SPD-Kandidatin bekam breite Unterstützung aus ihrer Partei und von weiteren Sympathisanten

Mandy Zepig: 118 Tage Wartezeit

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„Yes she can“: Wahlsiegerin Mandy Zepig mit ihrem Lebensgefährten Maik Schumacher unmittelbar nach Bekanntwerden des vorläufigen Endergebnisses. Sie ist damit für sieben Jahre gewählt.

Gardelegen. Der Unterschied war im Gardelegener Rathaussaal, dem Epizentrum der Bürgermeister-Stichwahl am Sonntagabend, zu spüren und zu auch hören.

Während die SPD-Kandidatin Mandy Zepig mit ihrer Familie, Parteifreunden und weiteren Unterstützern auf der linken Seite des Saales gebannt auf die Leinwand mit den einlaufenden Wahlergebnissen schaute und ihre Mitstreiter bei jedem aktualisierten Stand in lauten Jubel ausbrachen, saßen auf der gegenüberliegenden Seite einige der CDU-Unterstützer – dazwischen leere Stühle. Gegenkandidat Kai-Michael Neubüser hielt sich zuerst im CDU-Büro des Landtagsabgeordneten Uwe Harms auf und kam um 18. 40 Uhr ebenfalls in den Rathaussaal.

Zu diesem Zeitpunkt war die Bürgermeisterwahl praktisch entschieden: 35 der 38 Wahllokale waren ausgezählt. Fünf Minuten später, als das 36. Wahllokal ausgezählt war, gratulierte Neubüser seiner Kontrahentin per Handschlag und netten Worten zum Sieg. Sieben Minuten später verließen Jörg Gebur, Fraktionsvorsitzender der CDU im Gardelegener Stadtrat, und Gardelegens CDU-Ortsverbandsvorsitzender Karsten Rauhut den Rathaussaal.

Um 18.57 Uhr stand das vorläufige Endergebnis fest. Die vorbereiteten T-Shirts („Yes she can“) wurden übergestreift, Gardelegens Noch-Bürgermeister Konrad Fuchs überreichte beiden Kontrahenten Blumensträuße. Und Vertreter der Linken, nämlich Landratskandidat Andreas Höppner und Stadtrats-Fraktionschef Ralf Linow, standen auffällig weit vorne in der Gratulationsschlange – die Linkspartei, die erstmals in ihrer Geschichte keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufgestellt hatte, unterstützte die SPD-Frau Mandy Zepig offiziell.

Während die neu gewählte Bürgermeisterin also ihre Partei geschlossen hinter sich wusste und seit rund zehn Jahren auf diesen Tag hinarbeitete – zwischenzeitlich an sie herangetragene Landtags-Ambitionen hatte Mandy Zepig abgelehnt –, bot die CDU nicht immer ein geschlossenes Bild. Augenfällig nicht nur am Sonntag im Rathaussaal. Im Vorfeld der Bürgermeisterwahl gab es durchaus auch Stimmen aus dem Partei-Umfeld, die Neubüser nicht unterstützen wollten. Und wenn bis gestern auf der offiziellen Internetseite der Kreis-CDU zwar zu Neubüsers Wahl aufgerufen wird, der eigene Kandidat aber gleichzeitig falsch geschrieben wird und gegen eine SPD-Frau mit Namen „Zeppin“ ( statt Zepig) antritt, dann mag man an der Ernsthaftigkeit, Neubüsers Unterstützung betreffend, zweifeln.

Mandy Zepig jedenfalls feierte am Sonntagabend noch mit ihren Unterstützern bei der Gardelegener Arbeiterwohlfahrt an der Gartenstraße. Und kündigte an, gleich nach ihrem offiziellen Amtsantritt am 4. Juli – immerhin 118 Tage nach ihrer Wahl – eine Runde mit den Ortsbürgermeistern einzuberufen. Zum gegenseitigen Kennenlernen. Diese Zusammenkunft, so versprach sie am Wahlabend, müsse nicht zwangsläufig direkt in Gardelegen stattfinden. „In den Dörfern gibt es auch geeignete Räumlichkeiten, zum Beispiel im Letzlinger Kulturhaus.“

Bis zum 4. Juli ist Mandy Zepig weiterhin als Wirtschaftförderin im Rathaus tätig.

Von Stefan Schmidt

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