Erstmalige Spritztour der AZ-Volontärin Marilena Berlan auf einem Trike

Gardelegen bis Rathenow: „Mit 300 PS unter meinem Hintern“

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„Kleines, Lust auf eine Spritztour?“, fragte vergangenes Jahr Helmut Friedrich die AZ-Volontärin Marilena Berlan. Seitdem ist ein Jahr vergangen und der geplanten Spritztour auf dem SMT V8 (Steffen Maltritz Trike) stand nichts mehr im Wege.

Gardelegen. Ich bin noch nie in meinem Leben Motorrad gefahren. Und auch sonst stehe ich Fahrzeugen auf zwei Rädern eher skeptisch gegenüber. Ich konnte auch nicht verstehen, was Biker daran toll finden.

Nun ja, das einzige, was mir vielleicht auf zwei Rädern zusagen würde, wäre eine kleine Vespa. So eine wie in der Ramazotti-Werbung. Sie ist nicht zu schnell, sieht stylisch aus, man kommt überall hin und sie ist in Großstädten in puncto Parken ziemlich praktisch. Am besten in Weiß oder in Rot. Jaaaa, wenn ich so darüber nachdenke…das könnte ich mir vorstellen. Nun ja.

„Kleines, Lust auf eine Spritztour?“

Vergangenes Jahr beim Oldtimer-Treffen, das auf dem Rathausplatz in Gardelegen stattfand, fragte mich Helmut Friedrich aus Gardelegen ganz ungezwungen: „Kleines, hättest du nicht Lust auf eine Spritztour mit meinem Trike?“ Ich drehte mich zu ihm um und sah diesen gelben Brummer auf drei Rädern mit zwei Sitzen und dachte: „Ja! Wieso eigentlich nicht? Sieht mit den drei Rädern stabil und kompakt aus. Ich traue mich zwar nicht auf ein Motorrad, aber auf diesen Trike schon.“ An diesem Tag musste ich Helmut zwar absagen, aber ich wusste: Dieses Angebot werde ich nicht abschlagen.

Ein Jahr ist das nun her, die Motorrad-Saison ist schon eröffnet und das Angebot von Helmut schwirrte immer noch in meinem Kopf herum. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich tat es und bat ihn um eine Spritztour. Er stimmte sofort zu und hatte auch gleich ein Ziel vor Augen. „Wir fahren nach Rathenow zu meinem Bekannten Ralph Farin, der dort einmal im Jahr Triketreffen organisiert“, schlug er vor und ich stimmte zu. „Ich hole dich um 10 Uhr ab“, sagte er. Unserer Triketour stand nichts mehr im Wege.

Herzklopfen und Nervosität

In der Nacht vor unserer geplanten Tour wache ich plötzlich aus meinem Schlaf auf und ein mulmiges Gefühl überkommt mich. Mein Herz klopft schneller und Nervosität steigt in mir auf. Zweifel packen mich: „Ohhhh, Rathenow ist doch ein ganz schönes Stück auf so einem Trike. Hoffentlich geht alles gut. Von mir aus können wir auch im Ententempo fahren. Hauptsache, wir kommen gut an“, denke ich und schlafe dann irgendwann zur früher Morgenstunde wieder ein.

Dann ist es soweit: Pünktlich um 10 Uhr steht Helmut vor mir. Eingepackt in seiner schwarzen Lederjacke, ausgestattet mit schwarzen Bikerhandschuhen und in den Händen hält er einen Motorradhelm für mich bereit. Passend für unsere Spritztour habe ich auch meine braune Lederjacke und meine Fliegerbrille an. Das ganze muss schließlich auch optisch etwas hermachen. Wir gehen raus und da steht er nun, der gelbe Brummer auf drei Rädern. Und ich weiß: Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Vorsichtig setze ich meinen Helm auf.

