Hobby-Imker Gunter Roitsch erklärt Gardelegener Siebtklässlern die Bedeutung der Bienen

„Bienen sind eigentlich Honigmacher“

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Hobby-Imker Gunter Roitsch hatte für die Gardelegener Gymnasiasten der Klasse 7 d Bienenkästen mitgebracht, die sich schön warm anfühlten, wenn man die Hand drauflegte.

Gardelegen. 1,5 Millionen Bienen summen und sammeln derzeit auf dem Grundstück von Gunter Roitsch in Mieste: „Jetzt sind die Völker maximal stark“, so der Hobby-Imker, der am Mittwoch als Lehrer an das Gardelegener Geschwister-Scholl-Gymnasium zurückkehrte.

Bis vor zwei Jahren unterrichtete Roitsch Biologie und Sport. Er besuchte mitsamt Honiggläsern, Bienenwachs, und einigen Königinnen die Klasse 7d, um ihnen etwas über die „Honigmacher, nicht Honigsammler“ zu erzählen.

20 Völker beherbergt der Hobby-Imker insgesamt, kennt sich ziemlich gut aus: „Die erste Stunde als junger Referendar war über die Honigbiene“, so Roitsch. Seit 25 Jahren imkert er schon, die Honigbiene ist also ein wichtiger Teil seines Lebens. Doch nicht nur seines Lebens: „Wenn die Biene stirbt, stirbt vier Jahre später auch der Mensch“, zitierte Roitsch Albert Einstein. Denn die fleißige Biene ist der wichtigste Pflanzenbestäuber – ohne sie, hätte auch der Mensch nicht genug Nahrung. Allerdings macht ihr der Mensch einen dicken Strich durch die Rechnung, denn das Nahrungsangebot der Biene schrumpft. Zum Beispiel dadurch, dass viele Landwirte auf ihren Feldern nur noch Mais anbauen. Stattdessen könne man Sonnenblumen anbauen, was besser für die Bienen, für den Menschen aber finanziell nicht so rentabel wäre, wusste Roitsch zu erzählen. Auch der Einsatz vieler Pestizide, wie zum Beispiel des umstrittenen Glyphosats, machen dem Bienenbestand schwer zu schaffen, erklärte Gunter Roitsch den aufmerksamen Schülern. So gelte ein Herbizid für Bienen dann als ungefährlich, wenn 50 Prozent von ihnen überleben.

„Die Biene orientiert sich an der Tageslänge und am Licht“, erzählte Roitsch. Erst wenn es draußen über 10 Grad warm ist, fliegt die Biene überhaupt aus. Ihre eigene Körpertemperatur muss 35 Grad betragen, es gibt sogar „Heizerbienen“, die verstärkt dafür sorgen, dass der Bienenstock nicht abkühlt. Deshalb waren auch die mitgebrachten Schaukästen, in denen die Honigbienen von Gunter Roitsch umherkrabbelten, schön warm, als die Schüler ihre Hände darauf legten. Sie schauten sich das summende Gewusel hinter dem Glas auch ganz genau an, um die Königin zu entdecken. Sie unterscheidet sich im Aussehen von den weiblichen Arbeiterinnen und männlichen Drohnen, denn sie hat einen viel längeren und schmaleren Hinterleib.

Das erste, was die Arbeiterinnen bei ihren Sammelflügen – sie absolvieren etwa sechs Sammelflüge am Tag – im Frühjahr zu sich nehmen, sind Weidenpollen, außerdem mögen sie Apfel- und Kirschblüten. Der aufgenommene Nektar wird im Honigmagen verarbeitet und wieder ausgeschieden – so entstehe der Honig: „Also ist die Bezeichnung Honigsammlerin falsch, Bienen sind Honigmacherinnen“, erklärte der Imker. Er hatte auch Honiggläser mitgebracht: In einem Glas war Rapshonig, den der Imker erst zwei Tage zuvor „geschleudert“ hatte, und den sich dann auch alle auf ein Brötchen schmieren und schmecken lassen konnten. Und dieser Honig war nicht nur lecker, sondern auch besonders wertvoll für die Gesundheit. Denn er enthält viele wertvolle Stoffe, ist zum Beispiel gut für die Haut und kann entzündungshemmend wirken. Und sogar bei Pollenallergien helfen: Man müsse nur vor der Allergiesaison regelmäßig Honig aus der Region essen. Das würde dazu führen, dass man dann nicht mehr so stark auf den Blütenstaub in der Luft reagiert, erklärte Gunter Roitsch. Er machte auch darauf aufmerksam, dass der flüssige Honig, den es in den Supermarktregalen zu kaufen gibt, nicht viel mehr sei, als „Zuckerwasser“, denn Honig würde mit der Zeit, wenn er nicht gerührt wird, kristallisieren. Der dauerhaft flüssige Honig werde auf über 65 Grad erhitzt, damit er so flüssig bleibt – wodurch die Enzyme und wertvollen Inhaltsstoffe zerstört werden.

Über den Hauptpreis, ein Glas ziemlich festen Honigs, freute sich dann bei einem abschließenden Bienen-Quiz der 13-jährige Hannes Witt.

Von Hanna Koerdt

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