In manchen Dörfern wird seit Jahren Geld gehortet / Künftig strengere Auflagen

Brauchtumsmittel: Ein Drittel wird nicht abgerufen

+
4,50 Euro pro Einwohner erhalten die Dörfer im Gardelegener Stadtgebiet als Brauchtumsgeld. Doch nur etwa zwei Drittel dieser Summe wird seit Jahren überhaupt abgerufen.

Gardelegen. Es handelt sich um ein sensibles Thema. Und vor allem die Ortsbürgermeister und Stadträte aus den Dörfern kämpfen seit vielen Jahren um möglichst viel Geld für den Topf der Brauchtumsmittel.

Geld, das der jeweilige Ortschaftsrat beispielsweise an Vereine und andere Organisationen weiterreichen kann, wenn Feste und andere Veranstaltungen anstehen. Ob das Maibaum-Aufstellen, die Weihnachtsfeier, das Dorffest oder das Vereinsjubiläum: Wer Veranstaltungen organisiert, gibt Geld aus. Und wird dafür mit städtischem Geld – also Steuergeld – unterstützt.

Doch ein Blick auf die Abrechnungsliste für Brauchtumsmittel aus dem Jahr 2015 zeigt: Nur etwa zwei Drittel der Brauchtumsmittel sind im Vorjahr abgerufen worden. Von den bereitgestellten 68 302,83 Euro sind tatsächlich nur 44 561,39 Euro ausgegeben worden – also rund zwei Drittel. Damit wurden stolze 23 741,44 Euro ins neue Jahr übertragen.

Dies ist laut Liste kein Einzelfall: Bereits von 2014 auf 2015 gab es eine Übertragung von exakt 22 302,83 Euro. Soll heißen: Auch im Jahr 2015 wurde nur ein Teil des Brauchtumsgeldes auch wirklich ausgegeben.

„Wir haben das in den vergangenen Jahren relativ großzügig gehandhabt“, sagt Gardelegens Kämmerer und stellvertretender Bürgermeister Maik Machalz. Zwar gab es immer mal wieder Gründe, das Geld nicht vollständig abzurufen. Wenn beispielsweise im Jahr darauf ein großes Fest oder Jubiläum anstand, für das das Brauchtumsmittel-Geld angespart werden sollte. Wenn aber in einem Dorf mittlerweile das annähernd Siebenfache eines Jahresbudgets „auf die hohe Kante“ gelegt wird, dann hat das offensichtlich nichts mehr mit einem Ansparen für ein Großereignis zu tun. Im konkreten Fall Peckfitz ist diese angehäufte Summe sogar positiv: Sponsoren haben mitgeholfen, Feste im Dorf zu finanzieren, so dass das Brauchtumsgeld mitunter nicht oder nur zum Teil benötigt wurde. In anderen Orten mag es so sein, dass es kaum Vereine gibt, die das Geld tatsächlich für sich in Anspruch nehmen können. Folglich wird das Budget nicht komplett abgerufen. Und: Auch beim Brauchtumsgeld gibt es das bei Behörden bekannte „Dezemberfieber“: Kurz vor Jahresende wird besonders viel Geld abgerufen, um im Folgejahr wieder dieselbe Summe zu erhalten. „Zum Jahresende hin kommen verhältnismäßig viele Rechnungen, was das Brauchtumsgeld angeht, bei uns an“, bestätigt Maik Machalz.

Für das neue Haushaltsjahr gilt hingegen grundsätzlich: Es kann kein Geld mit ins neue Jahr hinübergenommen werden. Wer sein Brauchtumsmittel-Budget nicht vollständig ausschöpft, muss im neuen Jahr mit dem jährlichen Sockelbetrag auskommen, also mit 4,50 Euro pro Einwohner. Es sei denn, es gibt „besondere Anlässe“, so Maik Machalz. Und: Es muss jeweils ein gesonderter Antrag auf Übertragung des Geldes gestellt werden. Einen „Freifahrtschein“ wie bisher wird es nach Aussage des Kämmerers nicht mehr geben. „Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen eingehalten werden“, sagt Machalz dazu. Soll heißen: Wird Geld in das neue Jahr übertragen, muss der Haushaltsansatz entsprechend erhöht werden.

Von Stefan Schmidt

Kommentare