Etwas ungeschickt aufgestiegen, mache ich es mir auf dem Beifahrersitz bequem, der mit schwarzem Kunstfell ausgestattet und ganz kuschelig ist. Und dann macht Helmut sein „Baby“ an: brbrbrbrbr…brbrbrbr…brbrbrbr…brum…brum…brum… macht der Chevroletmotor. Mein Herz klopft schneller. Ich kann es gar nicht glauben: Ich sitze auf einem SMT V8 (einem Steffen Maltritz Trike) mit acht Zylindern und 300 PS unter meinem Hintern. Noch einmal winke ich meinen Redaktionskollegen zu und wir brausen davon. Und ich denke in diesem Moment: „Geil!“

„Tausend Glücksgefühle überkamen mich“

Weg ist die Nervosität, vorbei das Herzklopfen. Tausend Glücksgefühle überkommen mich. Wir fahren auf die B 188 in Richtung Stendal. Hunderte Male bin ich diese Strecke schon gefahren, aber noch nie hatte ich dieses Gefühl von Freiheit gespürt. Die Windstärke, die durch die Geschwindigkeit auf mich prallt, und diese unglaublich schöne Natur, die für mich plötzlich so zum Greifen nah ist. All das vermittelt mir ein Gefühl von Freiheit. Ich fühle mich, als könnte ich fliegen, als wäre ich ein Vogel und würde einfach dem Alltag entwischen.

„Trikefahren ist für mich ausschalten, entspannen und trotzdem aktiv sein. Die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten ist schön – und dass meine Frau Beate mitfährt“, verrät mir Helmut Friedrich bei einem Päuschen. Von April bis Oktober holt er sein Trike raus und fährt damit hauptsächlich zu Triketreffen nach ganz Deutschland, wie zum Beispiel auf Usedom, an die Nordsee oder auch kürzere Strecken wie nach Bad Harzburg. Er hat sich der Gruppe „Würfeltriker Sachsen-Anhalt“ angeschlossen. „Wir nennen uns so, weil wir aus ganz Sachsen-Anhalt zusammengewürfelt sind“, meinte er. Meist treffen sich die Mitglieder der Würfeltriker auf Triker-Veranstaltungen. „Dann wird gefeiert wie die Tiere und am nächsten Tag geht es wieder zurück.“

Helmut: Würfeltriker aus Gardelegen

Ein Faible für Motorräder hatte er schon immer gehabt. Zu DDR-Zeiten besaß der Gardelegener eine ES 250 Deluxe. Nach der Wende, 1990, machte er sich als Mediengestalter und Fotograf selbstständig und hatte keine Zeit mehr, Motorrad zu fahren. Dieses Hobby wurde erstmal auf Eis gelegt. Seine Leidenschaft wurde erst wieder entfacht, als er sein erstes Trike seinem guten Bekannten, Dirk Rossel aus Gardelegen, abkaufte. „Von da an entfachte meine Leidenschaft fürs Trikefahren“, erinnert sich Helmut Friedrich. Mit den Jahren wurde ihm allerdings sein WK-Trike zu klein, denn er wollte mit Trike und Wohnwagen reisen und das ging laut Helmut Friedrich nicht besonders gut, weil der Trike mit nur 34 PS keinen Wohnwagen ziehen konnte. Also verkaufte er ihn. Auf einem Treffen der Pommern-Triker auf Usedom lernte er den Trike-Liebhaber Manfred Ehlers aus Strasburg kennen. Eigentlich wollte er von ihm nur einen Wohnwagen kaufen. Aber am Ende kaufte er den Familiy-Trike mit drei Sitzen samt Wohnwagen. Manfred Ehlers ließ sich sein Trike von Steffen Maltritz in Thüringen anfertigen, hatte aber zusätzlich noch einige Veränderungen vorgenommen, die dazu führten, dass Helmut Friedrich keinen TÜV für das Fahrzeug bekam. Daraufhin nahm er Kontakt zu Maltritz in Thüringen auf und ließ sich das Trike nach seinen Vorstellungen umbauen. „Zwei bis drei Monate hatte die Trike-Anfertigung von Stefan gedauert“, erklärte Helmut und dann war es fertig, sein „Baby“, das er mittlerweile seit drei Jahren fährt. 2018, wenn er seinen Ruhestand antreten wird, will er intensiver mit dem Trike unterwegs sein. Dann will er auch den Süden Deutschlands mit seiner Frau Beate bereisen.

„Ich habe Blut geleckt und würde es wieder tun“

Vier Stunden dauert unsere Spritztour von Gardelegen nach Rathenow und wieder zurück. Vier Stunden, von der ich keine einzige missen möchte. Kurz vor Gardelegen schließe ich während der Fahrt nochmal kurz die Augen, um noch einmal dieses Gefühl vom Fliegen und Freiheit bewusst zu spüren. Ich bedauere, dass die Fahrt schon in wenigen Minuten zu Ende sein wird. Und ich gebe zu: „Ja, ich habe Blut geleckt und ich würde es wieder tun!“

Von Marilena Berlan

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