15 Jahre erfolgreiches Integrationsmodell an Wander-Grundschule und -Förderschule

„Ich bin anders als Du“

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Nach dem festlichen Akt in der Schulaula liefen die Kinder auf den Schulhof, um dort gemeinsam bunte Luftballons in die Luft steigen zu lassen. Im Anschluss begann der Tag der offenen Tür. Die Gäste konnten sich die Schule zeigen lassen und sich am reichen Buffet bedienen.

Gardelegen. „Ich bin anders als du bist, anders als er ist, anders als sie. Na und! Das macht das Leben eben bunt“.

Grundschulkinder und Kinder mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung sangen und tanzten gemeinsam. Die Darbietung war ein Ergebnis aus dem gemeinsamen Musikunterricht.

So lautete der Refrain des Liedes „Anders als du“, den der Schulchor der Karl-Friedrich-Wilhelm-Wander-Grundschule gestern auf der Festveranstaltung anlässlich des 15-jährigen Bestehens des Integrationsmodells zwischen der Grundschule und Förderschule für Geistigbehinderte zum Besten gab. Das Lied passte nicht nur zum Anlass, sondern traf das Publikum – darunter befanden sich auch der stellvertretende Landrat Eckhardt Gnodtke, die Schulfachreferentin für Grund- und Förderschulen des Landesschulamtes Sachsen-Anhalt, Andrea Heiber, sowie Gardelegens Bürgermeistern Mandy Zepig – mitten ins Herz.

Schulfachreferentin Andrea Heiber überreichte ein Präsent an die Schulleiterinnen Sabine Kauerhof (links) und Regina Müller.

Am 13. September 2001 begann die Kooperation, als die beiden Schulen in einem Gebäudekomplex an der Straße der Republik zogen – wenn auch der Zusammenschluss anfangs viele Zweifel mit sich brachte, erinnerte sich Grundschulleiterin Regina Müller. Diese ersten Zweifel sind jedoch mit der Zeit verflogen, betonte die Gundschulleiterin. Und das Integrationsmodell habe sich über die 15 gemeinsamen Jahre bestens bewährt.

So werden beispielsweise zu Beginn des Schuljahres die Erstklässler beider Schulen gemeinsam eingeschult, erklärte die Leiterin der Förderschule, Sabine Kauerhof. Um sich dann besser kennenzulernen, wird in der ersten Schulwoche ein Herbstfest gefeiert. Auch laden die Oberstufenklassen der Förderschule zum Martinstag die ersten Klassen der Grundschule ein, um ihnen ein kleines Theaterstück zum Thema Martinstag vorzuführen. In der Weihnachtszeit studieren die Berufsschüler der Förderschule eine Weihnachtsgeschichte ein und laden zur Generalprobe den Hort der Grundschule ein. Auch gehen beide Schulen gemeinsam zum Weihnachtssingen in die Marienkirche. „Anhand der vielen Beispiele wird auf jeden Fall deutlich, dass wir gut zusammen feiern können und dabei auch voneinander und miteinander lernen“, sagte Sabine Kauerhof während ihrer Rede und verdeutlichte nochmals die gelungene Inklusionsarbeit.

Damit der Inklusions- und Integrationsansatz weiterhin fruchten kann, bedarf es jedoch an ausreichenden Lehrkräften. Dies ist aktuell nicht der Fall. „Die personelle Versorgung liegt in der Hand des Landes Sachsen-Anhalt. Hier muss ich sagen, wird noch zu wenig bedacht, dass Integration nicht funktionieren kann, wenn die personellen Voraussetzungen nicht ausreichen“, betonte die Leiterin der Föderschule. Laut Kauerhof können die materiellen Voraussetzungen dieses Jahr nicht optimal genutzt werden. „Die Förderangebote müssen stark reduziert werden, obwohl das eigentlich das Besondere an unserer Föderschule ist“. Der Grund hierfür sei der Mangel an Lehrkräften. „So steht zum Beispiel im Moment das Bewegen im Therapiebad nicht auf dem Programm für unsere stark körperlich geschädigten Kinder, weil die pädagogischen Mitarbeiter mit therapeutischer Orientierung wegen Mangels an pädagogischen Mitarbeitern in den Klassen eingesetzt werden müssen.“ Trotz dieser widrigen Umstände geben alle ihr Bestes, wie beide Schulleiterinnen in ihren Ansprachen bestätigten.

An diesem Tag standen jedoch nicht die Probleme, sondern die Kinder im Vordergrund. Und das wurde keinen Augenblick außer acht gelassen. Mit einem abwechslungsreichen Gesangs- und Tanzprogramm beider Schulen gestalteten die Kinder einen feierlichen Vormittag für ihre Gäste. Anschließend liefen die Schüler auf den Schulhof, um anlässlich des feierlichen Tages, bunte Luftballons in die Luft steigen zu lassen. Danach waren alle Gäste eingeladen, am Tag der offenen Tür der „Karl-Friedrich-Wilhelm-Wander“ Grund- und -Förderschule teilzunehmen, sich von den Lehrern durch das Haus führen zu lassen sowie einen Einblick in die Klassen während des Unterrichts zu bekommen.

Von Marilena Berlan

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