Langjähriger Leiter der Gardelegener Kinderklinik verabschiedet / Auch Dr. Christoph Luck in Rente

Genseke: Altmark statt Äthiopien

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Mit einer Aktentasche unter dem Arm ging Dr. Rainer Genseke (rechts) gestern in den Ruhestand. Verabschiedet wurde er vom Geschäftsführer des Altmark-Klinikums, Matthias Lauterbach.

Gardelegen. Im Vorfeld äußerte sich der Gelobte: „Macht bloß nicht so viel Tamtam. “ Und: Am liebsten wäre es ihm, einfach zu gehen. „Ich bin nur mit einer Aktentasche hier hergekommen, ich würde am liebsten nur mit einer Aktentasche wieder gehen."

Der Wunsch wurde erfüllt. Matthias Lauterbach, Geschäftsführer des Altmark-Klinikums, überreichte Rainer Genseke gestern zum Ruhestand symbolisch eine Aktentasche.

Doch es gab für den bisherigen Chefarzt und Leiter der Dr.-Albert-Schweitzer-Kinderklinik am Gardelegener Altmark-Klinikum mehr als diese Aktentasche. Nämlich sehr viel Lob. Genseke sei „ein Glücksfall für die Region“, hob Aufsichtsrats-Vorsitzender Michael Ziche hervor – seine eigenen Kinder, die ihn längst zum Großvater gemacht haben, wurden einst auch von Genseke behandelt.

Sowohl Genseke als auch der am gestrigen Nachmittag im Gemeinschaftsraum des Gardelegener Krankenhauses ebenfalls in den Ruhestand verabschiedete Chefarzt und Leiter der Allgemein- und Viszeralchirurgie, Dr. Christoph Luck, hätten „ihren Beruf gelebt“, erklärte Ziche. Und in Richtung Genseke, der seit mehr als 29 Jahren die Kinderklinik leitete und noch bis zum 31. März 2017 den kassenärztlichen Sitz am Standort Gardelegen begleiten wird, ehe er gänzlich ausscheidet: „Sie waren für die Region ein Glücksfall.“ Vor seinem Engagement in Gardelegen war er eigentlich für einen Aufenthalt in Äthiopien vorgesehen, erinnerte der Landrat. Aber Genseke bekannte im Rückblick: „Ich habe es keine Sekunde lang bereut, nach Gardelegen gekommen zu sein.“

Genseke stammt aus „ärmlichen Verhältnissen“, wie er in seiner Abschlussrede erklärte. Die Mutter war Schneiderin, der Vater Elektromeister, der Sohn lernte zuerst ebenfalls Elektriker. Der dreifache Familienvater, 104-fache Apfelbaumbesitzer und bekennende 1.FC-Magdeburg-Anhänger, der auch fünf Jahre lang Leitender Chefarzt in Gardelegen war, erklärte: „Kinderaugen sind die Seele der Welt.“ Jeder, der Bomben auf andere Menschen werfe, solle vorher „eine Minute lang in Kinderaugen schauen. Dann schmeißt er keine Bomben mehr“.

Von Stefan Schmidt

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