Niederdeutscher Gottesdienst in Grassau gut besucht / Karl-Heinz Mewes erzählt von Nikodemus und Jesus

Up Platt wedder in de Kirche gesnackt

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„Hett allns sien Tiet“ (Hat alles seine Zeit) steht auf dem Gedenkstein vor der Kirche zu Grassau, wo jetzt der 17. plattdeutsche Gottesdienst stattfand.

mb Grassau. Gut zwei Jahre herrschte Stille in der Kirche zu Grassau, zumindest in Sachen plattdeutscher Gottesdienst. Jetzt wurde diese schöne Tradition wieder belebt und soll auch, wenn möglich, so Klädens Pfarrer Stefan Kemper-Kohlhase, wieder jährlich stattfinden.

Zusammen mit „De Plattsnacker ut Grassau“ und Prädikant Karlheinz Mewes aus Deutsch, der von Annemarie Timling (Lesungen) unterstützt wurde, fand der 17. plattdeutsche Gottesdienst in Grassau statt.

Gut 70 Kirchgänger aus Grassau und den umliegenden Dörfern waren zu diesem besonderen Gottesdienst gekommen – vornehmlich ältere Menschen, die Plattdeutsch aus Kindertagen kennen.

Die kleine Dorfkirche war mit gut 70 Kirchgängern gut gefüllt. „Mit so vielen Besuchern haben wir gar nicht gerechnet“, sagte die Kirchenratsvorsitzende Heidelore Klapötke. Das zeige, dass die Menschen solche Gottesdienste gern annehmen. Die musikalische Umrahmung dieser Feierstunde übernahm Pfarrer i.R. Jens Walther aus Kläden. In seiner Predigt ging Karlheinz Mewes auf ein Gespräch von Nikodemus und Jesus ein. Dunkel lag die Stadt Jerusalem da. Hier und da hörte man noch leise Stimmen, Geflüster oder leises Lachen, doch die meisten Menschen waren bereits zu Bett gegangen. Nur der Mond und die Sterne beschienen die schlafende Stadt. In dieser Nacht suchte Nikodemus Jesus auf. Er hatte so viel über diesen Menschen gehört, über die Wunder, die er tat, über die Dinge, die er den Menschen sagte, über die Hoffnungen, die er in den Menschen weckt.

Pfarrer Karlheinz Mewes aus Deutsch führte „up Platt“ durch den Gottesdienst und hielt die Predigt über Nikodemus und Jesus.

Nikodemus war ein Pharisäer, das heißt, einer von jenen Männern, für die das jüdische Gesetz sehr wichtig war und die sich darum bemühten, es im Alltag zu leben. Zudem war er Mitglied des Hohen Rates und damit jenes Gremiums, in dem zur Zeit Jesu 71 Männer versammelt waren. Die führenden Schriftgelehrten, angesehene Älteste und Priester kamen hier zusammen, um über religiöse Dinge zu beraten und sie zu entscheiden. Einer von ihnen war Nikodemus. Und nun hatte er sich nachts aufgemacht, denn er wollte diesen Menschen gerne mit eigenen Augen sehen und mit ihm sprechen.

Über viele Jahre war es Pfarrer i.R. Gottfried Winter aus Bad Wilsnack, der durch die Gottesdienste führte. Mit Pfarrer Karlheinz Mewes hat man nun einen sehr guten Nachfolger gefunden. Im Anschluss an den 17. plattdeutschen Gottesdienst luden „De Plattsnacker ut Grassau“ sowie die Kirchengemeinde zur gemeinsamen Kaffeetafel in den Saal der ehemaligen Gaststätte Lüderitz ein, um dort noch einige gemütliche Stunden zusammen zu verleben – und ein wenig Platt zu snacken.

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