Gardelegens Gymnasiasten wählen zweite Fremdsprache ab / Französisch findet eventuell statt

Ab der 11. Klasse nur noch Englisch?

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Der Großteil der Gymnasiasten wählte in der 10. Klasse Französisch, Russisch und Latein ab. Ihr Abitur werden sie nur noch in Englisch ablegen. Nach Angaben des Kulturministeriums Sachsen-Anhalt gibt es noch eine Chance für Französisch als Abiturfach.

Gardelegen. Nur noch eine Fremdsprache kurz vor dem Abitur. Das gilt für die aktuellen Elftklässler am Gardelegener Gymnasium.

Auf der jüngsten Tagung des Sozialausschusses setzte Ausschussmitglied Dirk Kuke (Freie Liste), auf Bitte von Dietlind Kreutz, Vorsitzende des Schulelternrates des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, die Mitglieder des Sozialausschusses darüber in Kenntnis, dass die jetzigen Elftklässler des Gymnasium bis zu ihrem Abitur nur noch Englisch als Fremdsprache haben und in keiner weiteren Fremdsprache wie Französisch oder Russisch Abitur machen können. Auch in Latein wird das nicht möglich sein. „Ich wollte den Ausschuss darüber in Kenntnis setzten, weil es auch hier um die Attraktivität unserer Stadt geht“, erklärte er. Er befürchte nämlich, nachdem einige Eltern bereits damit gedroht haben, ihre Kinder künftig auf ein anderes Gymnasium in Wolfsburg oder auf das Privatgymnasium in Stendal anzumelden, dass das Gardelegener Gymnasium aufgrund des Verlustes der zweiten Fremdsprache in der Oberstufe für viele Eltern und Schüler künftig nicht attraktiv genug sein wird. Die Reaktion der Ausschussmitglieder blieb diesbezüglich verhalten.

Bevor der Ausschuss mit dem Sachverhalt konfrontiert wurde, hatte zuvor Schulelternratsvorsitzende Dietlind Kreutz im Namen aller Eltern des Gymnasiums sich mit einen Brief an Sachsen-Anhalts Kultusminister Marco Tullner (CDU) gewandt und ihn über die aktuelle Situation des Gardelegener Gymnasium informiert. Mit der abschließenden Bitte, eine Gesetzesänderung zu erwirken, dass in kleineren Gymnasien die Mindestzahl von 15 Schüler – um den Unterricht überhaupt ins Leben zu rufen zu können – nochmals zu verringern. „Es kann nicht sein, dass man nur stur nach den strengen Richtlinien Unterricht geben darf. Es muss eigentlich eher so sein, dass weitere Fremdsprachen zur Pflicht werden, denn wozu heißt es ‘Gymnasium’. Eine weitere Fremdsprache ist doch auch ein Erkennungsmerkmal eines Gymnasiums“, hieß es in dem Schreiben von Dietlind Kreutz. Wie und ob der Kulturminister auf das Schreiben von Dietlind Kreutz reagiert hat, ist nicht bekannt.

Der Grund, warum ab der 11. Klasse nur noch Englisch unterrichtet wird, liegt allerdings daran, dass die Großzahl der Schüler Französisch, Russisch und Latein nach der 10. Klasse abgewählt und stattdessen in diesem Jahr überproportional den naturwissenschaftlichen Bereich angewählt haben. Warum das so ist, ist derzeit nicht bekannt. Das Kultusministerium Sachsen-Anhalt kann sich auf Anfrage der AZ dieses Wahlverhalten nicht erklären.

Nach Angaben von Stefan Thurmann, Pressesprecher des Ministerium, wendet sich womöglich das Blatt für Gardelegen in puncto Französisch ab der 11. Klasse. „Die Eröffnung des Französischkurses ist bei Bestätigung der Gesamtschülerzahl von 86 laut Auskunft des Schulleiters Dietmar Collatz möglich und wohl auch vorgesehen. Die Entscheidung liegt letztlich aber bei der Schule, ist von der finalen Gesamtschülerzahl abhängig“, erklärt er.

Mit der Abwahl der zweiten Fremdsprache sieht Thurmann in keinster Weise den guten Bildungsstandard gefährdet. „Es ist nicht möglich, jeden Wahlwunsch zu erfüllen. Es fehlt auch nicht die zweite Fremdsprache. Die Belegungspflicht ist nach vier Jahren mit Abschluss der 10. Schuljahres erfüllt. Die Rahmenbedingungen zur Anerkennung des Abschlusses hängen bundesweit nicht von der Wunschfremdsprache ab“, betont er. Somit ist auch „nur“ mit einer Fremdsprache die Anerkennung der bundesweiten Hochschulreife gesichert. Im Fach Latein wird kein Schüler sein Abitur machen, da sich nur ein Kursteilnehmer dafür interessierte. Laut Thurmann habe der betroffene Schüler bereits ein anderes Fach belegt. Latein-Zertifikate können neben dem Schulunterricht laut des Ministers auf verschiedenen Wegen erworben werden, auch extern der Schule oder später an der Hochschule.

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