Etwa 180 ehrenamtliche Flüchtlingshelfer engagieren sich in den Landkreisen Salzwedel und Stendal

Großer Dank für Humanitäre Hilfe

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Christina Dietmann (vorne von rechts), Bianca Weber und Dr. Evelyn Ruppert-Schulze koordinieren die Flüchtlingshelfer, die sie am Freitagabend zu einem Dankeschön-Fest eingeladen hatten.

Gardelegen. Omar Obeid hat gerade sein Zahnmedizin-Studium beendet, als er sich dazu entschließt mit seiner Mutter aus Damaskus nach Deutschland zu fliehen.

Ganz so, wie man es in den Medien sieht – auf einem Boot über das Meer von der Türkei aus nach Griechenland und dann weiter über Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien, Österreich bis nach Deutschland.

Omar Obeid aus Syrien spielte im Gemeindezentrum Am Aschberg die Udd – eine Laute.

Im Moment bringt er sich selbst Deutsch bei, doch irgendwann möchte der junge Syrer einen Sprachkurs auf dem weit fortgeschrittenen Niveau C1 bestehen. Denn er will als Zahnarzt praktizieren. Sein Abschluss wird gerade übersetzt. Dafür, dass der 25-Jährige hier Fuß fasst und sich aufgenommen fühlt, sorgen vor allem ehrenamtliche Flüchtlingshelfer. Und für sie spielte Omar bei einem Dankeschön-Fest am Freitagabend im Gardelegener Gemeindezentrum Am Aschberg auf seiner Laute, der Udd.

Zu dem Abend hatten die Diakonische Flüchtlingshilfe des Kirchenkreises Salzwedel sowie die Freiwilligen-Agentur Altmark eingeladen, für die sich zusammengenommen knapp 180 Menschen organisiert ehrenamtlich engagieren. „Große Hochachtung“ habe er vor den Ehrenamtlichen, erklärte Landrat Michael Ziche, der ebenfalls an der Veranstaltung teilnahm und sich für ihren Einsatz bedankte. Denn nur mit ihrer Hilfe „ist uns diese Herausforderung gut gelungen“. 

Die Herausforderung, also die Aufnahme von geflüchteten Menschen, kam überraschend, man sei unvorbereitet gewesen, ließ Ziche die vergangenen knapp zwei Jahre Revue passieren. Im letzten Quartal 2015 wurden besonders viele Menschen aufgenommen und bedurften humanitärer Hilfe. Der Kirchenkreis Salzwedel, allen voran der stellvertretende Superintendent Pfarrer Gottfried Vogel, habe die Situation sehr schnell erkannt und sich eingebracht. So habe man sich im Frühjahr 2015 zur ersten Integrationskonferenz getroffen.

Derzeit kommen nicht mehr ganz so viele Menschen nach Deutschland, was unter anderem an den wiedererrichteten Grenzen liege. In Sachsen-Anhalt seien in den vergangenen Monaten etwa monatlich 400 bis 500 Flüchtlinge angekommen. Der Ausländeranteil habe in der Altmark vor der Flüchtlingskrise ein Prozent betragen, mittlerweile sei man bei drei Prozent. Viele, die hier ankommen, ziehen wieder weg. Dabei sei die Altmark dünn besiedelt, weshalb Ziche appellierte, hier zu bleiben: „Perspektivisch können Sie wichtige Pfeiler unserer Gesellschaft werden“.

Von Hanna Koerdt

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