Festgäste des Fliegerclubs Gardelegen nutzen Gelegenheit zum Abheben

Hinauf in den Himmel

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Neun Passagiere passen in den großen Doppeldecker, Baujahr 1969. Waren genügend beisammen, hob die Antonov am Wochenende ab in den altmärkischen Himmel.

Gardelegen. „Ich fliege normalerweise etwas anders, aber es war super“, erklärte Tim Koesling aus Samswegen am Sonnabend, als er – zugegeben – etwas blass aus der Yakovlev 52, Baujahr 1988, stieg.

In dem Schulflugzeug war er gerade einen Looping, eine Rolle, einen Turn und eine kubanische Acht geflogen – allerdings nicht selbst. Der Vorsitzende des Fliegerclubs Gardelegen hatte auf dem hinteren Sitz Platz genommen.

Roland Koch steuerte am Wochenenden die Antonov AN-2, was für ihn als Piloten richtige Handarbeit war.

Vorn saß Enrico Günther aus Magdeburg, der Berufspilot bei der Lufthansa und Kunstflieger ist und dem das Flugzeug gehört. Jeder, der Lust dazu hatte, konnte am Sonnabend und Sonntag mit ihm in der Yak, so die Kurzform, mitfliegen. Denn das gehörte mit zu den Attraktionen des Flugplatzfestes am Wochenende, das trotz des nicht optimalen Wetters zahlreiche Besucher auf den Gardelegener Flugplatz zog.

Die Antonov AN-2 ist der größte Doppeldecker in Europa und war auch auf dem Boden absolut sehenswert.

Mit dem Fest, so Tim Koesling, „wollen wir den Verein und den Sport der Öffentlichkeit bekannter machen. Fliegen ist unser Hobby“. Der Verein der Luftfahrtbegeisterten zählt derzeit 35 Mitglieder, die aus einem Radius von rund 50 Kilometer rund um Gardelegen kommen, inklusive fünf Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren, die derzeit den Segelflug erlernen. Und vielleicht fand sich ja der ein oder andere Interessierte, der im Club mitarbeiten und sich zum Motor- oder Segelflieger bis zur Fluglizenz ausbilden lassen möchte. Beides wird im Fliegerclub Gardelegen, der über ein Motorflugzeug, einen Motorsegler und vier Segelflugzeuge verfügt, angeboten. Entsprechende Fluglehrer sind vorhanden. Und womöglich wird aus dem anfänglichen Hobby ja auch eine berufliche Zukunft.

So war es beispielsweise bei Roland Koch, der als Jugendlicher mit dem Segelfliegen begonnen hat und heute Berufspilot bei der Reupke Air ist. Und in seinem Job, plauderte er ein wenig aus dem VIP-Nähkästchen, habe er auch schon einmal seinen Namensvetter, den ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, geflogen. Das war eine gegenseitige Vorstellung mit Schmunzelgarantie.

Am Wochenende allerdings steuerte er eine Antonov AN-2, Baujahr 1969, ein weiteres Highlight des Festes. In dem größten, motorisierten russischen Doppeldecker fanden neun Passagiere Platz. Waren genug beisammen, hob sie ab in den altmärkischen Himmel. Und dass die Antonov bereits 46 Jahre auf dem Buckel hat, sieht man ihr auch im Cockpit an. Das Fliegen mit ihr, erklärte Roland Koch, sei noch „richtig Handbetrieb“.

Weiterhin sehenswert war das tschechische Agrarflugzeug Z 37, Baujahr 1978, mit Namen „Cmelák“, auf Deutsch „Hummel“. Jedes Flugzeug und jede Aktion wurde von Vereinsmitglied Werner Beyer aus Ballenstedt erläutert, der die Moderation während des Festes übernommen hatte.

Neben den Flugzeugen gab es auch noch andere Oldtimer am Boden zu entdecken. Mitglieder des Gardelegener Oldtimerstammtisches und Oldtimerfreunde aus Etingen waren mit einigen Fahrzeugen vor Ort. Dazu gehörte auch Maik Kellermann aus der Hansestadt. Er war mit einem Original-Trabi, Baujahr 1982, der DDR-Grenztruppen, die in Salzwedel stationiert waren, und einer russischen Molotow, Baujahr 1957, vor Ort.

Auch an das leibliche Wohl der Gäste war gedacht. Es gab Herzhaftes vom Grill, aber auch Süßes in Form von selbst gebacken Kuchen.

Von Elke Weisbach

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