Veränderungen auf Isenschnibbe-Areal bei Gardelegen möglich

Gedenkstätte: Feldscheune als „No-Go-Area“?

+
Gedenkstättenleiter Andreas Froese-Karow erläuterte die Umgestaltungspläne der Landes-Gedenkstättenstiftung.

Gardelegen. Während eines Rundgangs besichtigt ein Ehepaar  die Gedenkstätte Isenschnibbe in Gardelegen. Dort, wo 1016 KZ-Häftlinge am 13. April 1945 in der Feldscheune bestialisch umgebracht wurden. Sie betreten die Umrisse der damals in Flammen gestandenen Scheune. Nichts hindert sie daran.

Doch genau das könnte sich bald ändern. Denn wie Andreas Froese-Karow, der Leiter der Gedenkstätte, die sich seit einem Jahr in Trägerschaft des Landes-Gedenkstättenstiftung befindet, jüngst während einer Führung ankündigte, gebe es Überlegungen, die Überreste der Scheune künftig nicht mehr betreten zu können. Als Symbol dafür, dass das Massaker eben genau dort stattgefunden habe und dies ein ganz besonderer Ort sei. Diese „No-Go-Area“ – also ein Ort, den man nicht betreten sollte –könnte Bestandteil des Gesamtkonzepts für die Gedenkstätte werden.

Die Idee des Nicht-Betretens und des davor Innehaltens fand durchaus Zustimmung. Auch wenn nicht allzu viele Interessierte dem Angebot von Froese-Karow zu dieser Führung folgten. Vor Ort waren acht Erwachsene, ein Säugling und ein Hund. Mit dabei war aber Dr. Hans-Jochim Becker, der Mitglied im Gedenkstätten-Förderverein ist und zugleich Kreisvorsitzender des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge. Auch er hält die Idee, räumlichen Abstand zum Ort des Grauens zu wahren, zumindest für überlegenswert.

Auch die Feuerschale vor der Feldscheune, ein Relikt aus DDR-Zeiten, soll stehen bleiben. Genutzt wird sie schon lange nicht mehr.

Einig waren sich Froese-Karow und die übrigen Teilnehmer des Rundgangs, dass die Relikte aus der DDR-Zeit auf der Gedenkstätte erhalten bleiben sollten. „Die Gedenkkultur der DDR muss den Besuchern aber erklärt werden“, betonte Becker. Sie sei häufig ideologisch belastet gewesen. Ein Beispiel: Die Statue vor der Scheunenmauer sieht kräftig und kämpferisch aus – die KZ-Häftlinge kamen aber entkräftet und ausgehungert in Gardelegen an. Und auch die Inschrift „Und sie haben doch gesiegt“ neben der Scheune sei angesichts von mehr als 1000 Toten zumindest fragwürdig, wenn nicht sogar verstörend. Becker stört sich auch an der eher schmucklosen Stele in der Scheune, an der bei offiziellen Veranstaltungen regelmäßig Kränze und Blumengebinde niedergelegt werden. „Dieser Pott“, so Becker, sei eher unansehnlich. Und: Dort gehören aus seiner Sicht stets frische Blumen hin. Wer die Gedenkstätte zum ersten Mal betrete und dort keine oder längst verwelkte Blumen vorfinde, der müsse zwangsläufig enttäuscht sein.

Einhellige Zustimmung fand das Toten- oder auch Gedenkbuch am Rande des Gräberfeldes. Dort sind die Namen der identifizierten Toten samt Geburtsland und -ort sowie das jeweilige Geburtsdatum aufgeführt. Auch Andreas Froese-Karow hält dieses Buch für elementar. „Ziel der Nazis war es, den Opfern ihre Würde, ihr Menschsein und ihre Namen zu nehmen.“ Da sei dieses Buch eine, wenn auch kleine Antwort darauf.

Froese-Karow kündigte weitere solche Führungen, offen für Interessierte, an.

Von Stefan Schmidt

Kommentare