Heute jährt sich Gardelegens wohl größter Feuerwehreinsatz / Dramatische Szenen in Sommernacht / Brandstiftung

Vor 10 Jahren: Walzenmühle in Flammen

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Nächtliches Inferno: Heute auf den Tag genau vor zehn Jahren, am 25. Juli 2006, stand die Walzenmühle am nordwestlichen Stadtrand von Gardelegen in Flammen. Untersuchungen ergaben später: Es war Brandstiftung. Die Täter sind bis heute nicht ermittelt.

Gardelegen. Es war ein brütend heißer Tag, der in eine laue Sommernacht überging. Die Luft stand regelrecht, kaum ein Windhauch war zu spüren – was ab 1. 16 Uhr für etwa 120 Feuerwehrleute arbeitserleichternd war.

Am Morgen danach: Erschöpfte Feuerwehrleute, hier aus der Gardelegener Wehr. Stundenlang waren die Einsatzkräfte vor Ort.

Denn mit Windböen und entsprechendem Funkenflug hätte das, was sich da in der Nacht zum 25. Juli 2006, heute auf den Tag genau vor einem Jahrzehnt, am Gardelegener Stadtrand ereignete, weitaus schlimmer ausgehen können.

Denn mitten in diese laue Sommernacht gab es mehrere laute Knallgeräusche. Zu hören in der ganzen Stadt. Kurz darauf heulten die Sirenen. Und als die Gardelegener Feuerwehr losfuhr – die ursprüngliche Meldung lautete eher harmlos auf „Schuppenbrand“ –, sahen die Einsatzkräfte eine riesige rote Feuerwand. Vor Ort war klar: Die Walzenmühle stand lichterloh in Flammen. Konkret: Das komplette Areal, das seit 14 Jahren leer stand und im Laufe dieser Jahre immer mehr verfallen war, brannte. Dabei stand bereits fest, dass dieser Gebäudekomplex abgerissen werden und dort eine Eigenheimsiedlung entstehen sollte Doch nun wüteten die Flammen. Es war der größte Brand, den Gardelegen seit Jahrzehnten erlebt hatte. Selbst altgediente Feuerwehrleute konnten sich an ein vergleichbares Szenario nicht erinnern.

Ein Blick von oben auf die ausgebrannten Gebäude des Walzenmühlen-Areals. Heute befindet sich dort eine Eigenheimsiedlung.

Am Ende waren es mehr als 120 Feuerwehrleute aus neun Wehren, die mitten in der Nacht zum Einsatz kamen. Neben Gardelegen waren die Wehren aus Klötze, Kalbe, Mieste, Letzlingen, Jävenitz, Solpke, Kloster Neuendorf und Hottendorf vor Ort. Doch an ein Löschen im eigentlichen Sinne war nicht zu denken. Es ging vielmehr darum, die angrenzenden Gebäude zu schützen. Fassaden und Dächer wurden nassgespritzt, um ein Übergreifen der Flammen zu verhindern – am Ende erfolgreich. Da half den Einsatzkräften auch die Windstille. Die Hitze der Flammen sorgte dafür, dass sogar das Blaulicht eines Feuerwehrautos schmolz.

Völlig verkohlt: Der Brandort durfte auch Tage nach dem Feuer wegen der immer noch herrschenden Hitze nicht betreten werden.

Als der Tag anbrach, loderten die Flammen immer noch. Polizei-Spürhunde kamen zum Einsatz, um der Brandursache auf den Grund zu gehen. Doch ihr Schnüffeleinsatz war nur begrenzt: Zu heiß war es am Ort des Geschehens. Noch drei Wochen nach dem verheerenden Feuer musste die Wehr erneut ausrücken: Glutnester glimmten wieder auf.

Die teils völlig erschöpften Feuerwehrleute bekamen noch während der Brandnacht Nachbarschaftshilfe: Anwohner schmierten Brötchen, schenkten Kaffee aus, stellten später Gartenstühle zum Ausruhen zur Verfügung.

Wenige Wochen später war klar: Es war Brandstiftung. Angesichts des Umstands, dass es an mehreren Stellen gleichzeitig knallte und mehrere Gebäude zeitgleich in Flammen aufgingen, keine wirkliche Überraschung. Täter konnten allerdings bis heute nicht ermittelt werden.

Heute deutet nichts mehr auf den Großbrand von vor zehn Jahren hin: Statt Walzenmühle gibt es Wohnhäuser, statt Rauchsäulen kurz geschnittenen Rasen. Das Wohngebiet ist längst Realität.

Knallrote Feuerwand

Die Sirene heulte, die Einsatzkräfte stiegen in die Fahrzeuge – „und da sahen wir auch schon diese knallrote Feuerwand.“ Sven Rasch, heute Gardelegens Stadtwehrleiter und damals Leiter der Solpker Feuerwehr, erinnert sich noch an jene Nacht vor zehn Jahren, als die Walzenmühle in Flammen aufging. „Dieser Einsatz war schon heftig.“ Sogar im zehn Kilometer entfernten Solpke sah man die Flammen. An ein Löschen vor Ort war nicht zu denken, „unsere Aufgabe war es, ein Gebäude in der Nachbarschaft zu sichern“. Also ein Übergreifen der Flammen zu verhindern.

Mit dem Fahrrad zum Brandort

Das Flammenmeer war noch in mehr als 20 Kilometern Entfernung am sternenklaren Nachthimmel zu sehen.

Als es immer wieder knallte und die Sirenen heulten, tat Gardelegens damaliger Bürgermeister Konrad Fuchs das, was er in solchen Fällen immer tat: „Ich lief nach draußen und schaute, ob man irgendwo Feuer sieht.“ Denn Fuchs trieb die Angst um die Häuser in der historischen Altstadt um. Er sah die Feuerwand, schnappte sich sein Fahrrad und radelte in Richtung Brandstelle los. „Verdammte Sch...“, habe er unterwegs gedacht. Und ist heute noch beeindruckt und dankbar ob des „heldenhaften Einsatzes“ der 120 Feuerwehrleute.

Von Stefan Schmidt

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