In der Toilette entsorgte Hygieneartikel führen in der Kläranlage zu erheblichen Problemen

Windeln verstopfen die Pumpen

Kläden. Seit dem 30. Januar 1995 wird in der Kläranlage zwischen Kläden und Badingen täglich 24 Stunden lang Wasser gereinigt, doch in den vergangenen Monaten sind vermehrt Probleme beim Ableiten von Abwasser aus den Haushalten aufgetreten.

Einige Bürger entsorgen Hygieneartikel wie Babywindeln, Damenbinden und Feuchttücher in der Toilette. Aufgrund der Reißfestigkeit des Materials führen diese Artikel im Kanalsystem und in den Abwasserpumpwerken zu Verstopfungen, die nur mit erheblichem Aufwand entfernt werden können und müssen.

Das sogenannte Rohwasser wird über drei Hauptleitungen aus den angeschlossenen Ortschaften mit Druckluft zur Kläranlage transportiert. Hier erfolgt zunächst die mechanische Reinigung. In zwei Prozessen werden aus dem Wasser das Rechengut (abgetrennte Stoffe) und der Sand entfernt. Das Rechengut kommt auf die Restmülldeponie und wird verbrannt, der Sand wird nach Halle gefahren und speziell entsorgt. Über eine Wasserleitung gelangt das Wasser von der mechanischen zur biologischen Reinigung in vier „Bio-P-Becken“, wo Phosphate zerstört werden. Im Anschluss daran fließt das Wasser über eine Art Kanal in zwei Belebungsbecken, die bestimmte Bakterien enthalten, um Stickstoff- und Kohlenstoffverbindungen zu eliminieren.

„Das Schlimmste, das passieren kann, ist, dass Kraftstoffe in die Kläranlage geraten“, sagt Abwassermeister Lutz Esser vom Wasserverband Stendal-Osterburg. Kraftstoffe seien Gift für Bakterien und töten diese.

Bei so einer Verunreinigung muss der verantwortliche Mitarbeiter sofort reagieren und den Kraftstoff binden.

Im Nachklärbecken wird die schlammige Biomasse vom Wasser getrennt. Im 4,5 Meter tiefen Becken befindet sich auf dem Boden eine circa ein Meter hohe Schlammschicht. Das fast saubere Wasser gelangt über einen künstlichen in einen weiteren Graben, von wo es in die Flüsse läuft. Der Schlamm wird in einen Schlammspeicher gepumpt und regelmäßig von Bauern aus der Region zur Düngung ihrer Felder abgeholt.

An einem trocken Tag werden auf diese Weise durchschnittlich 1200 Kubikmeter Wasser gereinigt, bei Regen können es auch schon mal bis zu 2500 Kubikmeter sein. Der vollständige Reinigungsprozess dauert zwischen 4,5 und sechs Stunden.

Besondere Probleme bereiten der Anlage achtlos in die Toilette geworfene Hygieneartikel. Diese führen laut Esser zu Verstopfungen im Kanalsystem und müssen mit speziellen Fahrzeugen und entsprechender Technik beseitigt werden. Diese Reinigungsarbeiten kosten nicht nur sehr viel Zeit, sondern sind zudem auch noch sehr teuer. Aus diesem Grund bittet Esser alle Mitbürger eindringlich, ihre Hygieneartikel „fachgerecht, nämlich über den Restmüll“, zu entsorgen.

Wer Interesse an einer Führung über den Betrieb hat, finden die Kontaktdaten der Kläranlage im Internet.

Von Niels Troelenberg

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