Kiefernbuschhornblattwespe auf 402 Hektar zwischen Waldschnibbe und Jerchel bekämpft

Hubschrauber im Einsatz

+
Vor Ort wurde dem Insektizid Wasser beigemischt, um es über der Waldfläche auf die Kronen sprühen zu können. Das Wetter war ideal dafür. Denn das flüssige Schädlingsgift muss sich in den Kiefernkronen festsetzen und trocknen können.

Jerchel. Lautes Brummen war am Sonnabend über den Wäldern der Reviere Wannefeld und Jerchel zu hören.

Auch der persönliche Schutz muss sein, wenn das Gift in den Sprühtank gefüllt wird. Karate Forst ist schnell wirksam und kann dem Schädlingsfraß sofort Einhalt gebieten.

Denn dort – von Waldschnibbe bei Gardelegen, wo sich das Epizentrum befand, bis nach Jerchel – war den ganzen Tag ein Hubschrauber im Einsatz, um einen Feind der Kiefer aus der Luft zu bekämpfen.

Es handelte sich um die Kiefernbuschhornblattwespe, die sich in diesem Gebiet explosionsartig vermehrt hatte. Nach der noch unauffälligen ersten Generation des Forstschädlings im Mai war nun Ende August/Anfang September die zweite Generation des Nachwuchses der Blattwespe geschlüpft, und zwar aufgrund der für sie idealen Bedingungen mit lang anhaltender Trockenheit und Wärme myriadenfach. Sofort hatten die Raupen mit ihrem Lebenszweck begonnen – dem Fressen der Kiefernnadeln. Und zwar fressen die Larven nur die fleischigen Seitenteile der Kiefernnadeln, während der Mittelteil vertrocknet stehen bleibt.

Wie Claus Baum, Leiter des Betreuungsforstamtes Letzlingen, berichtet, war diese Entwicklung nicht vorauszusehen. So wurden beispielsweise bei der Winterbodensuche nie die Schwellwerte überschritten. Doch die Natur hält sich nicht an Richtwerte.

Das ganze Ausmaß des Befalls wurde am vergangenen Montag festgestellt, nachdem Waldbesitzer Alarm geschlagen hatten. Am Dienstag waren bereits die Wissenschaftler der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen für Analysen vor Ort. Sie nahmen unter anderem Probefällungen von Kronen vor. An einer zählten sie 12 000 der Raupen, die mit großem Appetit die Nadeln fraßen. Das kann bis zum Kahlfraß und auch zum Absterben der Kiefern führen, die durch die Trockenheit und Wärme derzeit sowieso schon geschwächt sind. Doch noch lebten die Kiefern und können im nächsten Jahr auch wieder austreiben, wenn der Schädling, wie geschehen, schnell bekämpft wird.

Denn bereits am Donnerstag gab es die Bekämpfungsverfügung aus dem Landwirtschaftsministerium in Magdeburg. Und dieses sehr schnelle Handeln zeigte: Es war fünf Minuten vor Zwölf.

Insgesamt wurden am Sonnabend 402 Hektar beflogen und mit dem Insektizid Karate Forst gespritzt. „Wir haben alles geschafft“, freute sich Baum, „aber es war ein langer Tag.“ Die Aktion wurde auch von den Göttinger Wissenschaftlern begleitet, die die betroffenen Waldflächen weiterhin im Auge behalten und prüfen, ob die Bekämpfung erfolgreich war. Während am Wochenende das Betreten der Wälder in dem Bereich verboten war, ist das nun wieder erlaubt. Allerdings dürfen dort aufgrund des Chemieeinsatzes keine Beeren und Pilze gesammelt werden. Diese Anordnung gilt noch bis zum 3. Oktober, teilte Forstamtsleiter Baum mit.

Von Elke Weisbach

Kommentare