Rudolf Georg Wilhelm Freiherr von Hammerstein ist in der Schenkenhorster Kirche begraben

Kopfloser Kriegsheld in der Gruft

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Die Gruft in der Schenkenhorster Kirche beinhaltet acht Särge. Darunter auch die sterblichen Überreste des Rudolf Georg Wilhelm Freiherr von Hammerstein.

Schenkenhorst. Die Kirche in Schenkenhorst bietet eine Besonderheit: Sie hat eine Gruft. Dort sind acht Särge aufgebahrt, wie Gordon Sethge, Mitglied des Gemeindekirchenrates, berichtet.

Unter diesen Särgen befinden sich auch zwei Kindersärge – und der Sarg eines ganz besonders Mannes.

Denn im kleinen Schenkenhorst liegt ein Kriegsheld begraben. Es handelt sich um Rudolf Georg Wilhelm Freiherr von Hammerstein. Vor mehr als 200 Jahren starb er 76-jährig in Schenkenhorst. Von Hammerstein hatte bis dahin ein bewegtes Leben hinter sich.

Bevor er seine letzten Lebensjahre auf einem Gut in Schenkenhorst verbrachte, das der Familie seiner Ehefrau Louise Sophie Eleonore von Schenk von Flechtingen gehörte, war von Hammerstein ein Kriegsheld. Zur Welt kam er 1735 im westfälischen Loxten und trat bereits als 16-Jähriger der kurhannoveranischen Infanterie-Regimentgarde bei. Er diente während des Siebenjährigen Krieges, wurde 1756 Leutnant und zwei Jahre später Hauptmann. 1789 wurde von Hammerstein Oberst des 11. Regiments und übernahm drei Jahre später das 6. Infanterie-Regiment im niedersächsischen Nienburg. Während des Ersten Koalitionskrieges wurde er zum Generalmajor befördert und erwarb sich Ruhm während der Belagerung der Stadt Menin im April 1794. Von einer 20 000 Mann starken französischen Armee eingeschlossen, gelang von Hammerstein mit seinen nur 2500 Soldaten der Durchbruch durch die französischen Linien. In Anerkennung dessen übersandte Englands König Georg III. ihm einen Goldenen Degen. Kurz darauf stieg von Hammerstein laut Wikipedia-Eintrag zum Befehlshaber aller hannoverschen Truppen auf und wurde Generalleutnant, später Divisionskommandeur. Nach 1803 erhielt er kein neues Kommando und zog sich alsbald in die Altmark, nach Schenkenhorst, zurück, wo er am 4. Oktober 1811 infolge einer Krankheit verschied. Beigesetzt wurde er in der Gruft der Schenkenhorster Kirche – Schenkenhorst war damals durch den Hopfenanbau ein Dorf mit wohlhabenden Einwohnern und leistete sich ein recht großes und üppig ausgestattetes Gotteshaus.

Kurios: Freiherr von Hammerstein liegt zwar seit mehr als 200 Jahren in demselben Sarg, aber mittlerweile ohne Kopf. Das Haupt muss zum Ende des Zweiten Weltkriegs abhanden gekommen sein. Wer genau es mitgenommen hat, ist nicht ganz klar. „Sowohl die Amerikaner als später auch die Russen habe die Särge geöffnet“, berichtet Gemeindekirchenratsmitglied Paul Jelinski.

Zu besichtigen ist die Gruft nicht. Nur eine kleine Holztür gewährt, dann durch eine Glasscheibe, einen Einblick in den dunklen Raum. Und: Eine Tafel, gespendet von den Nachfahren des Kriegshelden, hängt in der Schenkenhorster Kirche.

Von Stefan Schmidt

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