„Kirche kleiner, aber reiner“

Katholik Prof. Paul Zulehner macht Protestanten Mut für die Zukunft

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Sie machen sich nun gemeinsam auf den Weg: Zur dritten Tagung innerhalb der Zukunftskonferenz des Kirchenkreises Salzwedel trafen sich Pfarrer sowie haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter.

Gardelegen. Er strahlte Optimismus aus und machte den anwesenden Protestanten Mut für ihren eingeschlagenen Weg, was schon etwas ungewöhnlich war. Denn Prof.

Professor Paul Zulehner sprach am Sonnabend über „Kirche der Zukunft. Zukunft der Kirche“.

Paul Zulehner, der am Ende der dritten Tagung der Zukunftskonferenz des evangelischen Kirchenkreises Salzwedel (siehe rechts) am Sonnabend in der Aula des Gymnasiums referierte, ist ein österreichischer Theologe, katholischer Priester und einer der bekanntesten Religionssoziologen Europas. Doch die Probleme beider Konfessionen, ihre Kirche für die Zukunft fit zu machen, sind ähnlich. Es sei generell schwieriger geworden, jemanden zum Glauben zu gewinnen, vor allem hier, nach 40 Jahren des real existierenden Sozialismus´, erklärte Zulehner, der darin aber einen Vorteil sieht. Denn da jeder die Wahl habe, ob er glauben wolle oder nicht, habe man in seinen Reihen mehr „Entschiedene“. Und das werde, stellte Zulehner die These auf, dazu führen, „dass es in der Kirche mehr Berufene und Begabte gibt“. Damit werde die „Kirche kleiner, aber reiner, weil wir Entschlossene sind“.

Zudem sollte man heutige Zahlen nicht mit alten Maßstäben messen. Das heißt, „nicht von 100 runter, sondern von Null hochrechnen“. Auf die Betrachtungsweise komme es an. Und er ist der Meinung: „Wie nähern uns dem biblischen Normalfall an“. Nicht die Quantität, sondern die innere Kraft, die Qualität, sei entscheidend. Einen starken Zusammenhalt leben und trotzdem offen sein, sei ein Kunststück, für die eine „kritische Masse“ erforderlich ist. Und die sieht Zulehner auch in der Zukunftskonferenz des Kirchenkreises.

Er finde es gut, dass aus bequemen bürgerlichen Gemeinden, die es auch in seiner österreichischen Heimat gibt und die sich sonntags zu einem „religiös verschönten Konditoreibesuch mit pastoraler Begleitung treffen“, wieder bewegliche Gemeinden werden. Als große Herausforderung für die Kirche sieht Zulehner die Flüchtlinge. Was Jesus machen würde, erläuterte er anschaulich an dem Bildnis „Jesus heilt einen Aussätzigen“, das er eine „alte unverbrauchte Vision“ nennt. Denn darin geht dieser zu dem Menschen, den er natürlich in ihm sieht, streckt ihm die Hand hin und bringt damit Spuren des Himmels auf die Erde in Form von Heilung. „Jesus geht zum Menschen und sitzt nicht im Büro“, so das Fazit von Zulehner. Und die Gläubigen sollten ihm wieder in seiner Spur folgen, anstatt ihn nur anzublicken.

Auch rief er in diesem Zusammenhang dazu auf, mit Blick auf das Stichwort Kirchenasyl auch mal die weltlichen Gesetze zu hinterfragen. „Wenn sich ein Gesetz gegen Menschen richtet, hat die Kirche die Pflicht, dagegen zu handeln.“ Denn ein Mensch sei mehr wert als ein Gesetz. Das umzusetzen sei nicht leicht, weil jeder Ängste habe. Aber genau das ist für ihn, so Zulehner, Evangelium pur.

Es wäre ein Segen, so Zulehner abschließend, „wenn wir uns anstecken ließen von der Kraft des Bildes.“ Das heißt, dass die Bewegung vom Berg herunter, hin zu den Menschen, auch für die Zukunft der Kirche maßgeblich ist.

Von Elke Weisbach

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