„Einander die Hand ausstrecken“

Gedenkstunde: Umbettung russischer Kriegsgefangener auf Gardelegener Friedhof

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Sie hielten Fürbitte: Gardelegens evangelischer Pfarrer Martin Goetzki (von links), der Erzpriester der russisch-orthodoxen Kirche aus Magdeburg, Boris Ustimenko, und Gardelegens katholischer Pfarrer Andreas Lorenz.

sts Gardelegen. Die Erinnerung und das Gedenken an jene Menschen, die während der beiden Weltkriege ihr Leben lassen mussten, das sei „keine Frage der Weltanschauung oder der Staatsangehörigkeit, sondern eine Frage des Anstands und Gewissens“.

Das sagte Nikolay Avramov, Gesandter der russischen Botschaft aus Berlin, gestern auf dem Gardelegener Friedhof. Er sprach direkt zwischen den Gräbern der sowjetischen Soldaten, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs in und um Gardelegen ums Leben kamen. Seit gestern liegen dort weitere 27 Rotarmisten aus dem Zweiten Weltkrieg. Avramov erinnerte in seiner Rede auch ausdrücklich an „die deutschen Opfer“ der beiden Weltkriege. Und: Man müsse sich, bezogen auf das heutige deutsch-russische Verhältnis, „trotz einiger gegenwärtiger politischer Turbulenzen“ vertrauen. Abschließend forderte er die heutige Generation auf, man möge „einander die Hand ausstrecken“.

Die Rede Avramovs war der rhetorische Höhepunkt einer sehr würdigen Gedenkstunde auf dem Gardelegener Friedhof. Dort wurden im Juni dieses Jahres die sterblichen Überreste von 197 russischen Kriegsgefangenen aus dem Ersten Weltkrieg, die jahrzehntelang und zu DDR-Zeiten unbeachtet auf einem Friedhof bei Zienau lagen, umgebettet. Gestern erfolgte die offizielle Gedenkfeier für sie und die weiteren 27 Rotarmisten, die anhand ihrer Erkennungsmarken eindeutig als Soldaten der Roten Armee identifiziert werden konnten.

Während der erste Teil des Gedenkens auf dem sowjetische Ehrenfriedhof stattfand, legten anschließend Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig, Salzwedels Landrat Michael Ziche und Kreistagspräsident Heinrich Schmauch Kränze auf dem Gräberfeld für die 197 umgebetteten russischen Kriegsgefangenen aus dem Ersten Weltkrieg nieder. Deren Gräber befinden sich genau gegenüber der Gräber deutscher Gefallener aus demselben Krieg.

Man trauere „um alle Toten in gleicher Weise“, betonte der Kreisvorsitzende des Volksbunds deutsche Kriegsgräberfürsorge, Dr. Hans-Joachim Becker, angesichts dieser räumlichen Nähe. Mit der Umbettung werde „eine Lücke in der Historie Gardelegens geschlossen“. Becker erinnerte daran, dass die Stendaler Straße und auch die Bahnhofstraße in Gardelegen während des Ersten Weltkriegs von damaligen Kriegsgefangenen gepflastert worden seien.

Für die musikalische Umrahmung sorgten der Gardelegener Männerchor Eintracht sowie Andrea Wölkert und Eva-Maria Reuschel.

Umbettung russischer Kriegsgefangener in Gardelegen

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