Antje Weber aus Jeggau kümmert sich mit Tochter Tineke und deren Freundin Alicia um sieben verwaiste Igelkinder

Fröhliches Schlabbern am Milchschälchen

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Hmm! Die Katzenmilch scheint den Igelkindern zu munden, denn sie schlabbern sie zum Teil schon selbstständig aus dem kleinen Schälchen.

Jeggau. Zunächst sind sie kaum zu erkennen. Denn sie haben sich in ihrem Nest aus Heu und Späne so richtig zusammengekuschelt und fast vergraben. Doch kaum spricht Antje Weber sie an und bewegt die Box, in der sie Schlummern, kommt Bewegung in das stachlige Häuflein.

Antje Weber mit ihren sieben Pflegekindern, die mittlerweile nach dem Essen schon neugierig die Gegend erkunden.

Die kleinen Rüssel recken sich schnüffelnd nach oben. Das Knäuel fällt auseinander und es werden sieben kleine Igelkinder sichtbar. Seit gut einer Woche wohnen sie bei der Jeggauerin, die in freier Wildbahn keine Überlebenschancen gehabt hätten. Denn ihre Mutter wurde tot aufgefunden. Helmut Jachalke, der Leiter des Betreuungsforstamtes Klötze, machte den traurigen Fund, erzählt die Biologin, die sich ansonsten mehr mit größeren Säugetieren wie Wolf, Biber, Fischotter und Iltis beschäftigt, und hörte es in der Nähe rascheln. Zum Glück bewegte sich der Igelnachwuchs gerade in seinem Nest und wurde so gefunden. Ihre Überlebenschancen wären sonst gleich Null gewesen. Nach vielen erfolglosen Versuchen, Aufnahme für die Waisen zu finden – alle Igelstationen sind voll –, rief Jachalke völlig verzweifelt bei Antje Weber an, die sich bereit erklärte, sich um die Igelkinder zu kümmern. Zum Glück waren sie da noch ganz propper.

Ein Nest für sie wurde in der eigentlichen Quarantänebox errichtet, die des Nachts im Schuppen auf der Schlafstätte von Kuschel, der Hauskatze, steht. Dann begann die Fütterung mit Katzenmilch, womit man schon gute Erfahrungen gemacht hat. Denn die Minis haben noch keine Zähne, wenn auch die Stacheln – sie werden mit weißen weichen geboren – mittlerweile schon härter geworden sind und bereits piksen. Alle vier bis fünf Stunden ist Essenszeit. Morgens gegen 5 oder 6 Uhr gibt es die erste und abends gegen 22 Uhr die letzte Mahlzeit des Tages. Und Antje Weber muss sich nicht allein um den siebenfachen Nachwuchs kümmern. Ganz große Unterstützung erhält sie von ihrer elfjährigen Tochter Tineke und deren zehnjähriger Freundin Alicia Krümmel, wenn diese aus der Schule kommen. Hingebungsvoll füttern sie die Braunbrustigel, die hier typische Art, mit der Nuckelspritze. Zuvor werden die Babys aber erst einmal ans Schälchen gesetzt, aus dem sie die Milch auch schon schlabbern. Das müssen sie schließlich lernen. Da es aber meist noch nicht genug ist, wird nachgefüttert, bis alle satt sind.

Dann dürfen die kleinen Igel, die sich mit Zwitscherlauten, die eigentlich der Mutter gelten, verständigen, noch etwas herumlaufen, was sie ausgiebig genießen. Sie werden immer agiler und mutiger. Und die Aufpasser haben zum Teil schon Mühe, alle im Auge zu behalten. Meist guckt dabei auch Kuschel zu, die sich gegenüber den Igelkindern – es sind vier Jungs und drei Mädchen – ganz friedlich verhält. Beim Füttern ist sie immer in der Nähe. Denn es könnte ja etwas Milch für sie abfallen, lacht die Biologin.

Wenn die Zähne gewachsen sind, werden die Igelkinder mit unter die Milch gemischtes Hackfleisch an feste Nahrung gewöhnt. Sie sollen dann auch später so naturnah wie möglich später gefüttert werden, das heißt mit Regenwürmern und Schnecken, die die Mädchen sammeln wollen. Schließlich müssen die Minis bis Oktober wenigstens 500 Gramm auf den Rippen haben. Dann ist Zeit für den Winterschlaf, für den sie auf dem Grundstück einen großen Laubhaufen erhalten werden, um sie noch in der Nähe zu haben. Im Frühjahr können sie dann gehen, wohin sie wollen.

Und im Namen der Igel hat Antje Weber noch eine Bitte an die Gartenbesitzer. Sie sollten auf jegliche Gifte verzichten, die über die Nahrungskette auch die Igel schwer belasten können.

Von Elke Weisbach

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