Ambulanter Hospizdienst Gardelegen beginnt ab September neuen Kurs

Hospizhelfer über ihre Arbeit: „Ein Weg, auf dem man viel über sich lernt“

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Ellen Heckert (von links), Dominique Zastera und Edelgard Schoft sind als Hospizhelferinnen tätig. Laut Thomas Rehbein (2. von links) kann jeder Hospizhelfer werden, allerdings muss der Verlust eines nahestehenden Verwandten länger als ein Jahr her sein.

Gardelegen. Den Ambulanten Hospizdienst gibt es in Gardelegen seit April vergangenen Jahres. Er ist im Johanniterhaus Pfarrer Franz angesiedelt. Mittlerweile sind es 17 ehrenamtliche Helfer, die kranke Menschen auf ihrem letzten Lebensweg begleiten.

Sie reden mit ihnen, hören ihnen zu, schenken Zuwendung und Aufmerksamkeit, sprechen Mut zu und sind, wenn der Sterbende das so wünscht, bis zum letzten Atemzug an seiner Seite, um ihm auch dann das Gefühl zu geben, nicht alleine zu sein.

Dominique Zastera arbeitet im sozial begleitenden Dienst im Altenpflegeheim Bismark und ist seit einem Jahr als ehrenamtliche Hospizhelferin tätig. „Ich habe das schon immer machen wollen, aber mich nicht getraut“, gesteht sie. Und dann verstarb ihre Mutter. Durch den schmerzlichen Verlust eröffnete sich plötzlich eine Tür für sie und aus einer langgehegten Idee wurde Wirklichkeit. Heute ist sie froh, den Weg als Hospizhelferin eingeschlagen zu haben. „Es ist ein schöner Weg. Man lernt viel über sich selbst und es gibt einem viel zurück.“

Genau wie Dominique Zastera ist auch Edelgard Schoft Hospizhelferin. Die gelernte Medizinisch-Technische-Radiologie-Assistentin (MTRA) arbeitet im Gardelegener Altmark-Klinikum als MTRA im Bereich Funktionsdiagnostik. „Das Thema Begleitung von Menschen beschäftigt mich schon lange. Ich sehe viel Not bei Menschen, bei Patienten und ich möchte für andere da sein. Deshalb habe ich den Kurs für ehrenamtliche Hospizhelfer besucht“, erklärt sie. Dann ergänzt sie: „Die Entscheidung, warum man Hospizhelfer wird, kann man nicht in Worte fassen. Sie kommt einfach aus dem Bauch heraus.“ Zustimmendes Nicken um sie herum.

Auch Ellen Heckert, gelernte Krankenschwester und im Bereich Funktionsdiagnostik im Altmark-Klinikum Gardelegen tätig, ist seit einem Jahr ehrenamtliche Hospizhelferin. Sie war bei der Eröffnungsfeier des Ambulanten Hospizdientes im vergangenen Jahr in Gardelegen dabei und entschied sich spontan, dieses Ehrenamt anzutreten. „Ich will einfach für andere da sein“, sagt sie voller Überzeugung und mit einem Lächeln im Gesicht. Jede der drei Frauen begleitet immer nur einen Patienten. Wann sie sich mit ihm treffen, ist ganz frei und erfolgt nach Absprache.

Wie sie anschließend mit dem Sterbefall umgehen, ist unterschiedlich. „Nach dem ersten Sterbefall habe ich drei Tage gebraucht, um das zu verarbeiten“, berichtet Dominique Zastera. Der Austausch mit den anderen und die einmal im Monat stattfindenden Gruppengespräche haben der Altenpflegerin schließlich geholfen, den Verlust zu verarbeiten.

Ehrenamtlicher Hospizhelfer kann jeder werden. Es ist ein Engagement, das unabhängig von der ausgeübten Berufstätigkeit, Weltanschauung und religiösen Einstellung ist. „Wichtig ist, dass man sich in den Leidenden hineinfühlen und zuhören kann“, betont Thomas Rehbein, Koordinator am Ambulanten Hospizdienst Gardelegen.

Auch in diesem Jahr bietet der Ambulante Hospizdienst einen Kurs für neue ehrenamtliche Helfer an. Am Montag, 12. September, findet um 19 Uhr zu diesem Thema im Johanniterhaus Pfarrer Franz, Ernst-Thälmann-Straße 4 in 6 in Gardelegen, eine Informationsveranstaltung statt. Alle Interessierten sind laut Thomas Rehbein hierzu eingeladen. Wer sich anschließend als ehrenamtlicher Hospizhelfer engagieren möchte, muss einen Kurs – dieser erstreckt sich (immer montags von 19 bis 21.30 Uhr) über elf Abende und zwei Sonnabende (von 9 bis 16 Uhr) – absolvieren. Im Kurs werden Inhalte wie unter anderem Trauererfahrung, Kommunikation, Recht und Schmerztherapie sowie Bestattungskultur vermittelt. „Alles Themen, die für die künftige Begleitung wichtig sind“, so Rehbein. Daran schließen sich noch einmal vier Ausbildungsabende an.

Der Kurs schließt mit einem Zertifikat ab und kostet insgesamt 30 Euro. Alle Fragen und Anmeldungen zu diesem Kurs nimmt der Ambulante Hospizdienst im Büro des Johanniterhauses Pfarrer Franz unter der Telefonnummer (0 39 07)  7 79 60 20 – oder per Mail info@hospiz-gardelegen.de – entgegen.

Von Marilena Berlan

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