Beratungstag zu Stasi-Unterlagen: Über 20 Personen haben Interesse an ihren Daten aus der DDR

Eine Akte mit vielen Geheimnissen

+
Dr. Wolfgang Laßleben von der Behörde der Landesbeauftragten für Stasi-Unterlagen und Hans-Peter Schulze vom Caritasverband für das Bistum Magdeburg berieten die Interessierten und halfen ihnen beim Ausfüllen des Antragsformulars.

Bismark. Weil viele Bürger der ehemaligen DDR auch 26 Jahre nach der Wiedervereinigung noch wissen wollen, ob es eine Stasi-Akte über sie gibt und was darin steht, werden Beratungstage wie der gestrige in Bismark angeboten.

Der überwiegende Teil der Personen, die zu diesem kommen, möchte wissen, ob es Unterlagen über sie gibt und gegebenenfalls Einsicht in diese erhalten, erzählt Dr. Wolfgang Laßleben von der Behörde der Landesbeauftragten für Stasi-Unterlagen. Gut zehn Prozent hätten andere Fragen, beispielsweise zur Rehabilitierung. Auch bei den 26 Personen, die gestern bis um 16. 30 Uhr im Bürgerhaus waren, sei das so gewesen. Allerdings wollte eine Person eine Decknamenentschlüsselung beantragen.

Aber der Reihe nach: Zuerst muss man einen Antrag auf Auskunft und Einsicht sowie Herausgabe von Duplikaten stellen. Nach drei bis fünf Monaten erhält man die Auskunft, ob es eine Karteikarte oder eine Akte über einen selbst gibt. Gäbe es die Karteikarte, würde man diese auch gleich als Kopie erhalten. Liegt eine Akte vor, könne es gut ein weiteres Jahr dauern – falls ein eilbedürftiger Antrag vorliegt – bis dass maximal 85 Seiten als Kopie verschickt werden. Sollte eine Akte mehr als 85 Seiten umfassen, schlägt die Behörde einen Termin zur Einsicht in einer der Außenstellen vor. Wenn keine besondere Eile geboten sei, könne beides bis zu drei Jahre dauern. Den Kopien liegt ein Anschreiben bei, in dem auch auf die Möglichkeit der Decknamenentschlüsselung hingewiesen werde.

Dr. Laßleben empfiehlt die Entschlüsselung ausdrücklich, um falschen Verdächtigungen vorzubeugen. Spitzel hätten nämlich auch gerne mal den Namen von Bürgern aus dem Ort verwendet, die aber tatsächlich nie für die Stasi gearbeitet haben.

Übrigens würden sich monatlich immer noch je 500 Personen an die Außenstellen in Halle und Magdeburg wenden. Das ungebrochene Interesse erklärt Dr. Laßleben damit, dass immer wieder Personen in Rente gehen würden, dann erst Zeit fänden.

Kommentare