Gedenkveranstaltung für von Fallschirmjägern ermordete und bis heute unbekannte KZ-Häftlinge

„Niedergemetzelt“ bei Wernitz

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Verbeugung vor den Ermordeten: Paul Schmidt (Mitte) vom Gedenkstätten-Förderverein, Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig und Miestes Ortsbürgermeister Kai-Michael Neubüser am Gedenkstein in Wernitz.

Wernitz. Es geschah in den allerletzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, einen Tag vor dem Massaker in der Gardelegener Feldscheune. Am Ortsrand von Wernitz spürten deutsche Fallschirmjäger 25 KZ-Häftlinge, die dem Todesmarsch entkommen waren, auf, stellten sie an jenem 12.

April 1945 nebeneinander auf „und metzelten sie mit Maschinengewehrfeuer nieder“. Das erklärte Miestes Ortsbürgermeister Kai-Michael Neubüser – Wernitz ist ein Ortsteil von Mieste – am Sonnabend auf dem Wernitzer Friedhof. Dort sind die 25 bis heute namentlich nicht bekannten Ermordeten begraben, gemeinsam mit acht weiteren getöteten Häftlingen, die an anderen Stellen in der Region ihr Leben lassen mussten. Bei einer Gedenkveranstaltung erinnerten Neubüser und der stellvertretende Vorsitzende des Gedenkstätten-Fördervereins, Paul Schmidt, an diese dunklen Tage vor mehr als 70 Jahren. Und daran, das man nicht vergessen dürfe: „Das Geschehene als erledigt abzulegen“, betonte Neubüser in seiner Ansprache, „wäre ein unverzeihlicher Fehler. “ Und weiter: „Es gibt Untaten, über die kein Gras wächst. “.

Einen Tag vor ihrer Ermordung, am 11. April 1945, wurden die auf dem Miester Bahnhof wenige Tage zuvor gestrandeten KZ-Häftlinge zu ihrem Todesmarsch gezwungen, der am 13. April mit dem Massaker in der Feldscheune bei Gardelegen sein fürchterliches Ende fand. Aber auch unterwegs starben viele der Ausgemergelten oder wurden umgebracht. Wie jene 25 Häftlinge bei Wernitz, an deren Ermordung bis heute ein Gedenkstein direkt an der Bundesstraße 188 östlich von Wernitz erinnert. Während des Gedenkens am Sonnabend, bevor Fördervereins-Mitglied Karl-Heinz Reuschel das abschließende „Vater Unser“ sprach, äußerten Neubüser und Schmidt den gemeinsamen Wunsch, den in die Jahre gekommenen Gedenkstein auf dem Friedhof alsbald restaurieren zu lassen. „Es kann und wird keinen Schlussstrich unter diese Taten geben“, mahnte Neubüser.

Für den musikalischen Rahmen auf dem Friedhof in Wernitz sorgte der Kammerchor der Miester Lebenshilfe-Werkstätten unter der Leitung von Ingrid Achtert. Gesungen wurde unter anderem eine deutsche Version des Bob-Dylan-Klassikers „Blowin´ in the wind.“

Von Stefan Schmidt

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