Ertrunkene Tiere beim Elbhochwasser: Dachorganisation des Nabu lenkt nach Gespräch mit der Bürgerinitiative ein

Nicht die ersten toten Rinder....

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Aus Gorleben kennt man gelbe Kreuze, in Cobbel sind sie rosa (gegen Schweinemast), rot in Arneburg (gegen Steinkohlekraftwerk). Diese stehen für die im Bucher Brack ertrunkenen 45 Tiere.

Stendal. Den 45 ertrunkenen Tieren im Bucher Brack hilft es zwar nicht mehr, aber nun hat sich der Bundesverband des Naturschutzbundes (Nabu) in die Tierhaltung seiner Unterverbände eingemischt.

Immerhin: Der Fall Bucher Brack ist der vierte bekannt gewordene, vermutet wird eine weit höhere Dunkelziffer. Lange bevor die 25 Rinder und 20 Koniks beim Elbehochwasser im Juni 2013 ertrunken sind, gab es zum Beispiel in Ostfriesland einen Fall, in den der dortige Nabu verwickelt war und der in Norddeutschland für Schlagzeilen sorgte. 20 Heckrinder, die zu einem Beweidungsprojekt gehörten, steckten im Morast und starben qualvoll. Das Gericht hatte den ehemaligen Nabu-Chef ein Jahr später zu einer 3000-Euro-Geldstrafe verurteilt.

Bundesverband fordert jetzt Tierlisten ab

Die Bürgerinitiativler aus der Tangermünder Gegend, die den Tod der 45 Tiere nicht ohne Konsequenzen hinnehmen und verhindern wollen, dass so etwas noch einmal passiert, bezeichnen das Einschreiten des Bundesverbandes zwar als „zu spät und schwerfällig“, sind aber nach einem Gespräch mit dem Bundesverband in dieser Woche dennoch erleichtert, dass sich überhaupt etwas tut. Der Bundesverband habe versichert, Tierlisten und Haltungsdetails von den Einzelverbänden abzufordern, um sie in eine Art Datenbank einzupflegen.

Damit wird vermutlich nicht mehr nachzuvollziehen sein, wo die zwei Tiere, die das Hochwasser 2013 im Bucher Brack überlebt hatten, geblieben sind. Das weiß auch die BI um Doreen Lemme und Anne Grellmann nicht. Selbst der Bundesverband habe auf Nachfrage beim Kreisverband mit Sitz in Buch keine Auskunft dazu erhalten, wissen die BI-ler.

Für den Nabu auf Bundesebene dürften die Vorkommnisse im Brack allmählich zu einer Belastung des Images werden. Nicht nur, weil einzelne Kreisverbände immer mal wieder wegen schlechter Haltungsbedingungen in die Schlagzeilen und sogar vor Gericht geraten. Auch, weil die Tangermünder BI zum Beispiel die Frage aufwirft, wer eigentlich die Anwälte, die Stendals Kreis-Nabu-Chef Dr. Peter Neuhäuser zuhauf bemüht (AZ berichtete), bezahlt. Angeblich entzieht sich das der Kenntnis des Bundesverbandes.

Strafanzeigen: Noch immer kein Verfahren

Wann damit zu rechnen ist, dass die Anzeigen gegen Dr. Neuhäuser zu einem Ergebnis führen, ist indes weiter unklar. So ist auch für die Strafanzeige von BI-Sprecherin Doreen Lemme aus Klietznick (Jerichower Land) vom Juli 2013 noch kein Verfahren eröffnet worden. Lemme hatte den Nabu-Chef, gestützt von 300 Unterschriften, wegen Tierquälerei und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz angezeigt.

Wie berichtet, glaubt die BI, dass der Nabu den Tod der 45 Tiere beim Hochwasser 2013 fahrlässig in Kauf genommen hat, weil sie auf dem Deichvorland auf einer Überflutungsfläche weideten, wo sie schon beim Winter-Elbehochwasser 2011 eng vom Wasser umgeben gestanden hätten. Vom Nabu im Vorfeld vorgelegte Evakuierungspläne seien von den Behörden schon damals für nicht realisierbar befunden worden.

Gesprächstermin abgesagt

Die Online-Petition der BI, bei der dafür unterschrieben werden konnte, dass Neuhäuser von all seinen Ämtern und Funktionen abgesetzt wird, läuft heute aus. Einschließlich der kursierenden Listen sind ca. 1500 Unterschriften zusammengekommen, die dem Nabu-Bundes-, Landes- und Kreisverband übergeben werden sollen. Ein für Januar vereinbarter Gesprächstermin zwischen BI und Verbänden wurde abgesagt.

Dr. Neuhäuser erklärte gestern auf Anfrage der Altmark-Zeitung, dass er sich „nicht zum Thema äußert“.

Die BI hat derweil die nächste Demo für Sonnabend, 29. März, angesetzt. Treff ist 10 Uhr auf dem Tangermünder Marktplatz.

Von Ulrike Meineke

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