Gardelegens Touristinfo macht jeden ersten Montag im Monat während der Sommerzeit eine Stadtführung

Gardelegens Geschichte für Anfänger

+
Stadtmitarbeiter Rupert Kaiser (rechts) führte Dietmar Weinhold (v.l.), Johanna Brilling und Doris Feind durch die Geschichte der Hansestadt.

mz Gardelegen. Unter dem Motto „Gardelegen for beginners“ (zu Deutsch: Gardelegen für Anfänger) bietet die Touristiformation Gardelegen während der Sommersaison jeden ersten Montag im Monat eine eineinhalbstündige Stadtführung für Touristen, aber auch für geschichtsinteressierte Einheimische durch Gardelegen.

Treffpunkt ist um 13 Uhr vor der Alten Apotheke, die zu Zeiten ihres Besitzers Bartholomäus Hecht (1567-1590) auch unter dem Namen „Apotheke zum blauen Hecht“ bekannt war, wie Stadtführer Rupert Kaiser aus der Stadtverwaltung bei der gestrigen Führung erklärte. In den Apotheken wurden im Mittelalter nicht nur Arzneien, sondern auch Alkohol und Bier verkauft. Und da Bartholomäus laut Rupert Kaiser selbst sein bester Kunde war, trank er gerne einen über den Durst und war „bluff“, also blau. Deshalb nannte man die Apotheke „Blauer Hecht“. Den Namen „Löwenapotheke“ verdankt das Gebäude Altbürgermeister Julius Beck, der 1907 auf einem Berliner Trödelmarkt eine Löwenfigur entdeckte – noch heute ist die Figur von außen an der Apotheke zu sehen – und sie nach Gardelegen transportieren ließ.

Von der „Alten Löwenapotheke“ ging die Führung in Richtung Rathausplatz, wo auch einiges über das Rathausgebäude erzählt wurde. Wie zum Beispiel, dass sich in der Gebäudekonstruktion die Epochen Romantik, Gotik, Renaissance und Barock verewigt haben. Oder, dass die schwarze Eingangstür des Rathauses mit lauter Nägel aus Soldatenstiefeln besetzt ist, die im Ersten Weltkrieg für 20 Goldmark erworben werden konnten.

Vom Rathausplatz ging es weiter in Richtung Nikolaikirche, vorbei an der Musikschule, die einst das Geburtshaus von Gardelegens Dichter Christoph August Tiedge war, der im 18. Jahrhundert das Herz der Schönen Elisa von der Recke für sich gewann und sie zur Frau nahm. Tietge war laut Rupert Kaiser nicht der erfolgreichste, aber er ist Gardelegens Dichter mit den meisten Gedenktafeln. Von dort aus ging es weiter auf den Wall und dann bis zum Salzwedeler Tor, anschließend in Richtung Goldener Ring, an der Sandstraße vorbei in die Thälmannstraße. Von dort aus am Aschberg und der St. Marienkirche vorbei.

Beendet wurde die Führung am Bankowschen Haus, einem gelben Fachwerkhaus an der Philipp-Müller-Straße, in dem einst Königin Louise von Preußen übernachtete und das bis 1931 das älteste Haus Gardelegens war.

Kommentare