Thema Fußgängerzone: Was genau ist eine Schrittgeschwindigkeit?

Radfahren in Gardelegen: „Der Fußgänger darf nicht überrascht werden“

+
Das Radfahren in der Gardelegener Fußgängerzone soll laut Beschlussvorlage nur in Schrittgeschwindigkeit und ohne das Überholen von Fußgängern erlaubt werden. Die Entscheidung darüber fällt der Stadtrat am 29. August.

Gardelegen. Diese Beschlussvorlage hat es in sich: Radfahrer sollen in der Gardelegener Fußgängerzone mehr als langsam fahren. So dürften Fußgänger gar nicht überholt werden.

Zum wiederholten Mal werden sich die Mitglieder des Stadtrates also mit dem Thema Radfahren in der Fußgängerzone beschäftigen.

Rund ein Jahr nach dem Grundsatzbeschluss, das Radeln in der Mitte des 245 Meter langen Abschnitts zuzulassen, liegt nun der Beschluss zur so genannten „Teileinziehung der Ernst-Thälmann-Straße“ vor. Und findet in den Reihen der CDU-Stadtratsfraktion – sie ist die größte Stadtratsfraktion – auch Gegner. Wie den Fraktionsvorsitzenden Jörg Gebur, der dem Beschlussvorschlag nicht zustimmen wird.

Haupt-Kritikpunkt: Die Radfahrer dürfen nur mit Schrittgeschwindigkeit durch die Fußgängerzone radeln. Was das konkret bedeutet, steht in der Vorlage unter „Bemerkung“: „Die gebotene Schrittgeschwindigkeit wird Überholen in der Regel ausschließen.“ Für Jörg Gebur bedeutet dies: „Das Tempo bestimmt der langsamste Fußgänger.“ Wenn der aber, so malt es sich der CDU-Fraktionschef aus, „mit dem Rollator durch die Fußgängerzone geht, dann darf er von einem Radfahrer nicht überholt werden, denn sonst begeht der eine Ordnungswidrigkeit.“ Wie das praktisch aussieht, will sich Gebur nicht vorstellen. Nur soviel: „Dann können wir das Radfahrverbot doch gleich bestehen lassen.“

Bei einem weiteren Punkt in der Beschlussvorlage runzelt Jörg Gebur ebenfalls die Stirn: „Der Fußgänger darf nicht überrascht werden.“ Das hätte er doch gern erläutert bekommen, was dieser Passus bedeutet: Keine ruckartigen Bewegungen mit dem Lenkrad? Keine Benutzung der Klingel? Für Gebur steht zwar fest: „Wenn die Beschlussvorlage im Stadtrat durchgeht, dann ist das eben so.“ Aber gleichzeitig sagt er: „Der Fußgänger ist König in der Fußgängerzone“, also solle man die Radfahrer weiter außen vor lassen. Oder wie es CDU-Stadtratsmitglied Kai-Michael Neubüser formuliert: „Fußgängerzone ist nun mal Fußgängerzone. Punkt.“

Über die Einführung des Radfahrens in der Gardelegener Fußgängerzone entscheidet der Stadtrat abschließend und damit endgültig am Montag, 29. August. Sollte das Radfahren dann erlaubt werden, werden an vier Stellen unter das Fußgängerzonen-Schild die Zusätze „Radfahrer frei“ angebracht. Und zwar an der Nord-Einfahrt in Höhe Deutsches Haus, an der Süd-Einfahrt an der Hospitalskreuzung sowie an den seitlichen Zufahrten Aschberg und Rendelbahn.

Von Stefan Schmidt

Kommentare