Restauratorinnen begutachten Dannefelder Bauernfahne von 1675 / Original begeistert mit ausdrucksvoller Malerei

Nach 15 Jahren wieder ans Licht geholt

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Die Rückseite der Dannefelder Bauernfahne auf der geschrieben steht: Mihr Bauern, von gering, Guth, dienen, unsern genädigen Churfürsten, und, Herrn, mit unsern Bluth.

Dannefeld. Zum Tag des offenen Denkmals (siehe auch Seite 8) öffnet auch die Dannefelder Kirche ihre Pforten, in der zahlreiche Stil-Epochen zu finden sind. Andreas Finger vom Gemeindekirchenrat wird vor Ort sein und die Besonderheiten erläutern.

Der Chorbereich der Dannefelder Kirche mit (v.l.) dem Replik der Bauernfahne, dem Flügelaltar und Taufengel sowie der Kanzel.

Im Mittelpunkt des Chorbereichs steht der spätgotische dreiteilige Flügelaltar mit der Mondsichelmadonna und den vier Heiligen in der Mitte sowie den zwölf Aposteln an der Seite. Diesen haben die Dannefelder im Jahr 1608 von den Calvördern erworben. Sie scheinen schon damals gewusst zu haben, was erhaltenswert ist. Über dem Chorraum schwebt der barocke Taufengel, der den nicht vorhanden Taufstein ersetzt. Eingerahmt wird der Flügelaltar auf der einen Seite von der Kanzel aus der Renaissancezeit, die aus Gardelegen stammt und das Gardelegener Stadtwappen aufweist. Höchstwahrscheinlich, so wird vermutet, wurde von ihr herunter die Reformation in der Hansestadt gepredigt. Auf der anderen Seite hängt die berühmte Bauernfahne von 1675 – allerdings als Replik.

Das Original liegt seit dem Jahr 2000 gut verwahrt in einer Kiste, um es vor weiteren Schäden zu bewahren. Das erzählt Andreas Finger, der sich im Auftrag des Ortschaftsrates Dannefeld und in Absprache mit der Gardelegener Verwaltung um das historische Stück kümmert. Denn es soll nicht für immer in der Kiste und vor den Blicken der Öffentlichkeit verborgen bleiben. Eine Restaurierung wird anvisiert.

Die ersten Schritte in diese Richtung sind unternommen. So hat Finger über die evangelische Kirche Mitteldeutschlands Kontakt zu den beiden Textil-Restauratorinnen Andrea Himpel und Andrea Knüpfer aufnehmen können, die im Februar 2014 zum ersten Mal nach Dannefeld kamen und den Kasten öffneten. Mit dabei war damals auch Fritz Franke, der sich als Gemeindekirchenratsvorsitzender immer um die Bauernfahne gekümmert hat. Im Herbst desselben Jahres waren die beiden Fachfrauen noch einmal vor Ort und erklärten, dass sie beim Landesamt für Denkmalschutz Geld für eine genaue Untersuchung der Fahne beantragen würden. Das Okay dafür konnten sie bei ihrem jüngsten Besuch im August dieses Jahres mitteilen.

Bei diesem Termin wurde die Fahne zum ersten Mal nach 15 Jahren mit aller Vorsicht wieder aus der Kiste herausgeholt und zur genaueren optischen Begutachtung ausgebreitet. Dabei stellte sich heraus, erzählte Finger, dass die schwarzen Punkte auf dem Stoff, die beim Blick in die Kiste aufgefallen waren, zum Glück kein Befall von Mikroorganismen war. Unter den nun guten Lichtverhältnissen war zu erkennen, dass die schwarzen Punkte ein System haben und ein Raster darstellen. Es waren die früheren Ansatzpunkte für den Seidencrêpeline, in die Fahne zum Schutz wie in ein Netz eingewebt war. Sie können, so die Vermutung, von der ersten Restaurierung im Jahr 1903 im Berliner Zeughaus stammen. Denn bei der zweiten Restaurierung Mitte der 70er Jahre wurde zwar auch wieder ein Netz umgelegt, aber mit einem anderen Verfahren befestigt.

Dieses Mal konnten die beiden Restauratorinnen die Bauernfahne, die von beiden Seiten bemalt und beschriftet – allerdings mit gleichem Inhalt, aber unterschiedlicher Schreibweise – zum Prüfen anfassen, drehen und wenden. Und sie stellten fest, dass der Künstler ein Meister seines Fachs war. Die Malerei sei sehr ausdrucksvoll, vor allem das Gesicht des Adlers. Da die Dannefelder Bauernfahne noch im Original vorhanden ist, ist sie in der gesamten einschlägigen Literatur über die Zeit vermerkt. Sie ist fast einzigartig – in Klein Engersen gibt es eine weitere Bauernfahne. Dass der Stoff am unteren Ende etwas dünner als der Rest ist, ist wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass sich die Soldaten, die später in den Krieg zogen, Teile für ein Glücksamulett abtrennten.

Die Bauern im Drömling erhielten das Banner im Jahr 1675 vom großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, nachdem sie zuvor verhindert hatten, dass die Schweden die Region erobern konnten (andere Fahnen wurden auch vom Landeshauptmann Achaz II. von der Schulenburg-Beetzendorf gestiftet). Mit ihr zogen sie 1677 bei einer Parade in Gardelegen am Kurfürsten vorbei. Untergebracht war die Bauernfahne beim Fahnenträger, der in Dannefeld auf dem Hof Nummer fünf wohnte. Später bewahrte sie der Dorfschulze im Lehmschulzenhof auf. Um 1900 wurde sie in der Kirche aufgehängt. Seitdem halten die Dannefelder sie in Ehren und geben sie nicht fort.

Das musste zum einen schon der Kaiser erfahren, der die Fahne 1675 für die Schlacht bei Fehrbellin gegen die Schweden haben wollte. Er erhielt eine Absage. Die Fahne sollte dort bleiben, wo sie hin gehört. Ebenfalls eine Absage gab es zur Anfrage, die Bauernfahne 1980 bei einer Ausstellung über den großen Kurfürsten im Westberliner Zeughaus zeigen zu dürfen. Der Gemeindekirchenrat, der zwei Mann hätte mitschicken können, verweigerte dies und ließ sich auch nicht von Manfred Stolpe, damals Konsistorialpräsident der Ostregion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, umstimmen.

Von Elke Weisbach

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