Alt-Bürgermeister Konrad Fuchs mäht nach Eintritt in den Ruhestand den Rasen im Bürgerpark

Bürgerschaftliches Engagement im Rentenalter

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Vorleben, was er jahrelang von anderen gefordert hat: Gardelegens ehemaliger Bürgermeister Konrad Fuchs beim persönlichen bürgerschaftlichen Engagement auf dem Areal des Bürgerparks.

Gardelegen. Er hat es immer wieder eingefordert. Jahrelang. Bei fast jeder Rede, die Konrad Fuchs während seiner Amtszeit als Bürgermeister der Stadt Gardelegen irgendwo hielt, rief er die Einwohner zu „bürgerschaftlichem Engagement“ auf.

Sollte heißen: Nicht immer auf Stadt, Kreis oder generell die Politik warten, sondern selbst anpacken. Selbst mal zur Harke greifen, selbst Einnahmen akquirieren.

Seit einem Monat befindet sich der 63-Jährige nun im Ruhestand. Und übt selbst bürgerschaftliches Engagement aus. In dieser Woche mähte er den Rasen auf dem Fußballfeld im Gardelegener Bürgerpark. Das Naherholungsgebiet hatte er vor gut einem Jahr in seiner Funktion als Bürgermeister noch mit eröffnet, die Umgestaltung von einer kontaminierten Chemiebrache zu einem kleinen Freizeitpark vom Rathaus aus mit begleitet. „Ich habe die Firma, die für die Pflege zuständig ist, gefragt, ob ich hier den Rasen mähen darf“, erzählt Fuchs, während er seinen eigenen Rasenmäher in der Mittagshitze bedient. Weil die Fußballfläche nicht Bestandteil des Auftrags an die Firma war, hatte man nichts gegen das private Mähen.

Und so sorgte Fuchs für einen kurz gehaltenen Rasen – wenn man ihn denn so nennen kann. Denn eines ärgert den Alt-Bürgermeister: „Dort, wo gekickt werden soll, grasen mitunter Schafe.“ Die entsprechend Köttel hinterlassen. „Wer will denn auf so einem Untergrund dem Ball nachjagen?“, wundert er sich. Die Schafe sollen mithelfen, die weitläufigen Grünflächen im Gardelegener Bürgerpark auf natürliche Art kurz zu halten – tierische Rasenmäher sozusagen.

Ansonsten gehe es ihm vier Wochen nach seinem letzten Tag im Gardelegener Rathaus „sehr gut“, berichtet Konrad Fuchs. „Ich habe genau das Richtige getan und zum für mich richtigen Zeitpunkt aufgehört“, sagt der 63-Jährige. Nun könne er endlich selbst über seine Zeit bestimmen, gebe es nicht mehr so viele Pflichttermine. Und: „Ich bin nicht mehr in der Verantwortung, bin nicht mehr an allem schuld. Das genieße ich.“

Ein bisschen Verantwortung ist dann aber doch noch da. Auf freiwilliger Basis. Zum Beispiel für einen Teil der Rasenfläche im Bürgerpark.

Von Stefan Schmidt

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