Nach Straßenumbenennung: Behörde kassiert bei Jürgen Bajerski Fernsehgebühren zehnfach ab

„Das finde ich hammerhart“

+
Jürgen Bajerski aus Laatzke musste sich monatelang wegen zu viel erhobener Fernehgebühren ärgern. Anlass war die Straßenumbenennung nach der Gebietsreform im Gardelegener Stadtgebiet.

Laatzke. Das kleine Dorf Laatzke hatte mal eine Dorfstraße.

Im Zuge der Gebietsreform und der damit verbundenen Vermeidung von doppelten Straßennamen – Dorfstraßen gab es bis zum Jahr 2013 in fast jedem Gardelegener Ortsteil – bekam das Haus des Laatzkers Jürgen Bajerski eine neue Anschrift. Statt an der Dorfstraße 31 wohnt er nun an der Lindenallee 31.

Diese Veränderung sorgte zu Beginn dieses Jahres für Erstaunen bei Jürgen Bajerski. Denn beim Blick auf seinen Kontoauszug stellte er fest, dass sich die Rundfunkgebühr, die seit einiger Zeit nur noch pauschal pro Haushalt abgerechnet wird, plötzlich verzehnfacht hatte. Statt etwas mehr als 50 Euro hatte die dafür zuständige Stelle genau 539,40 Euro von Bajerskis Konto abgezogen. Ohne vorherige Ankündigung, ohne Begründung. Einfach so.

Jürgen Bajerski rief an, beschwerte sich. Und erhielt eine abenteuerliche Antwort: Er habe ja neuerdings einen Zweitwohnsitz, wurde ihm beschieden. „Davon wusste ich bis dahin gar nichts“, kann er heute, ein Vierteljahr und diverse Schriftstücke später, fast schon darüber lachen.

Wie man denn darauf komme, dass er einen Zweitwohnsitz habe, wollte Jürgen Bajerski wissen. Antwort: Er habe ja jetzt zwei Adressen. Nämlich Dorfstraße 31 – die alte Adresse – und Lindenallee 31 – dasselbe Grundstück, nur eben mit vom Gardelegener Stadtrat beschlossener neuer Adresse.

Also schlussfolgerte die Einzugsstelle, dass Jürgen Bajerski doppelt zur Kasse gebeten werden müsse. Und zwar auch noch rückwirkend – deshalb die Einkassierung des zehnfachen Betrages auf einen Schlag.

Während Jürgen Bajerski mit dem „Beitragsservice MDR“ weiter verhandelte und aufgefordert wurde nachzuweisen, dass er tatsächlich nur eine und nicht zwei Wohnungen besitzt, zog man weiter munter die so genannte „Basislastschrift“ doppelt ab: 105 Euro statt der bisherigen Hälfte davon. „Ich finde es merkwürdig“, sagt Jürgen Bajerski, „dass ich mühsam nachweisen muss, dass die Einzugsstelle einen Fehler gemacht hat.“ Ein einfacher Anruf bei der Gardelegener Stadtverwaltung hätte genügt, um alles aufzuklären. „Ich habe ja nichts falsch gemacht und mir den neuen Straßennamen auch nicht selbst ausgesucht“, schimpft Bajerski, der das Vorgehen „hammerhart“ findet.

Mittlerweile ist alles geklärt. „Ich werde das zu viel abgebuchte Geld zurückerstattet bekommen“, atmet der Mann aus Laatzke auf. Das habe man ihm versichert. Seine Befürchtung: „Ich bin vielleicht nicht der Einzige, mit dem so umgegangen worden ist.“ Nämlich, dass aufgrund einer an sich simplen Straßenumbenennung plötzlich über Monate hinweg doppelt abkassiert worden ist.

Von Stefan Schmidt

Kommentare