Zwei Tafeln sollen noch am Gräberfeld für russische Zwangsarbeiter aufgestellt werden

Den Gefangenen Namen geben

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Auf der Freifläche vor dem Soldatendenkmal auf dem Gardelegener Friedhof sind die Särge von 197 Kriegsgefangenen aus dem Ersten Weltkrieg in die Erde eingelassen. Bald sollen auch die Namen der Verstorbenen zu lesen sein.

Gardelegen. Die 197 Namen jener Russen, die während des Ersten Weltkriegs im Kriegsgefangenenlager unweit von Zienau arbeiten mussten und dort ums Leben kamen, sollen in absehbarer Zeit auf dem Gardelegener Friedhof zu lesen sein – in kyrillischer Schrift.

Das berichtete Birgit Matthies, Fachbereichsleiterin im städtischen Ordnungsamt, während der Stadtratssitzung am Montagabend. Sie reagierte damit auf eine Anfrage von Sieghard Dutz, der nach der Kenntlichmachung dieses speziellen Gräberfelds auf dem Gardelegener Friedhof fragte.

Dort, unweit der Kapelle, wurden im vergangenen Jahr in einem feierlichen Akt mit einem Vertreter der russischen Botschaft aus Berlin genau 197 Gräber in die Erde gebettet. Bisher existiert dort nur eine Art „Grüne Wiese“ mit einem daneben stehenden Soldatendenkmal. Für Unbedarfte ist diese Fläche nicht als Gräberfeld zu erkennen. Was durchaus Absicht sei, wie Birgit Matthies auf Nachfrage der Altmark-Zeitung erklärt. Die in die Erde eingelassenen Särge sollen nicht zusätzlich auf der Wiese erkennbar sein, etwa durch Grabeinfassungen oder ähnliches.

Auf zwei bereits vorhandenen Sockeln rechts und links des Soldatendenkmals sollen zwei Tafeln aufgestellt werden. Auf einer Tafel soll kurz dargestellt werden, um was für ein besonderes Gräberfeld es sich handelt – in deutscher Sprache. Die zweite Tafel soll die Namen der 197 dort Beerdigten auflisten – in kyrillischer Schrift. Diese Namen hat die Gardelegener Stadtverwaltung an die russische Botschaft in Berlin übergeben. Dort, so berichtet Birgit Matthies, würden diese Namen nun mit den eigenen Archiven abgeglichen. Und das könne noch eine gewisse Zeit beanspruchen. Die Kosten für diese Tafeln übernimmt das Landesverwaltungsamt, die Gestaltung sei zwischen Land, Denkmalschutz, russischer Botschaft und der Stadt abgesprochen.

Damit fast 100 Jahre nach ihrem Tod die Kriegsgefangenen nicht nur eine anonyme Zahl sind, sondern auch ihre Namen zurückbekommen.

Von Stefan Schmidt

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