Veronika Herrmann ist eine von 17 Hospizhelferinnen aus dem Raum Gardelegen / Bald Info-Abend

„Ich gebe Zeit, die ist unbezahlbar“

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Veronika Herrmann ist ehrenamtliche Hospizhelferin im Ambulantenn Hospizdienst Gardelegen, „Jeder stirbt anders“, hat sie im Laufe von 14 Jahren festgestellt.

Gardelegen. Sie weiß, der Vergleich hinkt. Aber trotzdem: „Auf die Geburt eines Menschen kann man sich vorbereiten, neun Monate lang.“ Das sagt Veronika Herrmann. Aber auf den Tod eines Menschen könne man sich nicht vorbereiten.

Und man wisse auch nicht, wann dieser eintrete – selbst bei sterbenskranken Menschen nicht. Deshalb sei die Arbeit als Hospizhelferin so abwechslungsreich. Denn „jedes einzelne Schicksal ist anders, jeder stirbt anders. “ Schon seit 2002 ist die Frau aus Gardelegen, die hauptberuflich im Pflegedienst tätig ist, ehrenamtliche Hospizhelferin. Erst im Raum Stendal, mittlerweile als eine von 17 Ehrenamtliche im Raum Gardelegen.

Wie kommt der Kontakt zu einer Familie, in der jemand sterbenskrank ist, überhaupt zustande? Erst, so berichtet der hauptamtliche Geschäftsführer des Hospizdienstes, Thomas Rehbein, sei er vor Ort. Dann nehme er die ehrenamtliche Kraft mit. Und danach kümmert sich diese Ehrenamtliche – also beispielsweise Veronika Herrmann – um den Kranken und die Angehörigen.

Das können einfühlsame Gespräche sein, das kann praktische Hilfe sein („Nicht jeder denkt an eine Patientenverfügung“). Das ist auch mal der schlichte Händedruck oder ein langer Spaziergang. „Es gibt da kein Patentrezept“, sagt Veronika Herrmann. Neben dem Kranken selbst geht es aber auch immer um die Angehörigen. Und da sei eines wichtig: „Vertrauen. Das muss da sein.“ Vertrauen darauf, dass die Hospizhelferin für die Familie da ist, „gegebenenfalls auch mitten in der Nacht“.

Andererseits: Veronika Herrmann und ihre Kollegen sind keine Mediziner, keine Pflegedienst-Mitarbeiter und auch keine Dienstboten. „Uns mit einem Einkaufszettel loszuschicken, das ist nicht unsere Aufgabe“, betont die Hospizhelferin. Und, ganz wichtig aus ihrer Sicht: „Wir sind keine Kontrolleure, wir sind Begleiter.“ Die da sind, wenn es nötig ist. „Wir geben den Betroffenen unsere Zeit. Und die ist unbezahlbar.“

Beispiel: Die Ehefrau eines Schwerkranken wollte unbedingt ins Theater, hatte schon Monate zuvor die Karte geschenkt bekommen. Aber sie wollte ihren Ehemann nicht alleine zu Hause lassen „Da bin ich dann gekommen.“ Einfach, damit der schwerkranke Mann nicht alleine ist. Damit jemand da ist, der nötigenfalls auch helfen kann. Und damit die pflegende Ehefrau, wenn auch nur für einen Abend, mal raus kann. Mal Abwechslung hat. „Auch so etwas ist ungemein wichtig“, sagt Veronika Herrmann.

Oder: Eine schwerkranke alte Frau wollte ihrem neu geborenen Enkelkind etwas schenken. „Da sind wir dann zu zweit in die Stadt gefahren und sie hat sich in aller Ruhe ein niedliches Geschenk zur Geburt ausgesucht.“ Davon, so berichtet Veronika Herrmann, habe die Frau noch sehr lange gezehrt.

Es sind solche Momente, die der Pflegedienst-Mitarbeiterin wie ein Geschenk vorkommen. Deshalb wünscht sie sich, dass sie die zu betreuenden Personen nicht erst kennenlernt, wenn sie bereits sterbenskrank und mitunter nicht mehr ansprechbar sind. „Ich möchte gerne wissen, wie es ist, wenn dieser Mensch lacht, wenn er fröhlich ist.“ Diese Momente gebe es im Endstadium dann zwangsläufig nicht mehr oft.

Wer ehrenamtlicher Hospizhelfer im Raum Gardelegen werden will: Der nächste Info-Abend des ambulanten Hospizdienstes Gardelegen findet am Montag, 12. September, im Johanniterhaus Pfarrer Franz an der Ernst-Thälmann-Straße 4 bis 6 in Gardelegen statt. Beginn ist um 19 Uhr. Anmeldungen sind möglich unter der Telefonnummer (0 39 07) 7 79 60 20 oder per E-Mail unter info@hospiz-gardelegen.de

Von Stefan Schmidt

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