Denkmal anlässlich der 725-Jahrfeier am Sonnabend enthüllt

Hirsch wacht über Jävenitz

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Vivian Kuschfeldt als Slavin aus der Besiedlungszeit (v.r.) und ihr Bruder Julian als heutiges Feuerwehrkind enthüllten gemeinsam mit Ingeborg Lamprecht den Gedenkstein im Heidegarten.

Jävenitz. Zwei Denkmäler hat Jävenitz bereits. Sie erinnern allerdings an dunkle Zeiten – zum einen an den Deutsch-Österreichischen Krieg 1866 und den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, zum anderen an die beiden Weltkriege in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Am Sonnabend kam ein weiteres Denkmal hinzu, das im Gegensatz dazu einen erfreulichen Anlass hat.

Nach dem Festumzug versammelten sich alle Beteiligten und Gäste am Jävenitzer Heidegarten zur Denkmalsenthüllung.

Denn anlässlich der 725-Jahrfeier nach der Ersterwähnung der Wendensiedlung im Jahr 1291 am Wochenende wurde im Heidegarten in der Dorfmitte an der Durchgangsstraße ein Findling enthüllt. Auf ihm sind die Jahreszahlen 1291 und 2016 sowie der Hirsch als Jävenitzer Wappentier verewigt. Wie Ingeborg Lamprecht, die stellvertretende Vorsitzende des Jävenitzer Heimatvereins, vor dem Lüften des Tuches sagte, soll er künftig die Aufmerksamkeit der Durchreisenden erregen, vor allem aber die Jävenitzer an ihre Geschichte erinnern und sie motivieren, sich mit ihr zu beschäftigen. Das Denkmal wurde vom ehemaligen Bürgermeister Heinz Baldus und seiner Frau gestiftet. Der Findling stamme aus der Colbitz-Letzlinger Heide und werde Jahrhunderte überdauern, die, so Ingeborg Lamprechts Wunsch, Jävenitz in Frieden und Eintracht erleben wird.

Damit der Stein gut zur Geltung kommt, wurde der Heidegarten als Standort gewählt. Denn schließlich sei Jävenitz ein Heidedorf. Die Pflege des Gartens, der nach der Neugestaltung ein Aushängeschild bleiben soll, übernehmen die Frauen des Dorfes.

725 plus x Jahre gefeiert

Auf zwei Rädern war man früher meistens unterwegs. Hier zu sehen ein Wanderer und ein Star.

725 ist für Jävenitz eine magische Zahl. Denn 1291 wurde die wendische Siedlung auf der Talsandinsel der Lausebachniederung zum ersten Mal schriftlich auf einer Schenkungsurkunde der Markgrafen Otto und Konrad von Brandenburg an das Zisterzienserkloster im Nachbarort Neuendorf erwähnt. Die Ansiedlung der Wenden, wie die Ostsee- und Elbslaven sowie Sorben genannt werden, erfolgte aber sicher schon früher. Denn die Wenden wanderten zwischen den Jahren 700 und 1100 in die Altmark ein. Dass auch Jävenitz älter ist, zeigen zudem die Ausgrabungen im neuen Baugebiet. Vielleicht sogar 300 Jahre älter. Das wäre dann vor etwa 50 Generationen gewesen, erklärte Ingeborg Lamprecht, stellvertretende Vorsitzende des örtlichen Heimatvereins, während des festlichen Jubiläumsstarts am Freitagabend.

Dazu waren Vertreter aller Vereine und Institutionen, Ur-Jävenitzer, langjährige Jävenitzer und auch jene, die erst wenige Jahre im Dorf wohnen, sich aber stark für die neue Heimat engagieren, eingeladen. Mit dabei waren auch Gäste aus der Partnergemeinde Lehre sowie Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig, Landrat Michael Ziche und Konrad Fuchs als ehemaliger Dorfchef. Musikalisch umrahmt wurden diese ersten feierlichen Stunden von Mädchen der Gardelegener Außenstelle der Kreismusikschule Salzwedel unter Leitung von Claudia Zille. Und sie beinhalteten auch einen Exkurs durch die 725 plus x Jahre währende Jävenitzer Geschichte von Maik und Christian Matthies.

Die damaligen Siedler sowie die Zeit der ersten schriftlichen Nennung waren an der Zugspitze nach dem Spielmannszug Wernstedt zu entdecken.

Sehr persönliche Grußworte überbrachte Mandy Zepig, deren Leben mit Jävenitz verwoben ist, wie sie sagte. Schließlich wuchs sie nur wenige Kilometer entfernt in Hottendorf auf, ging zehn Jahre lang in Jävenitz zur Schule und hatte ihren ersten Freund aus diesem Dorf. Auch Persönlichkeiten aus Jävenitz haben sie geprägt wie „Onkel Ludwig“ Paplik, Freund ihres Großvaters und Bürgermeister in Jävenitz, Konrad Fuchs, der sie zur Politik gebracht habe, und Heinz Baldus, von dem sie gelernt habe weiterzukämpfen, auch wenn man auf verlorenem Posten stehe. Sie bescheinigte den Jävenitzern, dass sie stolz auf sich sein können. Denn neben den größten Kartoffeln sowie super Eis und Brötchen habe das Dorf sehr engagierte Vereine, die unter einem Dachverband und ohne Ortschaftsrat das gesellschaftliche Leben hoch halten, zusammenstehen und das Brauchtum pflegen. Und da sie, so Mandy Zepig, nicht nur verwalten, sondern auch gestalten will, hatte sie als Geschenk zwei Riesenpilze für den Heidegarten mitgebracht. Auch Michael Ziche hatte etwas Persönliches beizusteuern. Denn vor rund 40 Jahren habe er mal einige Wochen in Jävenitz gearbeitet. Insofern ist ihm das Dorf schon lange gut bekannt. Und auch er würdigte das Engagement der Vereine, die mit unverbindlichen kommunalen Strukturen, verbindlich für die Menschen tätig sind und nach dem Verlust der Eigenständigkeit gesagt haben: „Jetzt erst recht.“

Und wie engagiert die Jävenitzer sind, zeigte sich auch am Sonnabend, als sich mit einem großen Festumzug alle Vereine wie Heimat-, Kleingarten- und Angelverein, Gewerbestammtisch, die Landwehrschützen, die Feuerwehr und der SV Heide sowie Institutionen wie Kita und Grundschule und Gäste wie der Heimatverein Letzlingen präsentierten. Dazu gesellte sich alte und neue Technik. Musikalisch begleitet wurde der Ummarsch durch den Spielmannszug Wernstedt und kommentiert von Hagen Pohlan. Er endete am Heidegarten, wo im Anschluss ein Gedenkstein enthüllt wurde. Im Anschluss wurde im und am Festzelt gefeiert.

Von Elke Weisbach

Die Bilder von der 725-Jahrfeier in Jävenitz

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