsfamilie von Alvensleben. Aus dieser Zeit stammen auch die ältesten Grabsteine in der Kirche. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhundert erlebte das Kloster wegen Misswirtschaft seinen Niedergang. Unter der Äbtissin Anna von der Schulenburg erfolgte den 1480er Jahren eine Instandsetzung der Anlage. Die Reformation stieß auf Widerstand bei den Nonnen. „Die Nonnen sträubten sich, zur evangelische Kirche zu konvertieren“, erklärt Wilhelm Matthies. So wurde erst 1579 aus dem einst katholischen Kloster ein evangelisches Fräuleinstift gegründet, welches aber im Jahre 1810 wieder aufgelöst wurde. Aus dem Klostergebäude entstand später eine königlich-preußische Schnapsbrennerei. Zuvor, im Jahre 1561, wurde nahe des Klosters ein Speichergebäude errichtet. Das sogenannte Hundeloch, das als Gefängnis diente. Während im Untergeschoss der eine oder andere Kriminelle gefangen gehalten wurde, wurden im Obergeschoß Käse und Getreide getrocknet. Fast 30 Jahre später wurde das Klostergut verkauft und 1860 ein Malz- und Brauhaus errichtet. 1862 baute man den Ostflügel der Klosterkirche zum Schulgebäude aus. Drei Jahre später wurde das Orgelprospekt – also die Schauseite der Orgel – errichtet. Die Orgel selber baute man allerdings knapp 100 Jahre später. Dabei handelte es sich um eine Reubke-Orgel aus der St. Nikolai-Kirche in Oebisfelde.

Im Jahre 1997 wurde der Kirchturm saniert und seit sechs Jahren ist die Nordklausur des ehemaligen Klosters wieder begehbar. In der evangelischen Kirche werden heute Gottesdienste gehalten und auch sonst besuchen Touristen die Kirche aus rotem Stein. Dem Gästebuch zu entnehmen,stammt der letzte Eintrag sogar von einer Familie aus den USA.

Miniaturmodelle, Fotos und vieles mehr 

Die Klosteranlage um 1735 können die Gäste auch als Miniaturmodell im kleinen Museum besichtigen. Und auch sonst gibt es so einiges zu sehen: verschiedene Karten, diverse alte Fahnen, die laut dem Hobby-Historiker bei Ausstellungen aufgestellt werden, weitere Chroniken, darunter auch die der Stadt Gardelegen, Fotos sowie viele Bücher und Ordner rund um Kloster Neuendorf und seine Geschichte. Die Geschichte der Ortsfeuerwehr ist auch vorzufinden und auch zwei uralte Löscheimer sind ausgestellt. Nicht zu vergessen eine Rechenmaschine der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) aus den 1960er Jahren. In jeder Ecke und an allen Wänden ist Geschichte und damit viele Erinnerungen vorzufinden. Sogar der Ausstellungsraum an sich hat seine ganz eigene Geschichte.

An allen Wänden und Ecken ist Geschichte 

„Als ich fünf Jahre alt war und in Kloster Neundorf die Russen stationiert waren, diente ihnen der Raum als Kornlager“, erinnert sich der heute 76-jährige Wilhelm Matthies. In den 1950er Jahren war der Raum eine Bauerstube. Zu DDR-Zeiten war es das Bürgermeisterbüro. Und nach der Wende wurde das Zimmer Teil des örtlichen Kindergartens.

„Es gibt noch so viel zu erzählen und zu zeigen“, sagt Wilhem Matthies abschließend. Seit Anfang der 1990er Jahre setzte er sich mit der Historie Kloster Neuendorfs auseinander, die Menschen wie Pfarrer Paul Pflanz mit viel Engagement versucht haben aufzudecken und zu dokumentieren. Er machte es sich zum Lebenswerk, diese Ortsgeschichte für andere zugänglich zu machen, indem er viele Gegenstände und Aufschriebe sammelte und aufbewahrte. Denn nur so konnte dieses kleine Museum entstehen.

Bei einem Foto bleibt er stehen, schaut es sich genau an und sagt: „Neben der Gaststätte Klosterkrug um 1935 stand eine Tankstelle. An diese Tankstelle kann ich mich genau erinnern, aber ich habe kein Foto davon. Ein Foto, auf dem diese Tankstelle zu sehen ist, danach suche ich.“ Wer eine Fotografie hat, auf dem die Tankstelle abgelichtet ist und bereit wäre, sie oder eine Kopie davon Wilhelm Matthies für seine Sammlung zur Verfügung zu stellen, kann sich bei ihm unter der Telefonnummer (0 39 07) 71 13 76 melden.

Nachfolger wird gesucht

Der Hobby-Historiker liebt seine Tätigkeit. Allerdings will er sich allmählich zur Ruhe setzten und sucht nach einem geeigneten Nachfolger, der sich für die Geschichte Kloster Neuendorfs interessiert und auskennt und bereit ist, diese an andere zu vermitteln. „Es spielt keine Rolle, woher derjenige kommt. Wichtig ist, dass er sich für die Geschichte interessiert“, betont Matthies. Wer sich für diese Aufgabe interessiert, kann sich bei Ortsbürgermeister Andreas Höppner darüber erkundigen.

Von Marilena Berlan

Kommentare