Gardelegener Jung-Autor Tino Fellenberg bringt erstes Buch heraus

„Jeder Satz hat eine große Bedeutung“

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Der 23-jährige Gardelegener, Tino Fellenberg, suchte lange Zeit nach der Erfüllung seines Leben. Erst in seiner schwierigsten Lebensphase begann er zu schreiben und fand darin den Schlüssel zu seinem Glücks.

Gardelegen. „Ich hab früh gemerkt, dass ich unvollständig bin und nach Erfüllung gesucht habe“, sagt Tino Fellenberg.

Und die fand der Jung-Autor aus Gardelegen – er arbeitet hauptberuflich als Metallbauer, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren – nach einer langen Odyssee voller Höhen und Tiefen im Schreiben. Entstanden ist dabei sein Erstlingswerk „Das Jardonische Werk“, das seit August im Handel erhältlich ist. So außergewöhnlich der Buchtitel seines Werkes klingt, so außergewöhnlich ist auch sein Inhalt und der Weg des 23-Jährigen dahin.

Begonnen hat alles während seiner Schulzeit. „Ich war damals politisch ziemlich links orientiert. Ging von Demo zu Demo und wollte einfach nur helfen.“ Nach der Schule strebte er eine politische Laufbahn an und machte ein Freiwilliges Soziales Jahr im politischen Leben (FSJP) in Magdeburg bei Miteinander e.V.. Er war damals nur einer von 30 Jugendlichen in Sachsen Anhalt, die die Gelegenheit dazu bekamen. Das sei genau das gewesen, wonach er suchte, erklärt er. „Es war ein sehr lehrreiches Jahr.“ Und obwohl er sich dort gut aufgehoben fühlte, war er noch nicht angekommen.

Bei einem Besuch im Brüsseler Europa-Parlament wurde ihm plötzlich bewusst, dass er mit seinem politischen Engagement nicht viel bewirken wird und deshalb früher ansetzen muss – nämlich im Kopf der Menschen. „Mir wurde bewusst, dass das, was hier gemacht wird, nur ein Bekämpfen von Symptomen ist, die schief gelaufen sind. Und das ist nicht das Wahre.“ Seiner Meinung nach könne man in dieser Welt nichts bekämpfen, sondern nur mit richtigen Denkansätzen überflüssig machen. Die Politik ließ er schließlich hinter sich.

„Ich hatte so viele Zusammenhänge erkannt und so viele Gedankenkomplexe in meinem Kopf, dass ich dachte, er platzt gleich.“ Darüber sprechen konnte er nicht. Er wüsste auch nicht, wo anfangen. Also setzte er sich eines nachts an seinen Rechner und fing an zu schreiben. Fünf Jahre schrieb er seine Gedanken auf. Es kamen über 700 Seiten zusammen. Dann fing er an, das Geschriebene zu sortieren und verstand, was alles zu bedeuten hatte. „Ich habe das rausgelassen, was ich in mir hatte und begriff, dass ich Lebenzprinzipien beschrieben habe, die erklären, wie das Leben funktioniert.“ Nach seinen Lebensansätzen fing er an zu leben. Und alles, was ihm früher wie ein Hindernis erschien, bekam plötzlich einen Sinn. Er hatte sein persönliches Glück gefunden und erkannte, wie er es langfristig halten kann. Dazu gehört auch, den positiven als auch den negativen Emotionen, Gedanken und Erfahrungen Raum zu geben und sie nicht bewusst zu verdrängen, sondern sie stattdessen anzunehmen und zu lernen, sie in etwas Positives umzuwandeln.

Um seinen Erfahrungen und Gedankengängen Raum zu geben, schuf er in seinem Erstlingswerk „Das Jardonische Werk“ den Protagonisten Veil Severin. Auch wenn Veil und Tino nicht eine Person sind, wie der Jungautor betonte, gibt es dennoch viele Parallelen zwischen den beiden. Denn genauso wie Tino ist Veil ein suchender junger Mann, dem es erstmal nicht gelingt, sich mit der Stimme in seinem Kopf – dem Jardos – zu versöhnen. Er empfindet die Stimme eher als Bedrohung. In sich trägt er ein Gefühl von Mangel und Verlust. Und ganz gleich wie er sich bemüht, dies mit äußeren Umständen zu kompensieren, die innere Leere bleibt. Und so verstrickt er sich zunehmend in falsche Denkmuster und Herangehensweisen. Erst als er sich von diesen befreit, öffnet er sich für das Leben. Und da beginnt seine Reise. Er durchschaut die weltlichen Zusammenhänge und ist bereit sein Wissen mit der Menschheit zu teilen. Bevor er jedoch zu dieser Erleuchtung gelangt, ist er tief gefallen und hart aufgeschlagen, um dann wieder aufzuerstehen und mit neuen Erkenntnissen seinen Weg des Lebens zu gehen. Deshalb ist auch das Buch in Fall, Aufschlag und Auferstehung strukturiert. Die einzelnen Kapitel sind in Ären aufgeteilt – also in kürzere oder längere Zeitabschnitte.

Ein Freund der vielen Worte ist der 23-Jährige nicht. Darum ist sein Werk gerade einmal 66 Seiten lang. „Bei mir hat jeder Satz eine große Bedeutung. Extrem viel Wissen ist in kleinem Raum zusammengefasst. Und dazu bedarf es einer besonderen Ausdrucksweise“, erklärt Tino Fellenberg. Den ersten Sympathiesanten hat der junge Gardelegener Autor schon für sich gewinnen können: Thomas Schmelzer, Moderator, Autor und Redakteur, hat sein Buch gelesen und für gut befunden. Und die ersten Anfragen, Lesungen zu halten, sind auch schon da.

Mit seinem Buch „Das Jardonische Werk“ will der Jung-Autor den Menschen einen Wink zur Findung des eigenen Lebenswegs geben. Dabei liegen ihm die jungen Leser besonders am Herzen. Schließlich habe er sich früher auch jemanden gewünscht, der ihm den richtigen Wink fürs Leben gegeben hätte. Und dennoch betont er: „Ich will niemandem sagen, wie er sein Leben zu leben hat, oder gar behaupten, dass es einen ultimativen Lebensweg für alle gibt. Den gibt es nicht, denn jeder Mensch ist individuell und so auch sein Weg zum Glück und zur Erleuchtung.“ Vielmehr will er mit seiner schriftstellerischen Arbeit zum Überdenken der bisheriger Denkmuster auffordern und dazu beitragen, die Suche nach sich selbst aufzunehmen, mit dem eigenen Jardos Frieden zu schließen und den Mut zu haben, den eigenen Weg zu gehen. Und ganz wichtig: auf sich selber zu hören. „Denn da draußen gibt es keinen besseren Lehrer als dich!“, heißt es in seinem Buch.

Von Marilena Berlan

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