Neues Rinderzuchtzentrum „unumgänglich“ / Aus Stendaler Standort wird „Herdbuchhaus“

Zentraler Anlaufpunkt in Bismark

+
Im Frühjahr 2017 soll das neue Rinderzuchtzentrum in Bismark bezugsfertig sein. Das Gebäude in Stendal wurde verkauft. Der Investor will dort Wohnungen und Büros schaffen.

mei Bismark / Stendal. Die Tage des Standortes des Rinderzuchtverbandes Sachsen-Anhalt (RSA) an der Stendaler Bahnhofstraße sind gezählt: Das Gebäude ist nach Angaben von Franziska Kasper von der Rinder-Allianz, an einen Investor verkauft worden, werde aber noch bis zum Umzug nach Bismark genutzt.

Künftig werde dieses Gebäude den Namen „Herdbuchhaus“ tragen, „um an die Tradition des Hauses zu erinnern“, erklärt Kasper auf AZ-Nachfrage. Das Gebäude werde aber nichts mehr mit Rinderzucht zu tun haben, sondern Wohnraum und Büroräume beherbergen.

Zentraler Anlaufpunkt

Grund für die Aufgabe des Standortes ist der Neubau in Bismark. Die „Kunden“ sollen an einer Stelle vieles, was für einen Landwirtschaftsbetrieb gebraucht wird, finden. „Insofern steht der Dienstleistungsgedanke im Mittelpunkt dieser Investition“, betont Kasper. „Die Konzentration von vier Dienstleistern (siehe Infokasten, d. Red.) schafft für die Rinderhalter einen zentralen Anlaufpunkt in Sachsen-Anhalt“, so Kasper weiter. Sie rechnet mit einer Inbetriebnahme im Frühjahr 2017.

Die Landwirtschaft ist keinesfalls frei von Bürokratie – im Gegenteil. Rinderzüchter brauchen beispielsweise Zuchtbescheinigungen, Rindersamen der verschiedensten Rassen, Euterpflegemittel. Und sie brauchen Rat in Sachen Zucht und Milchleistungsprüfung. Die Rinder-Allianz in Bismark will die Dienstleistungen für Milch- und Fleischrindhalter deshalb unter einem Dach konzentrieren und baut am Osterburger Wege 1 ein modernes Rinderzuchtzentrum.

Kasper macht keinen Hehl daraus, dass der extrem niedrige Milchpreis genau wie bei den Landwirten auch bei der Rinder-Allianz zu Einnahmeverlusten geführt hat. Jetzt gelte es, vorhandene Synergieeffekte zu erschließen und konsequent zu nutzen. Eine Konzentration der teuren Bullenhaltung und Samenproduktion an einem Standort sei deshalb unumgänglich.

Die Ställe in Bismark werden nach Kaspers Angaben zu einem weiteren Vermarktungszentrum ausgebaut. Dadurch können Rinder in getrennten Stallungen in Bismark gesammelt oder für EU-Exporte quarantänisiert werden. Nicht nur für die Rinder-Allianz, sondern auch für die Landwirte würden so weitere Vermarktungsmöglichkeiten geschaffen. Der Zuchtviehmarkt, vor allem der Export, biete perspektivisch gute Absatzmöglichkeiten. „Allein im laufenden Abrechnungszeitraum sind die Vermarktungszahlen im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent gestiegen“, resümiert Kasper.

Die Konzentration der Bullenhaltung an einem Standort werde zu deutlichen Kosteneinsparungen führen und eröffne gleichzeitig neue Möglichkeiten für die Rindervermarktung, so die Marketing-Expertin abschließend.

Kommentare