Gedenkstättenleiter lädt zum Vortrag ein

Isenschnibbe in neuen Medien: Gedenkstätte präsent bei Facebook und Twitter

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Seit September leitet Andreas Froese-Karow die Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe Gardelegen und hat mittlerweile auch ein Büro in der Hansestadt.

Gardelegen. Vor knapp zwei Monaten übernahm der Historiker Andreas Froese-Karow die Leitung der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe Gardelegen. Mittlerweile hat er auch ein Büro in der Hansestadt bezogen.

Und zwar im Haus II der Stadtverwaltung im Bereich des Bauamtes, Zimmer 117. Dort ist er zwar nicht die ganze Woche über, aber mindestens an zwei Tagen persönlich anzutreffen, wie er berichtet. Ansonsten ist er aber auch über Telefon (0 39 07) 71 61 76, per Fax (0 39 07) 71 61 11, per Mail: info-isenschnibbe@stRS. sachsen-anhalt. de sowie über die Internetseite der Stiftung Gedenkstätte Sachsen-Anhalt, www. stgs. sachsen-anhalt. de, zu erreichen.

An den anderen Tagen arbeitet Froese-Karow bei der Stiftung in Magdeburg. Schließlich gilt es, das neue Besuchs-, Schul- und Dokumentationszentrum für die Gardelegener Gedenkstätte auf den Weg zu bringen, das 2017 fertig gestellt sein soll. Dafür wurde bereits eine Arbeitsgruppe gebildet, in der neben der Stiftung und der Hansestadt Gardelegen unter anderem auch das Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt und der Denkmalschutz vertreten ist. Die Arbeitsgruppe hat laut Froese-Karow auch bereits getagt und ein Büro bestimmt, das den Architekturwettbewerb für das Zentrum organisieren soll und dafür derzeit die EU-Ausschreibung erarbeitet. Im April kommenden Jahres wird dann eine Jury den Sieger auswählen.

Er selbst, so Froese-Karow, sei derzeit dabei, die Gedenkstätte präsenter zu machen, vor allem in den neuen Medien. So sind seit dieser Woche beispielsweise die Facebook- und die Twitter-Seite der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe online (Facebook: Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe Gardelegen/ Isenschnibbe Barn Memorial; Twitter: GFI Gardelegen). Eine Homepage ist in Arbeit. Zudem erarbeitet er derzeit einen Flyer zur Gedenkstätte Isenschnibbe, der mehrsprachig in Deutsch, Englisch, Französisch und Polnisch erscheinen soll. Zudem sei die Stiftung derzeit dabei, ihren Flyer zu überarbeiten, so dass dann alle sieben Gedenkstätten in ihrer Obhut darauf vertreten sind. Zudem habe er mit ersten Recherchen nach Material für die geplante Daueraustellung im neuen Zentrum begonnen.

Vortrag und persönliche Vorstellung

Wer Andreas Froese-Karow persönlich kennenlernen möchte, hat dazu am kommenden Dienstag, 3. November, Gelegenheit. Dann lädt der Leiter der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe um 19 Uhr in den Gardelegener Rathaussaal zum Vortrag „Herrenmenschen, Arbeitsvölker und ein alltägliches Verbrechen: Zwangsarbeit im Nationalsozialismus“ ein.

Mehr als 20 Millionen Menschen aus ganz Europa mussten zwischen 1939 und 1945 im nationalsozialistischen Deutschland und in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten Zwangsarbeit leisten. Als „Fremdarbeiter“, Kriegsgefangene oder KZ-Häftlinge wurden sie in Lager verschleppt und von dort in Arbeitskommandos eingesetzt. Spätestens ab 1942 war das System der Zwangsarbeit ein fester Bestandteil der nationalsozialistischen Gesellschaft. Das organisierte System der Zwangsarbeit war kein Geheimnis, sondern vielmehr ein öffentlich begangenes Verbrechen. Alle Deutschen begegneten in ihrem alltäglichen Umfeld Zwangsarbeitern, viele profitierten selbst von diesem System der rücksichtslosen Ausbeutung.

Der Geschichte dieses breiten gesellschaftlichen Verbrechens geht der Historiker an diesem Abend nach. Dabei beleuchtet er die Rolle der KZ-Zwangsarbeit als Teil der Vorgeschichte für das Massaker in der Isenschnibber Feldscheune im April 1945. Ebenso thematisiert er auch die Folgen der NS-Zwangsarbeit nach 1945: Das Schweigen in der Nachkriegsgesellschaft bis in die 1990-er Jahre, die immer noch andauernde Debatte um Entschädigungszahlungen und die individuellen Folgen für ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bis heute.

Bei dieser Veranstaltung stellt sich Andreas Froese-Karow zudem als neuer Leiter der Gedenkstätte der Öffentlichkeit vor. Nach dem Vortrag gibt es für das Publikum im Saal die Gelegenheit für Fragen an und Gespräche mit ihm. Darauf freut er sich besonders.

Eine Anmeldung zur Veranstaltung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei.

Von Elke Weisbach

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