Abdoul Coulibaly aus Magdeburg berichtete im Kreis-Kulturausschuss über Integration und das Erlernen der Sprache

„Bei Schwarzen greift oft das Stereotyp“

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Abdoul Coulibaly, Koordinator für Integration und Zuwanderung der Stadt Magdeburg, berichtete dem kreislichen Kulturausschuss unter dem Vorsitz von Carsten Borchert über die Integration von Emigranten, aber auch über deren Grenzen.

Zethlingen. Als Abdoul Coulibaly zur Sitzung des Kreis-Kulturausschusses nach Zethlingen fuhr, stieg er in seinem Wohnort Magdeburg in den Zug. Unterwegs kontrollierte eine Schaffnerin die Fahrkarten.

Coulibaly holte sein Sachsen-Anhalt-Ticket heraus – doch das reichte der Frau nicht. Sie wollte weitere Dokumente sehen. Coulibaly, der aus dem afrikanischen Staat Mali stammt, aber seit 27 Jahren in Deutschland lebt, zeigte daraufhin seinen deutschen Pass – er hat seit einigen Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft. Erst da war die Schaffnerin zufrieden.

Derlei kleine Vorfälle ist Abdoul Coulibaly, der seinerzeit aus dem Mali in die DDR zog, längst gewöhnt. Er berichtete im kreislichen Kulturausschuss trotzdem davon. Dort referierte er über „Integration – Holschuld? Bringschuld? Oder beides?“. Darüber, dass es gerade Schwarze in Deutschland schwer haben. „Je dunkler die Hautfarbe ist, desto komplizierter ist das Zusammenleben“, lautet das Fazit des „Koordinators für Integration und Zuwanderung in der Stadt Magdeburg“, wie Coulibalys Titel offiziell im schönsten Behördendeutsch heißt.

Beispiel: „Stehen drei Italiener an einer Straßenkreuzung in Deutschland, ist das nichts Besonderes. Sind es aber drei Schwarzafrikaner, dann greift oft das Stereotyp.“ Nämlich vom Drogendealer, vom Kleinkriminellen.

Es gebe aber auch eine Bringschuld jener, die nach Deutschland kommen. Das machte Coulibaly, der längst fließend deutsch spricht, klar. „Wer 20 Jahre hier lebt und immer noch kein Deutsch kann, der sollte sich ernsthaft die Frage stellen, wie seine Zukunft hier aussehen soll.“ Coulibalys Einschätzung: „Solche Leute können wir in Sachen Integration nicht mitnehmen.“ Soll heißen: Hier hat die Integration Grenzen. Coulibaly spricht dies bewusst aus, denn „Deutschen fällt es oft schwer, dies zu sagen“.

Er nennt sich selbst als Beispiel: Als er vor 27 Jahren in die damalige DDR kam, musste er nach sechs Monaten eine Deutsch-Prüfung bestehen – wenn nicht, wäre er wieder zurückgeschickt worden. Er bestand. Und heute „ist unsere gemeinsame Kultur die Verfassung“, sagt Coulibaly in Bezug auf sein Verhältnis zu Deutschland.

Auswüchse wie beispielsweise die Salafisten im Raum Wuppertal mit ihren „Polizeistreifen“ nächtens vor Discotheken lehnt Coulibaly strikt ab. „Das kann nicht angehen.“ In anderen Ländern „hätte man längst damit Schluss gemacht“. In einer Demokratie sei das hingegen schwieriger.

Integration sei dann gelungen, „wenn man mit seinen Nachbarn klarkommt“. Auch dann, wenn man eine andere Religion habe. Dazu gehöre Rücksichtnahme, aber auch Verständnis für den anderen. Warum, so fragt sich Abdoul Coulibaly, „soll man beispielsweise als Moslem nicht mal zu Weihnachten von seinen deutschen Nachbarn eingeladen werden“ – und dann auch hingehen? Ohne dass man sich selbst einen Weihnachtsbaum ins Wohnzimmer stellen müsse, könne man dadurch Weihnachten besser verstehen. Und anders herum auch: Deutsche Nachbarn am eigenen Religionsfest teilhaben zu lassen, fördere ebenfalls das gegenseitige Verstehen.

Coulibaly plädiert für eine Art Integrationsvereinbarung zwischen Einheimischen und Migranten. Darin müsse auch zwingend das Erlernen der deutschen Sprache sowie die Integration der Kinder enthalten sein. Nur so könne Integration überhaupt klappen, ist er überzeugt.

Nach dem Vortrag in Zethlingen fuhr Abdoul Coulibaly wieder zurück nach Magdeburg. Mit dem Zug. Und vermutlich musste er auch wieder neben seinem Sachsen-Anhalt-Ticket diverse weitere Dokumente für die Fahrkartenkontrolle bereit halten.

Von Stefan Schmidt

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