„Die Schönen und das Biest“ im Schützenhaus Gardelegen

Das Lecken an der Klobürste

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Sebastian (von links) und Tobias Hengstmann mit Vater Frank am Freitagabend auf der Bühne des Gardelegener Schützenhauses. Programmtitel: „Die Schönen und das Biest“.

Gardelegen. Es ist ein Kampf der Generationen. Eine solche Konstellation gibt es sonst in Deutschland auch kein zweites Mal: Frank Hengstmann, Kabarett-Urgestein aus Magdeburg, und seine beiden Söhne Sebastian und Tobias gemeinsam auf der Bühne.

„Die Schöne und das Biest“ heißt ihr Programm, das sie am Freitagabend vor rund 200 Besuchern im Gardelegener Schützenhaus aufführten.

Rund 200 Kabarettfreunde hatten ihren Spaß beim Programm der Familie Hengstmann.

„Das Biest“, das ist der Vater. Auch ein Vierteljahrhundert nach der Wende nicht geläutert, nicht altersmilde. Seine Söhne hoffen vergeblich, dass der alte Zausel endlich Vernunft annimmt und die heutige Zeit akzeptiert: „Denk an Dein Herz – Du hast zwar einen Organspendeausweis. Das heißt aber nicht, dass Du eins kriegst, sondern genau andersrum.“ Frank Hengstmann wettert gegen Ex-Landtagspräsident Hardy Peter Güssau, dem er am liebsten die „Egon-Krenz-Gedächtnismedaille“ fürs Am-Stuhl-Kleben überreichen möchte. Und gegen der Korruption verdächtige Politiker: „Der höchste Berge im Jerichower Land, das ist der Finzelberg.“

Seine Söhne nehmen die heutige Landespolitik aufs Korn. Dass jeder Vierte im Lande AfD gewählt habe, quittieren sie mit einem strengen Blick ins Publikum: „Abzählen: Eins, zwei, drei...“ Und Vorzeige-Prekariatler Matze, treffend dargestellt von Tobias Hengstmann, beweist, dass Bildungsferne nicht zwingend Dummheit bedeuten muss. Dass viele die AfD aus Protest gewählt haben, kommentiert er so: „Nur weil mir das Essen im Restaurant nicht schmeckt, renne ich doch nicht gleich auf die Toilette und lecke an der Klobürste.“

Sebastian Hengstmann wühlt sich derweil durch die Landes-Bildungspolitik. Acht Kultusminister habe Sachsen-Anhalt seit 1990 verschlissen – das einzige der 16 Bundesländer, das seitdem so ziemlich alle Regierungskoalitionen ausprobiert habe, von Schwarz-Gelb über Rot-Grün, Rot-Rot, Große Koalition bis hin zur jetzigen schwarz-rot-grünen Kenia-Koalition. Und: Kenia heißt ja auf Magdeburgisch „Keen-Ja“, also „keine Zustimmung“ zu nichts und niemandem.

Politik und Kabarett, beides ist eben ein schnelllebiges Geschäft. Da darf der Vater auch mal in beruflichen Erinnerungen schwelgen. Zu DDR-Zeiten, so sinniert Frank Hengstmann, konnten Kabarettisten ein und dasselbe Programm auch mal, „sieben, acht Jahre nacheinander aufführen.“ Weil sich ohnehin nichts änderte im Lande DDR. Die gute alte Zeit eben...

Von Stefan Schmidt

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